Wirkungslose Nebenwirkungen

Wirkungslose Nebenwirkungen

Als Kind glaubt man noch an den Zauber in der Welt. Alles was sich rational nicht erklären kann, ist irgendwie magisch. Man zweifelt weder am Christkind noch an der Existenz von Morphischen Felder. Später wird man dann mehr oder weniger erwachsen. Manche behalten sich noch ihre Leichtgläubigkeit. Für die gibt es dann auch ein schön klingendes Fremdwort: „Esoterik“

Ja, ich bin etwas gehässig. Das hängt damit zusammen, dass die ertragene Schulbildung nicht ganz wirkungslos an mir vorbeigegangen ist. Daher halte ich mich für aufgeklärt und rational (weitestgehend). Statt „habe ich gehört“ baue ich auf echte wissenschaftliche Studien. Wenn jemand meint, etwas wäre gut oder schädlich, überzeugt mich das nicht. Ich will und brauche handfeste Beweise. Beweise, die hie- und stichfest sind. Reproduzierte Wirksamkeit halte ich für absolut erforderlich.

diapicard / Pixabay

Aus diesem Grund stehe ich nicht nur „überlieferten Hausmittel“ bei der Behandlung von Verletzungen und Krankheiten skeptisch gegenüber, sondern auch der gesamten Homöopathie. Kleine Kügelchen mit einem „Wirkstoff“ jenseits der Nachweisbarkeitsgrenze? So was kommt mir nicht ins Haus — und wenn, würde es mich in Erklärungsnot gegenüber der Bio-Informatikerin bringen, mit der ich verheiratet bin.

Wer auf eine Lehre aus dem 18. Jahrhundert baut, sollte sich mal vergegenwärtigen, dass wir mittlerweile im 21. Jahrhundert angekommen sind. Schulmedizin wird oft immer als abwertender Begriff verwendet. Im Prinzip ist bereits der Begriff ungenau. Es handelt sich um Medizin auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wo „Glaube“ in der Medizin hinführt, sieht man unter anderem, wenn Impfgegnern die Kinder unter der Hand wegsterben. Persönlich halte ich Homöopathie für eine gefährliche Irrlehre.

Gesundheitliche Verbesserung durch Homöopathie sind zufällig — warum sonst gibt es keine seriöse Studie, welche die Wirksamkeit belegt?

Wie dem auch sei, auf der anderen Seite des Spektrums sieht es nicht besser aus. Jenseits der sogenannten Schulmedizin liegt das Lager der unbedingt Fortschrittshörigen und Selbstoptimierer, die sich in blinder Begeisterung auf alles Neue stürzen. Ein Anhänger, der mit ektromagnetische Frequenzen das körperliche Wohlbefinden reguliert? Gekauft! Pillen, die ein längeres Leben verheißen? Online bestellt! Kaffee mit Kokosöl, der den Hunger zügelt und schlank macht? Wird getrunken, obwohl es scheußlich schmeckt.

Für mich ist das nur eine andere Form der Esoterik und genau so gefährlich. Und ja, eine Zeit lang habe ich auch an den Irrsinn geglaubt. Dachte wirklich, mit extra Vitamin C Pulver gegen die Erklärungen kämpfen zu können. Dachte, Magnesiumpulver würde beim Sport gegen Krämpfe helfen. Dabei sind diese ganzen Pulver und Tabletten richtig gefährlich, wie man heute wieder in der Süddeutsche Zeitung lesen konnte. In unsere Nahrung sind ausreichend Nährstoffe vorhanden. Jede zusätzliche Einnahme, die nicht unter ärztlicher Aufsicht erfolgt, kann dem Körper schaden. Bei Vitaminen hilf mehr nicht mehr, sondern eine zu hohe Dosierung ist geradezu schädlich.

Wie die SZ schreibt, kann zusätzliches Vitamin A sogar „die Leber schädigen, die Knochendichte herabsetzen und Missbildungen beim Kind hervorrufen“. Gruselig, dass man sowas frei in Drogerien und Supermärkten kaufen kann. Aber Vitaminpräperate und Nahrungsergänzungsmittel gelten als Lebensmittel und müssen nur hygienisch einwandfrei sein. Für Arzneimittel gelten dagegen ganz andere Standards.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren