Büchervandalen

Büchervandalen

Zu bedeckten Papier habe ich schon seit sehr lange Zeit ein besonders Verhältnis. Gut, es gibt ein Bild von mir als 2-Jähriger, auf dem ich mich kritisch mit Zeitschriften auseinander setze. Mit anderen Worten, ich habe sie zerrissen.

Was Bücher jedoch angeht, habe ich mich immer tadellos verhalten. Unterstreichen in der Schullektüre bereitet mir fast körperliche Schmerzen, auf einen Exlibris bei meinen eigenen Büchern habe ich verzichtet und wegwerfen von Büchern brachte ich nie über mein Herz.

Nur beim ersten Umzug innerhalb von Köln überantwortete ich einen Stapel Bücher dem Altpapier. Keine Romane, um Gottes Willen, nein. Nur alte EDV-Bücher, die man nicht mal mehr jemanden schenken konnte. Ansonsten hocke ich auf den erworbenen Büchern wie ein Drache auf seinem Schatz. Selbst wenn mir ein Buch wirklich gar nicht gefällt, werfe ich es nicht weg, sondern verschenke ich es lieber (bisher genau einmal vorgekommen).

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Um es auf den Punkt zu bringen: ich liebe Bücher. Was ich auch liebe, ist das überwiegend positive Verhältnis der meisten Kölner zu Büchern. Zumindest war mein bisheriger Eindruck der, in Köln in einer der Literatur zugetanen Stadt zu leben. Nicht nur auf Grund der lit.cologne, sondern weil ich auch hier zum ersten Mal über einen rege Tauschkultur stolperte. Bevor ich den ersten Bücherschrank sah, fielen mir aussetzte Bücher im Agnesviertel auf. Die lagen auf Fensterbrettern oder Mauervorsprüngen. Oder befanden sich geschützt in einem Karton an einer Hauswand. Ein paar dieser verlorenen Seele habe ich sogar adoptiert.

Bücherschränke gibt es mittlerweile überall, selbst in kleineren Ortschaften in der Eifel habe ich sie im vergangene Sommer gesehen. Das Prinzip nehmen und geben scheint gut zu laufen — dachte ich. Gegen die Widrigkeiten des Wetters sind die meisten Bücherschränke auch geschützt. Robust wirken sie wie kleine Trutzburgen der Buchkultur.

Narrenhände beschmieren jedoch nicht nur Tisch und Wände, sondern bekommen fast alles kaputt. Vor ein paar Tagen fiel der Bücherschrank hier in Köln-Nippes am Leipziger Platz Vandalen zum Opfer. Der Schrank wurde umgekippt, was bei einer massiven Betonplatte schon mal eine Leistung ist.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten

Das Bild ist für jeden Bücherliebhaber herzzerreißend. Verstehe kann man so was nicht und wenn dann Bücher auch noch in Brand gesteckt werden, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Ich für meinen Teil kann so eine Tat nicht nachvollziehen. Das ist für mich ein Sakrileg.

Einfach nur sinnlos, Bücher zu zerstören. Ausreden wie „die Täter waren vermutlich betrunken“ lasse ich nicht gelten. In meiner Jugend war ich auch gelegentlich betrunken. Aber ich habe mich nie an Büchern vergriffen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren