Kein Platz für Angst

Kein Platz für Angst

Wenn ich abends zu Hause bin, schau ich nicht mehr unbedingt auf mein iPhone — das meistens dann auch schon im Nachmodus ist Nachrichtenseiten rufe ich eigentlich via RSS-Feed regelmäßig auf, auch auf Twitter tummele ich mich herum. Gestern aber, nach Feierabend, war ich vorweihnachtlich mit Plätzchen backen beschäftigt. Von der Welt draußen bekam ich nichts mit, den Abend verbachten meine Frau und ich auch in aller Ruhe.

Zeitung lese ich am liebsten zum Frühstück. Dann erhielt ich eine Statusmeldung eines Berliner Bloggers, mit dem über Facebook befreundet bin. „In Sicherheit“ — die Funktion wird von Facebook bei Katastrophen Anschlägen und anderen Ereignissen aktiviert.

Erst dadurch bekam ich mit, was gestern Abend in Berlin passiert war. Ein LKW raste vorsätzlich in Berlin-Charlottenburg durch den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Dabei wurde 12 Menschen getötet und 48 Menschen zum Teil schwer verletzt.

RJPP / Pixabay

Ich war geschockt. Ganz bewusst aber unterließ ich es, in den sozialen Netzwerken zu lesen, sondern verließ mich drauf, dass ich am nächsten Morgen in der Zeitung die bis dahin bekannten Fakten erfahren würde. Andere hielten sich nicht zurück. Wilde Spekulation machten die Runde und natürlich wurden auch die Verantwortlichen für den Anschlag benennt: Angela Merkel, die Flüchtlinge und alle Gutmenschen.

Zum Glück bekam ich das nicht mit, sonst hätte ich noch in der Nacht gekotzt. Meiner Meinung nach werden solche Anschläge von Arschlöchern begangen. Und ob es wirklich ein Terroranschlag war, ist auch zur Stunde noch nicht endgültig geklärt — auch wenn sich die Hinweise verdichten.

Der LKW wurde gestohlen, von den zwei Männern die im LKW zur Tatzeit in der Fahrerkabine saßen, soll einer bereits tot gewesen sein — erschossen. Vermutlich handelt es sich um den eigentlichen Fahrer des Fahrzeugs. Die Person, die den LKW dann steuerte, konnte nach der Tat zunächst flüchten.

Während ich diese Zeilen schreiben spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel mittlerweile davon, dass man von einem Terroranschlag ausgehe müsse. Warum und weshalb, darüber können weiterhin nur Mutmaßungen angestellt werden. Die Frage sei erlaubt an dieser Stelle, ob es nicht letztlich egal ist aus welchen Gründen der Anschlag erfolgte. Die Angst ändert sich nicht, wenn man die Hintergründe kennt. Den Toten und Verletzen wird es auch kein Trost sein. Ob es ein „verrückter Einzeltäter“ oder selbstberufene Islamist oder was auch immer, relevant ist so was nur für den politischen Umgang damit.

Ein LKW als Tatwaffe wie in Nizza im Sommer zeigt leider auch, dass sich vieles für einen Anschlag verwendet lässt. LKW´s kann man nicht verbieten. Und auch die Zurückverfolgung über GPS hilft wohl nur bei der nachgelagerten Aufklärung des Hergangs.

Was den Täter selber angeht, möchte ich mich an dieser Stelle nicht an einer Diskussion beteiligen. Ob Flüchtling, Pakistani, Salafist oder was auch immer — es ist egal. Wer Menschen tötet, ist zuallererst ein Arschloch, wie bereits geschrieben.

Meine Gedanken sind bei den Menschen in Berlin, die direkt oder indirekt betroffen sind. Bei den Familien, für die auf alle Zeit Weihnachten einen bitteren Beigeschmack bekommen hat.

Was für uns alle wichtig ist: keine Angst zu haben. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Wenn wir den Weihnachtsmärkten fernbleiben, die Sicherheitschrauben immer weiter anziehen, dann haben die Terroristen auf dieser Welt bereits gewonnen. Wir müssen nicht die Symptome bekämpfen, sondern die Ursachen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren