Midway — oder die Suche nach einer Handlung

Charlton Heston war zu Lebzeiten eine ambivalent Persönlichkeit, die in vielen Filmen mitspielte. Positiv in Erinnerung geblieben sind mir zum Beispiel „Ben Hur“ und „Planet der Affen“. Ob er schauspielerisch herausragend war, mag ich nicht beurteilen. Aber selbst wenn er es gewesen wäre, hätte man damit den Film „Midway“ (dt: Schlacht um Midway) retten können.

Aber ich greife zu weit vor. Auf Grund eines Versehens letztes Jahr im August haben meine Frau und ich derzeit noch ein Amazone Prime Abo. Wir werden das nicht verlängern, aus einer ganzen Reihe von Gründen. Ursprünglich Intention bei meiner Frau war, über „Same-Day Delivery“ zeitnah mit Tintenpatronen für den Drucker versorgt zu werden. Für die ganzen Unterrichtsmaterialen, die ausgedruckt werden müssen, besteht da in jedem Fall Bedarf.

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Bestanteil von Prime ist auch ein Videoangebot. Kostenloses Streaming von Filmen, ähnlich wie bei Netflix. Nun ja, fast. Denn bei Netflix wird man nicht zum Kauf von Filmen genötig, beziehungsweise es wird einem auch nicht der Mund wässrig gemacht mit Filmen, die man nur gegen Geld kaufen kann. Mein Eindruck hinsichtlich des „großen“ Angebotes an kostenlosen Filmen bei Amazon Prime: da sind auch viele sehr alte Möhren drunter. Bestätigt hat sich das gestern.

Da meine Frau entgegen dem landläufigen Bild, was sich die Allgemeinheit von Lehrern (auch Lehrerinnen sind hier mit gemeint) macht, nicht bereits nachmittags den Feierabend einläutet, sondern auch noch abends am Schreibtisch sitzt, sah unsere Abendplanung mal wieder etwas anders als erhofft aus. Mit anderen Worten, ich musste mich erstmal selber beschäftigen. Das ist im Prinzip kein Problem, denn Langeweile ist mir eher fremd. Manchmal jedoch möchte auch ich einfach nur auf dem Sofa abhängen.

Die Filmauswahl ist in solchen Fällen, wenn ich alleine auf dem Sofa sitze, eingeschränkt. Sich einen Film anzusehen, den meine Frau auch gerne schauen möchte, führt nachvollziehbar zu Diskussionen. „Den wollte ich doch auch sehen, warum siehst du ihn dir jetzt alleine an?“ Klar kann man sich den Film dann noch mal gemeinsam ansehen, aber das mache ich in etwa genau so gerne wie ein Buch zum zweiten Mal lesen (Ausnahmen bestätigen hier die Regel).

In die Hände fiel mir daher gestern Abend „Midway“, der als „neu im Programm“ angezeigt wurde. Manchmal kann so ein alter Schinken ganz gut sein, wie etwa „Airport“. Oder „Mord im Orient-Expreß“. Es gibt sogar als Filme, die lehrreich sind. An denen man lernen kann, wie man eine Handlung gekonnt aufbaut, Spannungsbögen erzeugt und Figuren führt. Mangels überzogenen Effektfeuerwerken lässt sich beim den älteren Filmen der Kern besser erkennen.

Der Film „Midway“ gab mir gestern Rätsel auf. Es ging um die Schlacht zwischen Japan und Amerika im Juli 1942 um Midway herum, die zu einer Wende im Pazifikkrieg führte. Historisch in jedem Fall interessant — wohl aber eher als Dokumentation denn als Film, zumindest wenn er so wie „Midway“ gemacht wird. Im Grund ist es nicht ein Film, sondern ein halber Film, der mit Orginalmaterial angereichert wurde. Das hört sich nicht nur verstörend an, es ist auch so. Die Brüche in den unterschiedlichen Einstellungen sind deutlich zu erkennen.

Leider nicht zu erkennen ist so etwas wie eine richtige Handlung. Ständig wird zwischen der Perspektive der Amerikaner und Japaner gewechselt, Toshirō Mifune in der Rolle von Admiral Yamamoto scheint nur genau einen Gesichtsausdruck zu beherrschen. Relativ schnell hat der Kopf Kirmes und kommt nicht mehr mit. Wer greift jetzt welchen Flugzeugträger an? Und war das nicht die selbe Szene wie vorhin? Völlig sinnbefreit ist auch die „Liebesgischte“ zwischen der Figur, die das Drehbuch nur „Tom“ nennt. Der Sohn von Captain Garth (Charlton Heston) hat sich in eine Amerikanerin verliebt, deren Eltern aus Japan einwandert sind. Zu der Zeit war das ein Problem. Mit der Schlacht um Midway hat diese Nebenhandlung wenig zu tun und die Vater-Sohn-Geschichte, welche dazu gehört, ist wohl auch nur in den Film eingeflossen, um ihn in die Länge zu strecken.

Friedrich Merz würde es vermutlich gelingen, alle Dialoge des Films auf seinen Steuerbierdeckel zu schreiben. Die teilweise positiven Kritiken zum Film kann ich nicht nachvollziehen. Wohl aber, warum er damals in den Kinos floppte. Dem Film fehlt einfach der rote Faden. Zudem Figuren, mit denen man mitfiebert und nicht welche, deren Schicksal einem eigentlich egal ist.

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