Weihnachten damals

Weihnachten damals

Ein nicht unerheblicher Teil meiner Blogeinträge nimmt seinen Anfang morgens unter der Dusche. vielleicht etwas ungewöhnlich, aber eigentlich eher nicht, wenn man an andere mögliche Orte der Inspiration denkt. Bei Lehrer ist zum Beispiel das Auto beliebt, daher spricht man in diesem Zusammenhang auch gerne von Autodidakten — Schwellenpädagogik meint in dem Zusammenhang die Unterrichtsvorbereitung an der Türschwelle zum Klassenraum.

Scherz beiseite. Unter der Dusche ist der Moment zwischen Halbschlaf und langsamen wach werden (könnte ich natürlich mit kaltem Wasser deutlich beschleunigen). Jener Moment, wo bei mir in genau diesem Übergang brauchbare bis gute Ideen kommen. Nicht nur für Blogartikel, aber eben auch.

Eigentlich gibt es bei mir ja so etwas wie eine Planung der künftigen Artikel, die ich aber gerne auch über den Haufen werfe, weil ich eine andere Idee besser finde oder etwas aktuelles wichtiger ist. Auf dieses Weise kann es mitunter passieren, das Entwürfe ganz in der Tonne verschwinden, weil sich das Thema überholt hat.

langll / Pixabay

Wie dem auch sei, der Titel des Beitrags heute gibt einen kleinen Hinweis zum Thema. Tatsächlich unter der Dusche fragte ich mich heute morgen, wie das denn früher war bei mir mit Weihnachten und vor allem den Weihnachtsgeschenken. Nach wie vor gehöre ich in Bezug auf Geschenken zu den Menschen, die Geld und Gutscheine blöd finden. Ich mag richtige, schön verpackte Geschenke die man auspacken und anfassen kann. Am liebsten etwas, was sich zusammenbauen lässt und womit man spielen kann. Ja, und das hat sich auch im Erwachsenenalter so gehalten. Dazu aber später mehr.

Meiner Theorie nach erinnert man sich an Geld oder Gutscheine nicht, dafür aber an die Geschenke — glaubte ich. Mit einer großen Schale Tee sitze ich jetzt am Schreibtisch und versuche die Liste, die ich im Badezimmer anfing, aufzuschreiben und zu vervollständigen. Was, so meine Frage, habe ich denn als Kind und Jugendlicher zu Weihnachten geschenkt bekommen. Etwa verschwimmt da bei mir immer mit den Sachen von meinem Geburtstag, aus naheliegenden Gründe (was aber für die Liste weniger relevant ist).

Überhaupt nicht chronologisch führte mich das dann zu der nachfolgenden Aufzählung — damit decke ich dann vermutlich 16 Weihnachtsfeste ab. So ganz scheint das aber nicht zu passen, denn an das was ich zum 1. Weihnachtsfest meines Lebens geschenkt bekommen habe, kann ich mich nicht mehr erinnern. Und zudem verliert sich die Spur meiner Erinnerungen mit dem 15. Weihnachten. Alles auf der Liste gab es vor meinem 15. Lebensjahr. Warum ich das so genau weiß, kommt auch noch. Möglicherweise gab es auch ein paar der Dinge von Verwandten oder aber nicht zu Weihnachten sondern zum Geburtstag. Und mit Sicherheit fehlen noch eine paar Geschenke.

Dinge unterm Weihnachtsbaum
  • Chemiebaukasten
  • Elektronikbaukasten
  • Feuerwehrstation von Lego (zusammengebaut)
  • ZX-81
  • Polizeiboot von Playmobil
  • Feuerwehrschiff von Lego
  • Ritterburg (von meinem Großvater gebaut)und Figuren
  • Modelleisenbahn und Zimmer dazu
  • Bauwagen und Bauarbeiter von Playmobil (die mit der Bierflasche)
  • Spiel des Lebens (vorher bereits gespielt, wofür ich mich eigentlich schäme)
  • Kran
  • Kassettenrekorder
  • Spielzeugfilmprojektor
  • Metallbaukasten
  • Mikroskop
  • Zauberkasten

Ein paar Dinge auf der Liste sind erklärungsbedürftig — oder aber es gibt Anekdoten dazu. An die beiden Baukästen kann ich mich noch gut erinnern. Beim Elektronikbaukasten Satz ich am ersten Weihnachtstag in Schlafanzug im Esszimmer und habe die ersten Experimente nachgebaut. Der Chemiebaukasten brachte viele spannende Versuche — beim letzten, der nicht im Beiheft stand, sah die Küchendecke etwas verunstaltet aus.

Bei der Feuerwehrstation gab es erstmal nur eine enttäuschende Kleinigkeit, bevor ich von meinen Eltern ins Wohnzimmer geführt wurde, wo hinter einem Sessel die Feuerwehrstation stand. Warum meine Eltern die bereits zusammen gebaut hatte, weiß ich bis heute nicht. Für mich jedenfalls war die Freude nicht ganz so groß, denn ich wollte so was ja selber zusammenbauen.

Die Eisenbahn war ein riesiges Geschenk. Ich bekam sie mit einem eigenen Spielzimmer aufgebaut als einer großen Palette zusammen mit einer Vorgebirgslandschaft, Bahnhof und Häusern. Mein Vater und Großvater mussten Wochen damit verbracht haben das so vorzubereiten — ohne das ich was davon mitbekam.

Das führt mich dann zu „Spiel des Lebens“. Zusammen mit einem Freund machte ich mich in der Wohnung vor Weihnachten auf die Suche nach den möglichen Geschenken und fand sie auch in dem Jahr. Schlimmer noch, ich packte das Spiel aus und wir spielten es. Als ich es dann zu Weihnachten bekam, beschloss ich, mir nie wieder auf dieses Weise die Freude zu nehmen.

Auf der Liste steht auch der ZX81, meiner allererster Computer. Monate vorher hing ich ein Werbeposter für den Rechner über mein Bett und lieh mir Bücher zum Thema „Einführung in die Programmierung“ aus der Stadtbibliothek aus. Erst gab es nur eine neuen Kassettenrekorder (die meinen alten, auch ein Weihnachtsgeschenk ablöste). Für den Computer musste es nämlich ein Rekorder mit Chinch-Stecker sein. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurde dann der ZX81 als verführtes Geburtstagsgeschenk nachgereicht. Für endete die Erinnerung in Bezug auf Geschenke genau bei diesem ZX81. Vom Konfirmationsgeld kaufte ich mir einen C64 mit Datasette. Was ich dann zu den folgenden Weihnachtsfesten bekam, weiß ich nicht mehr. Definitiv wäre es aber nie Geld oder ein Gutschein — ich vermute hier starke, dass ich mir Bücher wünschte.

Das zeigt mir aber auch die Lücke in meiner Theorie. Sollte ich mich nicht an alle Geschenke erinnern? Bei vielen Dinge, die ich nach dem 20. Lebensjahr bekam, kann ich mich nur dran erinnern, dass ich sie mal zu Weihnachten bekam, wenn ich sie zur Hand nehme. Aber so aus dem Kopf heraus — nichts. Nur das wohlige Gefühl von Weihnachten und die Vorfreude darauf.

Zur Weihnachtsvorfreude gehörte für mich ich lange Jahre der dicke Vedes-Katalog dazu. Blättern, träumen wünschen. Viele Jahre wünschte ich mir immer wieder besonders zwei Dinge, die ich jedoch bekam: das Piratenschiff von Playmobil und eine Dampfmaschine. Insbesondere letztere hätte ich wirklich sehr gerne gehabt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren