Voll verkocht

Voll verkocht

Ganz langsam erhole ich mich wieder von meinem Erlebnis am vergangenen Sonntag. Ausschließen, dass so was ansonsten bei mir nie passiert, kann ich nicht. Auch in Zukunft werde ich vor so etwas nicht gefeit sein. Allerdings sollte ich mir noch deutlich vornehmen, in solchen Fällen relativ schnell Konsequenzen folgen zu lassen.

Niemand, auch ich nicht, muss etwas aufessen, was misslungen ist. Wenn ich mich richtig erinnere (wobei hierbei mitunter gerne auch verdrängt wird), kommt es bei mir nicht so oft vor, dass ein Gericht so gründlich daneben geht. Und eigentlich hätte ich beim Rezept schon misstrauisch werden sollen.

Nur ungefähre Angaben, wie viel Tassen Mehl, Joghurt etc. zu verwenden ist lasse ich mir noch gefallen. Über die Jahre hinweg habe ich zumindest etwas an Erfahrung sammeln können was Mengenverhältnisse angeht. Das hindert mich allerdings nicht daran, grundsätzliche Fehler zu machen. Zum Beispiel den, nicht mal fünf Minuten zu überlegen, was da denn aus den Zutaten entstehen wird.

Pexels / Pixabay

Der so genannte „Blechkuchen mit Schafskäse“ eines großen Rezepteportals besteht hauptsächlich aus Öl, Mehl, Joghurt und Schafskäse, zusammen mit zwei zerdrückten gekochten Kartoffeln. Gut es kommen noch etwas Kräuter und Gewürze hinzu, aber das mehr auch nicht. Kein Gemüse, nichts was irgendwie den Anschein von Frische erweckt.

Hält man sich an das Rezept, entsteht im Ofen eine fettige, nahezu geschmacksneutrale Masse, die man mehr runterwürgen muss als das sie sich mit Appetit essen lässt. So was enttäuscht nicht nur, sondern lässt einen hungrig zurück. Oder in meinem Fall, mit ungutem Gefühl im Bauch, weil ich auf Grund meines Hungers doch zwei Stücke davon gegessen hatte.

Die guten Bewertungen des Rezeptes kann ich für meinen Teil nicht nachvollziehen — wohl aber, dass die angegebene Menge Öl deutlich zu viel ist. Sie verhindert unter anderem, dass der Teig richtig aufgeht. Bei den vielen vorgeschlagenen Änderungen und Anmerkungen zum Rezept in den Kommentaren lässt das für mich nur eine Schlussfolgerung zu: die ursprünglichen Angaben stimmen nicht.

Wenn man dermaßen viel an einem Rezept herum schrauben muss, sind das für mich auch keine Variationen, sondern neue Rezepte. Und die belegen, dass das ursprüngliche Rezept nicht funktioniert.

Klar probiere ich in der Küche gerne etwas Neues aus. Allerdings übernehme ich ungern die Arbeit anderer. Wer nicht kochen kann oder nicht in der Lage ist, Rezepte mit anständigen Angaben zu verfassen, sollte es einfach lassen.

Ja, ich war am Sonntag wütend und enttäuscht. Vor allen aber unzufrieden, denn schlechtes Essen schlägt mir aufs Gemüt. Zum Ausgleich zu den „Betonplatten“ gab es dann gestern etwas zum glücklich machen.Viel nur kurz im Wok angebratenes frisches Gemüse. Wir haben das Rezept kurzerhand „Buddhas Gemüseglück“ getauft.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren