Ein Marine trägt Pelz

Ein Marine trägt Pelz

Als es vor ein paar Tagen noch deutlich kälter war, bin ich mit einer gefütterten Winterjacke unterwegs gewesen, die an der Kapuze einen flauschigen Pelzrand hat. Natürlich ist das Kunstpelz, echten würde ich niemals tragen. Kann man mich dennoch als gedankenlos bezeichnen, weil ich Kunstpelz trage? Ich denke nicht.

Greifen wir aber noch weiter zurück in meine Biographie. Auf dem Land aufgewachsen hat man mir beigebracht, Tieren kein unnötiges Leid zu zufügen. Für mich gehörte dazu auch, echten Pelz abzulehnen. Die Haltung hatte ich schon sehr lange, fand auch die Kampagne „Bekommen Sie ein Gefühl für Pelz, lassen Sie sich Ihre Hand in einer Autotür einquetschen“ gelungen.

Pixel-mixer / Pixabay

Für die Schülerzeitung „Klar doch!“ schrieb ich 1988 einen Artikel über eine Veranstaltung vom WWF, bei der eine bekannte Fernsehmoderation durchs Programm führte. Angereist kam sie in einem Pelzmantel, was ich, wie ich damals schrieb, ziemlich unangemessen fand.

Zurück aber in die Gegenwart. Anfang letzter Woche machte mich eine Schlagzeile über die so genannte „Pelzpolizei“ hellhörig. In München und anderen Städten versuchten Tierschützer in Scheinuniformen, Pelzträger aufzuklären. Dabei trugen sie tatsächlich Jacken, die den Polizeijacken extrem ähnlich sahen. Hinten hatten sie dann den Aufdruck „PELZ POLIZEI“. Die schwarzen Hosen vervollständigen den Eindruck. Ein Fall von Amtsanmaßung, weswegen wohl auch die echte Polizei ermittelt.

Das die „Pelz-Polizei“ auch Menschen mit Kunstpelzen angehalten hat, ist wohl ziemlich wahrscheinlich. Die Kunstpelze sehen zum Teil täuschend echt aus. Und manchmal sind die Kunstpelze sogar aus echtem Pelz, weil der wohl anscheinend billig ist als ein hochwertiges Imitat.

Persönlich halte ich die Aktion der Pelz-Polizei für übertrieben, durch die Amtsanmaßung sogar grenzwertig. In der Sache haben die Tierschützer meiner Meinung nach allerdings Recht. Nach wie vor ist die Sensibilisierung für das Thema Pelz noch nicht so verbreitet, wie es sein sollte.

Kommen wir aber zu gestern, als ich vom Schreibtischstuhl fiel vor lauter Lachen. Die Tierrechtschutzorganisation PETA wandte sich mit einen offenen Brief an den Hersteller von Tabletop-Spielen und Figuren, Games Workshop. In Warhammer 40k tragen die Space Marines vom Orden der Space Wolfes, deren Heimatplanet, Fengris ist, Pelzstücke an ihrer Rüstung. Man solle doch bitte keine Pelze mehr an den Modellen darstellen, das würde Kindern ein falsche Bild vermitteln.

Erstmal sollte man vielleicht festhalten, dass Spiele wie Warhammer 40k vielleicht nicht unbedingt für ganz junge Kinder geeignet sind. Die, die reif genug es spielen zu können, sind auch alt genug, um differenzieren zu können. Thematisch ist Warhammer 40k in einer dystopischen Zukunft angesiedelt, wo es keinen Frieden zwischen den Sternen gibt. Gewalt ist an der Tagesordnung, Krieg ein Dauerzustand. Menschen fallen scharenweise tödlichen Alienrassen, Mutanten und Dämonen zum Opfer. Pelztragende Space Marines sind da wohl das kleinste Problem.

Das Wichtigste aber ist: Hey verdammt, es ist ein Spiel und es sind Plastik- (beziehungsweise Metall-) Figuren. das ist kein echter Pelz! Kann hier jemand nicht zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterschieden? Ist demnächst die Darstellung von Höhlenmenschen aus der Steinzeit anstößig, weil diese Fell tragen?

Man kann sich hier nur an den Kopf fassen (oder laut lachen). Wer sich etwas auskennt (und ich habe selber eine Zeit lang Warhammer 40k gespielt), weiß, dass sich die Figuren ebene nicht in Kinderzimmer zu finden. Diejenigen, die Warhammer 40k spielen, haben zudem ganz andere Sachen im Kopf und fühlen sich bestimmt nicht dazu verführt, Pelz zu tragen, weil eine Modellfigur welchen trägt.

Wie bereits einleitend versucht deutlich zu machen, stehe ich Pelz kritisch gegenüber. Man muss bei der Aufklärung aber auch immer die Wahl der Mittel im Auge haben und darf nicht in blinde Bilderstürmerei verfallen. Die Aktion von PETA ist nicht ansatzweise schlau, sondern misslungen und unüberlegt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren