La Garde recule!

La Garde recule!

Soweit ich mich erinnere, war es zu der Zeit, als ich in die Oberstufe ging. Bereits richtig infiziert vom Spiele (und Rollenspiele) Virus suchten wir im Freundeskreis Möglichkeiten, uns den benötigten „Stoff“ zu beschaffen. Mangels ambitionierte Dealer in Wesel fanden wir einen hinter dem Duisburger Hauptbahnhof. Gut, der Spieleladen lag nicht wirklich direkt hinterm Hauptbahnhof, man war noch ein ganze Stück von dort aus unterwegs. Aber immerhin, man nahm den Bahnhofsausgang, welcher dem der Innenstadt abgewandt war.

In dem Landen hatte ich mir dann auch mal Grass gekauft. Und die deutsche Ausgabe von Civilization  (Welt der Spiele). Für mich war es das erste komplexere Brettspiel, etwas was sich von dem abhob, was ich bisher kannte. Es blieb allerdings auch eine sehr lange Zeit eine Ausnahme, da wir uns im Freundeskreis spielerisch doch eher am „Mainstream“ orientierten.

DomyD / Pixabay

In diesem Spieleladen jedenfalls stieß ich auch zum ersten Mal auf ein so genanntes „Wargame“: The Siege of Jerusalem
Der Spielplan zog mich magisch an. Er hatte ein riesiges Ausmaß und auf ihm befand sich ein Gewusel von lauter kleinen bedruckten Pappstücken. Respekteinflößend. Eine nähere Beschäftigung kam dann mangels Interesse im Freundeskreis, dem Preise des Importspiels und eines extrem merkwürdigen Verkäufers, der in dieser Art Spiele völlig aufzublühen schien, nicht in Frage.

Das Thema „Wargames“ jedoch schlummert sei der Zeit in mir. Spiele, die endlich mal eine angemessene Spieldauer ermöglichen und nicht so abstrakt sind wie Schach oder Go — trotzdem aber noch abstrakt genug, um vom Thema nicht erschreckt zu werden. In en letzten Jahrzehnten (muss man mittlerweile schon sagen) habe ich so einiges an Spielen ausprobiert, welches die Richtung wiesen. MechWarrior, Warhammer 40k, Memoir 44 — und die Aufzählung ist mit Sicherheit nicht vollständig.

Das vorerst letzte Spiel in der Reihe war dann „Der Ringkrieg“. Definitiv kein Familienspiel, man benötigt auch etwas Zeit, um sich in die Regeln einzuarbeiten und die Feinheiten herauszubekommen. Zu gewinnen, ist dann noch eine ganz andere Sache. Für mich war das Spiel der Auslöser, mich wieder mit dem Thema „Wargames“ zu beschäftigen. Zumal vor Weihnachten eines davon die Alternative zum Ringkrieg gewesen wäre (ich aber froh bin, dass es der Ringkrieg geworden ist).

Neben Boardgamegeek ist für mich eine der ersten Anlaufstellen zur Information rund um das Thema marcowargamer gewesen, der gute Rezensionsvideos macht. Von ihm stammt auch der Beitrag „Top 10 Introductory Wargames“. Eine Art Curiculum für Wargames.

Angefangen haben meine Frau (die ich auch für das Thema begeistern konnte) und ich mit La Garde recule!. Das ist jetzt zwar nicht ganz von Anfang an, aber als erfahrene Spieler hielt ich das durchaus für möglich, den etwas kürzeren Weg zu nehmen. Einen Drucker, Pappe, Schere und Tesafilm, mehr benötigt man nicht um sich das kostenlose Spiel zu basteln. Zum Spielen selber braucht man dann noch ein Kartenspiel, welches gleich mehre Funktion übernimmt. Über den Joker wird die länge eines Spielzugs bestimmt, die Farbe legt fest, wer an der Reihe ist und die auch der Ausgang eines Scharmützel wird durch eine gezogene Karte ermittelt.

Etwa 15 bis 20 Minuten, länger dauert eine Partie „La Garde recule!“ nicht. Obwohl das Spiel so simpel daher kommt und nur wenige Regeln ausreichen, hat es schon viele Aspekte, die ein Wargame ausmachen. Die Bestimmung der Zugreihenfolge, Angriffs- und Verteidigungswerte sowie einen Counter, der auf der Rückseite schwächere Werte hat, falls die Einheit im Kampf verwundet wird. Hinzu kommt dann auch noch ein historischer Kontext.

In jedem Fall werde ich mich in diesem Jahr der Herausforderung „Wargames“ stellen. Was auch wohl mit dem zuletzt von mir gelesenen Buch zusammen hängt, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren