7 Spätzünder

7 Spätzünder

Manche Dinge dauern bei meiner Frau und mir etwas länger. Allerdings sollte man meinen, Zeit würde keine Rolle spielen, wenn es sich um ein Thema aus der Antike dreht. Sieben Weltwunder, was soll da schon passieren. Wobei wir alle die traurige Wahrheit kennen: eine ganze Menge. Es reichen bereits ein paar Idioten aus, die sich selber „Islamischer Staat“ nennen, um aus einem Weltkulturerbe einen Trümmerhaufen zu machen.

Unterlassen wir es aber lieber, eine politische Diskussion zu entfachen, wenn es eigentlich um so was banales wie ein Brettspiel gehen sollte. Auch da gibt es Wunder, sogar ein Brettspiel namens „7 Wonders“, welches 2011 den Spielpreis „Kennerspiel des Jahres“ erhielt. Bisher habe ich das zwei Mal gespielt, beide Mal in einer Besetzung von sechs Spielern und es hat mich nicht umgehauen. Insbesondere störte mich der extra geringe Einfluss auf Mitspieler, die nicht unmittelbar neben mir sitzen. Ich hatte auch das Gefühl, man bekäme nicht genau mit wenn jemand bei Spiel mogelt — etwas, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann.

leonardobcorrea / Pixabay

Wie dem auch sei, es gibt auch ein eigenständiges Spiel für genau zwei Personen, genannt „7 Wonders Duel“. Bisher flog das bei mir unter dem Radar, obwohl es in einigen Rezensionen lobend erwähnt wurde. Bereits vor den Herbstferien bekam ich es kostenlos und frei Haus geliefert, dank ausreichender Paybackpunkte. Bis Anfang dieser Woche schlummerte es jedoch noch eingeschweißt im Spielregal. Da einer der unausgesprochenen Vorsätze bei meiner Frau und mir lautet, die in diesem Jahr gekauften Spiele auch tatsächlich alle mindestens drei Mal zu spielen, mussten wir entsprechend ran.

Bereits beim Regelstudium bekam ich den Eindruck, ein schlankeres, besseres 7 Wonders vor mir zu haben. Eine direkte Konfrontation mit dem Mitspieler (eben ein Duel). Jede Entscheidung würde sich direkt auf das Spielgeschehen und die Möglichkeiten des Gegners auswirken. Interessant wirkte auf mich auch die Möglichkeit, dass Spiel auf drei verschiedene Arten zu gewinnen. Entweder vorzeitig durch einen militärischen Sieg beziehungsweise eine wissenschaftliche Überlegenheit oder nach drei Zeitaltern durch die meisten Siegpunkte.

Die erste von bisher zwei gespielten Partien zeigte dann, das mein Eindruck nicht täuschte. Bei der zweiten Partie, die tatsächlich dann in der auf der Schachtel angegeben Spielzeit von 30 Minuten zu Ende war, trübte sich der Ersteindruck etwas. Gefühlt war das Spiel zu schnell zu Ende. Und eigentlich zeiht man nur Karten und entscheidet sich für eine von genau drei Möglichkeiten, diese Karte zu verwenden. Mir ist das etwas zu wenig. Auch wenn das Material stimmig ist, thematisch bleibt es doch eher ein abstraktes Spiel. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das Spiel spiele oder das Spiel mich.

Klar, es gibt ein paar geniale Zugmöglichkeiten. Meine Frau baute zwei Wunder hintereinander durch die Doppelzug-Möglichkeit, die eines der Wunder gab. Da das zweite Wunder die auch noch hatte, waren das drei Züge hintereinander. Nütze aber alles leider nichts, da ich den militärischen Sieg errang. Ihre angesammelten Punkte über blauen Karten waren damit wertlos.

Möglich, dass wir noch was übersehen haben und die nächste Partie richtig spannend wird. Selbst dann aber erschließt mir nicht, warum ich 7 Wonders: Duel spielen sollte. Sicher, wenn man nur 30 Minuten Zeit hat, ist es ein gutes Spiel. Aber wenn eine längere Spielzeit möglich ist, gibt es zumindest bei uns im Regal genügend Alternativen, die ich dann vorziehen würde. Zum Beispiel Agricola, wo meine Frau und ich mittlerweile so zügig spielen, dass 45 Minuten für eine Partei ausreichen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren