Gedanken zur Staatsbürgerschaft

Gedanken zur Staatsbürgerschaft

Leider fand der Parteitag der CDU mehr als nur einen Steinwurf entfernt vom Büro statt. Andernfalls hätte ich mal vorbeischauen können und meine Meinung zum Thema Doppelte Staatsbürgerschaft kundgetan. Klar, mich hätte niemand hereingelassen. Weder bin ich Mitglied in der CDU noch ordentlich Delegierter für den Parteitag gewesen. Am Mittwoch wäre ich auch wohl einer der wenigen im Raum gewesen, der sich hinter Angela Merkel gestellt hätte, die an ihrer Position festhielt — wie fast die gesamte Parteispitze.

Die Mehrheit der Delegierten jedoch wollte anscheinend unbedingt ein Signal nach außen senden. „Sieh her lieber Wähler, wenn du gegen die doppelte Staatsbürgerschaft bist, kannst du auch uns wählen satt die AfD!“

Das sich ein in Deutschland geborener Mensch mit Eltern, die in einem anderen Land geboren wurden, für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen, halten nicht wenige in der CDU und erst recht in der CSU für richtig.

jackmac34 / Pixabay

Persönlich halte ich das für kompletten Blödsinn. Warum sollte jemand nicht zwei Pässe besitzen dürfen? Die Staatsbürgerschaft wird viel zu hoch gehängt und ist zu stark aufgeladen. Wer deutscher Staatsbürger ist, teilt damit noch lange nicht gemeinsame Werte oder fühlt sich dem Land damit besonders verbunden.

Mit der Staatsbürgerschaft einher gehen Rechte (zum Beispiel Wahlrecht) und Pflichten. Sie sagen nichts, wirklich nichts darüber aus, wie jemand zu Deutschland steht. Was im übrigen gerade auch für Menschen gilt, die nicht über eine doppelte Staatsbürgerschaft verfügen.

Je länger ich über die doppelte Staatsbürgerschaft nachdenken desto klarer wird mir, dass ich ein Problem mit dem Begriff an sich habe. Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich mich weniger als Deutscher denn als Europäer sehe. In Deutschland bin ich geboren und lebe auch hier. Na und? Trotzdem fühle ich mich auch anderen (europäischen) Ländern verbunden.

Natürlich gibt es Fälle die sich konstruieren lassen, wo die Zugehörigkeit zu einem Staat zu Konflikten mit der Zugehörigkeit zu einem anderen Staat führen. Diese Konflikte würden sich aber nicht auflösen, würde die doppelte Staatsbürgerschaft wieder abgeschafft.

Meiner Meinung nach solle, wenn wir bei dem Begriff Staatsbürgerschaft bleiben, die deutsche Staatsbürgerschaft an nachvollziehbare Bedingungen geknüpft werden. Wer hier dauerhaft lebt, arbeitet und auch Steuern zahlt, erhält die deutsche Staatsbürgerschaft. Damit kann sich derjenige auch gesellschaftlich und politisch engagieren. Praktisch wäre auch, die Staatsbürgerschaft mit einem Bekenntnis zur Demokratie und zur Verfassung zu verbinden. Die deutsche Sprache zu sprechen, ja, das wäre praktisch. Ich würde das aber nicht zur Bedingung machen.

Staatsbürgerschaft ist nur nach außen hin Ausdruck von Loyalität — wie jemand wirklich tickt, geht nicht aus seinem Pass hervor. Das man sich besser integriert, wenn man sich für eine Staatsangehörigkeit entscheiden muss, halte ich auch für einen Mythos.

Die doppelte Staatsbürgerschaft betrachte ich in einer globalisierten Welt in der wir nun mal leben als unproblematisch. Identitätsstiftend sind mittlerweile ganz andere Dinge.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren