Die Spieler in uns

Die Spieler in uns

Der erste Arbeitstag ohne Homeoffice heute im neuen Jahr. Natürlich mit einer unbeleuchteten S-Bahn und einem verspäteten ICE. Immerhin, er fuhr — nach Aussagen von Mitreisenden war das in der ersten Kalenderwoche nicht immer der Fall.

Wie dem auch sei, vorab gab es zu Hause zwei große Schalen Tee und die Tageszeitung. Dazu dann noch ein paar private E-Mails durchgehen. Und dann auf ein Video stoßen Tom vs. Holly vs. Bedtime – Live! — charmant. Es zauberte mir das erste Lächeln des Tages ins Gesicht. Es wird nicht nur gespielt, sondern es geht darum, wann Holly ins Bett muss. Am besten schaut man sich das Video selber an.

Alexas_Fotos / Pixabay

Irgendwie steckt doch in den meisten von uns ein Brettspieler. Zumindest ist das meine Hoffnung. Für mich ist spielen eine der trefflichsten Tätigkeiten die es gibt. Eine Sache machte nicht im Video allerdings im Nachgang etwas melancholisch. Tom Vasel ist ein Mensch, der gerne spielt, andere für das Hobby begeistert und eine riesige Spielesammlung besitzt. Noch ist Holly (eines von sieben Kinder der Familie Vasel) in einem Alter, wo es ihr nicht peinlich ist, mit ihrem Vater Brettspiele zu spielen. Wie das irgendwann wirklich sein wird, weiss ich nicht.

Das Folgende ist also eher spekulativ, kann aber so in gleicher Form auch in anderen Familien passieren. Holly wird eines Tags erwachsen sein und mit Brettspiele nichts mehr anfangen können, nein wollen. Das was ihr Vater beruflich macht (was mit Spielen), dafür hat sie kein Verständnis mehr. Es kommt ihr irgendwie kindisch Form, jetzt wo sie selber Investmentbanken ist. Irgendwann, nach dem Tod ihrer Eltern, wird sie dann vor der riesigen Spielesammlung stehen und überlegen, wer das ganze furchtbare Zeug möglichst günstig entsorgen könnte.

Das Kindern mit den Berufen und Hobbys ihrer Eltern nichts anfangen können, ist wohl der Lauf der Dinge. Aber mit Brettspielen nichts mehr anfangen zu können? Darauf nur noch herabzublicken und es für Kinderkram zu halten?

Wie geschrieben, es ist eine Möglichkeit. Vermutlich wird sich Holly ganz anders entwickeln. Mir ging es eher um die Vorstellung. Vor allem aber rührte es bei mir etwas an. Meine Frau und ich haben keine Kinder, die sich eines Tages für unsere Brettspiele schämen müssten. Dafür haben wir aber auch keine, die sich über eine riesige Sammlung Spiele als Nachlas freuen würden.

Jedes Spiel hat ein Ende, so auch jedes Leben. Heute Morgen beim Frühstück, nach dem Video, musste ich daran denken, was mit der Spielesammlung von meiner Frau und mir eines Tages passieren wird. Werfen sie Mitarbeiter einer Entrümpelungsfirma in eine große Müllmulde zusammen mit dem anderen Kram, der Bestandteil unseres Lebens war? Eine sehr traurige Vorstellung. In jedem Fall etwa, was ich gerne verhindern möchte.

Wie gesagt, ich hoffe, dass in jedem von uns ein Brettspieler steckt. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, das posthum zu fördern. Wobei ich mir auch gut vorstellen kann, einen großen Teil der Sammlung einem Kinderhospitz zu überlassen.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren