Der Tod ist kein Gleichmacher

Der Tod ist kein Gleichmacher

Mit Prominenz ist es so eine Sache. Viel hängt von der eigenen Persönlichkeit ab, dann kommen noch die gesellschaftlichen Kreise hinzu, in denen man sich bewegt und schließlich die eigene Tätigkeit (bei It-Girls und Beruf Sohn eher weniger).

Für mich ist „Promi“ eher ein Schimpfwort. Berühmt sehe ich nicht unbedingt als Leistung. Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Sondern um ein kleines Stück Ungerechtigkeit selbst im Tod. Sterben werden wir alle, aber der Unterschied ist, wie man unserer einst gedenkt — und wer. Bei Personen, die im Rampenlicht standen ist der Nachruf etwas, was noch mal die Biographie des Verstorbenen hervorhebt. Wenn du es damit in die großen Zeitungen schaffst, dann warst du wer. Ganz so richtig ist das meiner Meinung nach aber nicht.

Vernissage mit Autogramm
Vernissage mit Autogramm

Über den Tod von Reiner Müller schreib beispielsweise die Süddeutsche Zeitung nichts.
Reiner Müller, wer war denn das? Genau, das meinte ich. Ein Mensch, der nicht ganz so im Rampenlicht stand und vielleicht nur denen bekannt ist, die mit dem zu tun hatten, was das Leben von Müller ausfüllte: Brettspiel.

Reiner Müller war Spieleredakteur. Als solche begleitet er unter anderem das extrem erfolgreiche „Siedler von Catan“. Aber nicht nur das. Er war an der, wie es auf der Webseite von Teuber Games heisst, an der Gründung der „Spiel“, der weltgrößten Spielemesse in Essen beteiligt. Zudem auch noch Mitbegründer der Zeitschrift „Spielbox“.

Teuber Games? Heisst nicht der Autor von Catan auch Teuber? Genau, und Teuber-Games ist eines seiner „Kinder“, genau wie TM-Spiele. Das war jener Verlag, den Klaus Teuber zusammen mit Reiner Müller und zwei anderen 1993 gründete, um das Spiel „Vernissage“ zu veröffentlichen. Dieses Spiel wollte nämlich kein anderer Verlag herausbringen.

Vernissage wäre dann wieder die nächste Frage, das Spiel hatte eine Auflage von 5000 Exemplaren beim Deutschen Spiele Preis 1993 den dritten Platz. Mir persönlich sagt das Spiel eine ganze Menge. Erstanden habe ich es auf der Spielemesse 1994 in Essen, genauer gesagt am 23. Oktober am Stand von TM-Spiele.

Es ist sicherlich ungewöhnlich, den Kauf eines Brettspiels Jahre später noch so genau datieren zu können. In diesem Fall geht es jedoch erstaunlich gut, was an einem Autogramm mit Datum auf der Spielschachtel von Vernissage liegt.

Im Nachhinein kann ich das nicht mehr erklären, warum ich am Stand nicht den Autor, Klaus Teuber, sondern den Redakteur, Reiner Müller signieren ließ. Fakt ist, eben jener diese Woche verstorbene Reiner Müller hinterließ seine Spur auf meinem Exemplar von Vernissage.

Es brauchte etwas, um mich an die kurze Begegnung mit Reiner Müller zu erinnern. Aber genau so, wie ich bei über 400 Spielen noch wusste, das ich ein Autogramm von ihm hatte und auf welchem Spiel es war, so fielen mir auch wieder die Details ein.

Ein ruhiger, angenehmer Mensch, der sich nicht in den Vordergrund drängte. So war mein Eindruck vom Müller damals. Was wohl auch Grund dafür war, dass ich mir noch ein weiteres Spiel am Stand kaufte, „Knock Out“ — ein paar Stunden später, kurz vor Messeschluss. Zumindest damals war es so, dass man die Exemplare, die am Stand zu Probespielen verwendet wurden, günstiger bekam (sonst hätte ich mir das als Student auch nicht leisten können). Wieder war es Müller, den ich ansprach und von dem ich Knock Out kaufte. Ich bekam sogar noch Ersatz für ein Spielteil, was ein anderer Messebesucher möglicherweise als Souvenir mitgenommen hatte.

Auch wenn sich andere an Reiner Müller nicht mehr erinnern oder ihn gar nicht kannten: ich tue es. Für mich ist sein Tod noch mal Anlass, die beiden Spiele aus dem TM-Verlag, die sich in meinem Besitzt befinden, wieder auf den Spieltisch zu bringen. Eigentlich eine sehr schönen Möglichkeit, einem Verstorbenen zu gedenken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren