Dreht euch im Kreis

Dreht euch im Kreis

Alle Jahre wieder — nein, es geht nicht um Weihnachten, auch wenn es passender wäre, sondern um Karfreitag als Beispiel für die sogenannten stillen Feiertage. Wie bekannt sein dürfte, sind bestimmte Veranstaltungen am Karfreitag untersagt. So zum Beispiel Tanzveranstaltungen. Am Karfreitag in die Disco? Ein absolutes „no go“.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet am Donnerstag darüber, dass es davon allerdings künftig eine Ausnahme geben würden, denn nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts sind politische Demonstration, auch wenn sie als Tanzveranstaltung daherkommen, künftig erlaubt. Wobei der Rahmen ziemlich eng gesteckt ist, damit nicht jeder Discothekenbetreiber und Sportverein seine Veranstaltung zu einer Demonstration erklärt — die im Übrigen ja auch einer Genehmigung bedürfen.

Unsplash / Pixabay

Drüben, auf der Facebook-Seite von Kapitän Schwandt entstand eine lebhafte Diskussion über den Sinn und Unsinn der stillen Feiertage, ausgelöst durch einen Beitrag von Kapitän Schmidt. Trotz der kontroversen Diskussion, die zum Teil hart geführt wurde, blieb man sachlich. Hieß es nicht nur, sondern es war wirklich so, was ich als Teilnehmer an dieser Diskussion bestätigen kann.

Die ursprüngliche Position von Kapitän Schmidt gefällt mir dabei noch am besten:

Dabei geht es ja gar nicht so sehr ums Tanzen. Sondern um pausenlosen öffentlichen Konsum und ums Verschwinden freier Zeit. Früher konnten die Schiffe im Hafen noch schlafen. Heute tanzen die Kräne 24 Stunden um das Schiff, jeden Tag.

Unabhängig davon, um man nun religiös ist oder nicht ist das genau der Punkt. Die stillen Feiertage sind Ruhepunkt. Wenn man so will Ankerplätze zur Entschleunigung. Sicher, es gibt immer auch Menschen, die an diesen Tagen arbeiten müssen — das wurde auch als Argument in die Diskussion eingebracht, um für die Abschaffung des Tanzverbotes Stellung zu beziehen. Meiner Meinung nach sollte hier eine Linie gezogen werden und bei bestimmten Tätigkeiten darüber nachgedacht werden, ob sie wirklich lebensnotwendig sind.

Ja, wie schon mehrfach hier im Blog kundgetan bin ich für eine Beibehaltung der stillen Feiertage. Ich für meinen Teil kann auch nicht nachvollziehen, warum zum Teufel so viel Aufhebens gemacht wird, um an ein paar lächerlich wenigen Tagen im Jahr auch noch feiern und tanzen zu dürfen.

Gerade in Bezug auf den Karfreitag ist meine Haltung ziemlich eindeutig. Wer feiern will, soll auch arbeiten gehen. Es ist ein christliche Feiertag, was Atheisten nicht gefällt. Aber ohne die Religion wäre das ein ganz normaler Arbeitstag. Man kann sich nicht immer nur die persönlichen Vorteile aussuchen, sondern wir alle leben in einer Gemeinschaft. Da muss man auch mal auf ein Stück Freiheit verzichten können.

Auch wenn wir in einer (gefühlten) säkularisierten Gesellschaft leben, dass Fundament bleibt der christliche Glaube. Mit Fundamenten ist das schließlich so eine Sache. Bei Häusern sieht man das in der Regel nicht und trotzdem würde man es ziemlich schnell merken, wenn es plötzlich verschwände.

Im Übrigen, liebe Tanzfreunde. Zu den stillen Feiertagen gehört auch der Volkstrauertag Ende November. Der erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Denkt mal darüber nach, ob ihr an einem solchen Tag auch ausgelassen feiern wollt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren