Satire in Reichsgrenzen

Satire in Reichsgrenzen

Über die sogenannten Reichsbürger wurde in den letzten Wochen verstärkt berichtet. Wenn man wie ich bisher eher weniger über diese Zeitgenossen wusste, war das ein ziemlicher Schock. Bei dem, was die zum größten Teil von sich geben, wirken sogar Vertreter von der AfD wie vernünftige Menschen.

Anfang der Woche tauchte dann in meiner Timeline ein Video der heute-show auf. Carsten van Ryssen trifft den Reichskanzler Norbert Schittke. Zuerst habe ich gelacht. Klar dachte ich, nette Satire. Dann, Stück für Stück wurde mir klar, dass der Beitrag für die Macher zwar eine Satire sein sollte (glaube ich), der Herr Schittke das jedoch todernst meint. Der Typ ist wirklich einer jener Reichsbürger. Was der in dem Interview von sich gibt, ist schlicht unglaublich.

klimkin / Pixabay

Normalerweise würde ich an dieser Stelle das Video einbinden oder zumindest darauf verlinken. Genau das aber mache ich diesmal nicht, denn ich halte das Video in gewisser Weise für gefährlich. Ziemlich deutlich wurde mir das gestern Abend, nach einem weiteren Video der heute-show, wo Schittke über den Personalausweis referiert. Als aufgeklärter Bildungsbürger kann man über Herrn Schittke lachen. Der Mann wirkt wie eine Mischung aus Don Quijote und jemand, der dringend wieder zurück in die Geschlossen muss.

Meine Zivildienst verbracht eich in der offenen Psychiatrie. Im Vergleich zu Schittke war die Patienten damals alles ganz normale Menschen. Mich wundert auch nicht, dass diese „Reichsbürger“ vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Deren Ideologie reicht von putzig (Angela Merkel ist die Tochter von Helmut Kohl) bis zu hin zu extrem gefährlich.

Zurück aber zu dem Video der heute-show. Mir ist klar geworden, welche Wirkung es haben kann auf weniger gefestigte Menschen. Herr Schittke ist von seinem Weltbild überzeugt und kann diese Überzeugung auch auf andere, weniger gefestigte Menschen übertragen. Man muss sich nur das Video mit dem Personalausweis ansehen und es ungefiltert auf sich wirken lassen. Gut vorstellbar, dass es Menschen gibt, die Schittke zustimmen würden — oder sogar zustimmen.

Je weiter das Video verbreitet wird, desto größer ist die Gefahr, dass es Menschen infiziert. Da nützt auch das „lustig“ gemeinte Lied, „Der Hauptmann von Köpenick“ von Herbert Köfer, welches am Anfang und Ende des Beitrags eingeblendet wird. Den Reichsbürgern eine Plattform zu geben, halte ich gefährlich, gerade weil sie dann selber zu Worte kommen. Gefährlich vor allem, wenn erklärenden Kommentare fehlen und den wirren Thesen nichts entgegengesetzt wird. Aufklärung, ja, in jedem Fall. Aber nicht als versuchte Satire.

Für Menschen wie Schittke ist Deutschland eine GmbH, die Menschen die darin leben sind lediglich Mitarbeiter. Beweis dafür: Jeder von uns hat einen Personalausweis, statt einen Personenausweis. Nun ja, man könnte jetzt anmerken, dass er selber ja über einen eigenes erstellten Führerschein verfügt, damit aber nicht das Dritte Reich steuert, sondern nur seinen PKW.

Für mich gehört so jemand wie Schittke hinter eine geschlossene Tür. Wahlweise Knast oder Psychiatrie.

3 Replies to “Satire in Reichsgrenzen”

  1. Ich kenne diese „Bewegung“ schon etwas länger, darüber gestoßen bin ich über die Dland = GmbH Verschwörungstheorie. Xavier Naidoo ist Verfechter von Reichsbürger-Thesen.
    Das Gute ist, dass diese Leute sich in viele Gruppierungen splittern und zu viele Alphamännchen haben, die alle der eigentliche Kanzler sein wollen. Das Schlechte ist, dass dank FB und Co ihr Nonsense die Runde macht und sehr gefährlich werden kann. :(

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren