Trumps vergessener Burger

Trumps vergessener Burger

In Zeiten von Counterfacts beziehungsweise „Alternativen Fakten“ muss man sicherlich vorsichtig sein hinsichtlich bestimmter Meldungen. Im Gegensatz zur mittlerweile beliebten Haltung, die Presse pauschal für einen Hort der Unwahrheit zu halten, bin ich nach wie vor von der überwiegenden Seriosität überzeugt. Ja, selbst Zeitung wie die Rheinische Post, um die ich früher in Wesel einen großen Bogen machte, wirken auf mich im Social-Media Zeitalter wie Bollwerke der Aufklärung — gut, vielleicht ist das jetzt doch etwas übertrieben.

Wie dem auch sei, dass an der Meldung „Trump-Fan klagt über Boykott seines Essener Burgerladens“ bei RP-Online etwas dran ist, halte ich für sehr wahrscheinlich. Im Kern geht es um einen US-Amerikaner, der in Essen (Grüne Hauptstadt Europas) einen Burger-Laden betreibt und sich über Umsatzeinbußen beklagt. Diese führt er auf seine positive Haltung gegenüber US-Präsident Trump zurück, den er öffentlich in Schutz genommen hatte. Bitterlich beklagt sich 29-jährige, er habe an manchen Tagen gerade einmal drei Gäste.

Unsplash / Pixabay

Nun ja, halten wir mal ein paar Dinge fest, die ich dem Zeitungsartikel entnehmen konnte. Der laden ist irgendwo in Essen-Rüttenscheidt, einem Stadtteil, dessen Bewohnern durchaus gehobene Ansprüche zu zutrauen sind. Schließlich befinde sich hier auch Gourmet-Tempel wie „Schote“ von Nelson Müller. Ein Burger-Bräter ist da möglicherweise zu profan.

Dann wäre da noch der Name. Seine Burger-Bude „Gringos“ zu nennen, ist wohl keine so besondere Idee gewesen. Als Gringos bezeichnen die Mexikaner englischsprachige Ausländer. Mexikaner? Ja, genau die, dessen Land von den USA durch eine Mauer, die Donald Trump bauen lassen will, abgegrenzt werden soll.

Ehrlich gesagt vermute ich keine bösen Mächte am Werk, die den Imbiss auf Grund von politischen Positionen boykottieren. Es sieht eher nach einem Englischlehrer aus, der mit seinem Restaurant mangels Erfahrung auf die Nase gefallen ist. Statt sich das eigene Scheitern einzugestehen, wir hier versucht, sich als Opfer einer Kampagne zu stilisieren. Sucht man nämlich bei Google nach besagten Burger-Bräter, findet man auch ganz andere Dinge. Nämlich so etwas wie profane Restaurantkritiken. Und da sieht es ziemlich düster aus.

Bewerte wird unter anderem der Service, der schon bei sechs Gästen überfordert sein soll. So will ein Gast auf seine zwei Burger inklusive Pommes ganze 45 Minuten gewartet haben. Statt medium, wie es sich gehört, seien die Burger staubtrocken gewesen und das Fleisch stamme angeblich aus einer Großpackung vom Discounter.

Statt sich solcher Kritik zu stellen, ist es natürlich einfacher, auf der Trump-Welle zu surfen. Bei Burgern ist, machen wir uns nichts vor, die Konkurrenz mittlerweile größer geworden. Zumindest hier in Köln haben sich gewisse Standards etabliert. Und wer die „Fette Kuh“ kennt, wir sich kaum mit weniger Qualität zufrieden geben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren