Böse KVB

Böse KVB

Wenn es im Sommer zu heiß ist, klar ist die KVB schuld. Ebenso, wenn man im Winter vor Kälte bibbernd an der Haltestelle wartet und die Bahn zu spät kommt. Und wenn der FC verliert — siehe oben.

Natürlich sieht die Realität anders aus, aber was macht das schon, wenn man sich seine Welt machen kann, wie sie einem gefällt. Jemanden zu haben, auf denen sich die Schuld schieben lässt und dabei auch noch von den meisten die selber mit der KVB unterwegs sind Recht bekommen — ist doch toll.

Engel62 / Pixabay

Wirklich toll finde ich das allerdings nicht. Klar, ich bin selber manchmal etwas schlecht gelaunt, wenn eine Bahn Verspätung hat. Im Großen und Ganzen aber macht die KVB einen verdammt guten Job — die Deutsche Bahn wäre jetzt hier ein ganz anderes Thema.

Um es kurz zu machen (nettes Wortspiel…): Als es hieß, die KVB würde in einigen Bereichen das Kurzstreckenticket abschaffen, war ich erstmal skeptisch. Entsprechend habe ich die Petition „Außer Kraft setzen der neuen Kurzstrecken-Regelung im KVB Gebiet“ nicht unterschrieben. Meine Devise in diesem Fall war die, erstmal abzuwarten, sich informieren und Argumente anhören.

Ganz nebenbei ist es zudem auch so, dass für mich als Inhaber einer Jahreskarte das Thema ehedem irrelevant ist. Aber das tut erstmal nichts zur Sache.

Im Kern geht die gesamte Diskussion ging es um ein Vorhaben des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (zu dem auch die KVB gehört), in seinem Tarifgebiet die Regelungen zu vereinfachen. Dazu gehörte dann auch, ein paar bisherige Ausnahme zu verzichten. Kurstrecken sollten nur noch Strecken mit maximal vier Haltestellen sein ohne dabei umsteigen zu dürfen.

In diversen Kölner Facebook-Gruppen war daraufhin das Geschrei recht groß (und vermutlich nicht nur da). Ungerecht sei das, weil man in Nippes zum Beispiel Linie 16 von der Kinderklinik Amsterdamer Straße in Riehl bis zum Hauptbahnhof mit einem Kurzstreckenticket weiter fahren könne, nicht aber mit der Linie 15 von der Florastraße aus, denn man müsse ja am Ebertplatz umsteigen. Wäre also nach der neuen Regelung keine Kurzstrecke mehr. Und überhaupt, die beiden Strecken seien doch ähnlich lang.

Für mich schon mal eine merkwürdige Argumentation, denn auf die Länge kommt es bei einer Kurzstrecke nicht an, sondern auf die Anzahl der Haltestellen. Andernfalls wäre der gesamte Tarif auch nicht zu halten, denn wenn nur die gefahrenen Kilometer ausschlaggebend sein sollen, dann macht man die Kurzstrecke extrem kompliziert.

Unterzeichnen der Petition argumentierten sehr stark damit, dass die Nutzung des ÖPNV des dem Klimaschutz dienen und man deshalb bei der alten Kurzstreckenregelung bleiben solle. Ähm ja. Ich sehe da keine wirkliche Verbindung. Erstens lohnt sich aus ökonomischer Sicht eine Kurzstrecke mitunter nicht für eine Autofahrt. Und zweitens nebligen diejenigen, denen der Klimaschutz wirklich ernst ist, kein Kurzstreckenticket. Sie haben nämlich in den meisten Fällen eine Monatskarte, Jobticket oder Jahreskarte. Die gibt es im Übrigen für Einkommensschwache auch vergünstigt.

Mein persönlicher Eindruck: die neue Kurstreckenregelung trifft vor allem Seltenfahrer, die sich zu Karneval die Hucke voll saufen und ein paar Meter mit der KVB nach Hause fahren. Ok, das ist jetzt ziemlich überspitzt. Mich machen aber Scheinargumente wütend.

Da die Politik in Köln manchmal gerne dem Volk auf´s Maul schaut, stehen die Chance gut, dass die Neuregelung gekippt wird. Ich finde es schade. Besser wäre es nämlich, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie man die Attraktivität des ÖPNV steigern kann. Und ganz nebenbei erwähnt: die KVB muss nun wirklich keinen Kundenschwund zu befürchten, wenn die angeblich kundenfeindliche Neuregelung erhalten bleibt. So weit mir bekannt ist, sind die Kapazitäten der KVB auf einigen Strecken nämlich so gut wie ausgeschöpft. Mehr Menschen kann man einfach nicht transportieren.

Zurück aber noch mal zum Sinn einer einheitlichen Regelung für das Tarifgebiet. Wer wie ich häufiger in der Republik unterwegs ist und in den Genuss unterschiedlicher Tarifgebiete kommt weiß, was für ein Chaos eigentlich herrscht. Man muss nicht mal das Bundesland verlassen um zu verzweifeln. In Köln kann ich zum Beispiel mein Ticket in der Bahn kaufen (vorausgesetzt ich habe Kleingeld) in Bielefeld bin ich bereits Schwarzfahrer, wenn ich ohne Ticket einsteige. Zudem gibt es auch noch Städte, wo das Ticket nicht in der Bahn entwertet werden kann.

Mit Touristen und dem Kurzsteckenticket ist das so eine Sache.Touristen in Deutschland scheitern nämlich erheblich früher am Nahverkehr, egal welche Form des Kurzstreckentickt man nimmt. Was wiederum ein Hinweis darauf, dass hier grundsätzlich etwas nicht stimmt. Daran aber ist nicht die KVB Schuld, sondern ein Tarfiflickenteppich und Wust von Verkehrsverbünden mit sehr unterschiedlichen Regeln und Grenzen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren