Wenn Bestsellerautoren scheitern

Wenn Bestsellerautoren scheitern

Tatsächlich habe ich weniger als 18 Tage benötigt, um „Der Jesus-Deal“ endlich zu lesen. Allerdings schiebe ich es jetzt schon ein paar Tage vor mir her, darüber zu schreiben. Andreas Eschbach schätze ich als Mensch und Autor. Gerade deshalb fällt es mir enorm schwer, über „Jesus-Deal“ zu schreiben.

Vielleicht hilft es an dieser Stelle, umgekehrt vorzugehen und das zu sagen, was gesagt werden muss bevor ich auf ein paar der Gründe aus meiner Sicht eingehe. Also, noch mal tief durchatmen.

klimkin / Pixabay

„Der Jesus-Deal“ ist von allen Büchern die ich bisher von Eschbach gelesen haben  bedauerlicherweise das schlechteste. Die Magie des Vorgängers „Das Jesus Video“ verfliegt im Nachfolger vollständig. Daran ist nicht nur die Handlung schuld, sondern der die gesamte Konstruktion des Romans. Je weiter man beim lesen voranschreitet (einziger positiver Aspekt: man muss sich nicht quälen, der Lesefluss passt), desto stärker drängt sich eine Frage auf. Warum musste dieses Buch geschrieben werden? Ging es um Geld? Um eine Art Abrechnung mit den Evangelikalen in den USA? Man weiss es nicht.

Was man aber ahnt: Das Buch wäre besser nicht geschrieben worden. Die Figuren sind lieblos gestaltet, ehemalige Hauptfiguren aus „Das Jesus-Video“ tauchen nur noch als Schatten auf. Eigentlich kann Andreas Eschbach wesentlich mehr.

Die besondere Schwierigkeit bei einer Rezension über „Der Jesus-Deal“ besteht darin, möglichst nicht zu spoilern. Ein einfachsten fällt das, wenn man den Plot auf den Punkt bringt. Im ersten Band stand eine mögliche Zeitreise im Raum, die stattgefunden haben müsste, um das titelgebende Video zu produzieren. Band zwei ist, da es schließlich um Zeitreisen geht, sowohl Prequel als Sequel. Was leider aber auch dazu führt, dass man an einigen Stellen etwas in der erzählen Zeit hin und her springt.

Das einem immer wieder eine Menge physikalischer Theorie aufgedrängt wird, ist anstrengend und sorgt eben nicht für ein wirkliches Verständnis. Die Marotte hatte Eschbach aber schon im ersten Band, als jedes Kapitel einleitend aus dem Ausgrabungsbericht zitierte. Immerhin, zur Abwechslung gibt es nicht nur Physik, sondern auch mal christlich-fundamentalistisches Gedankengut. Was aber den Eindruck verstärkt, Eschbach müsste sich wirklich an der Religiosität anderer abarbeiten. Wirklich bedeutenden Kernthesen werden dabei leider nur gestreift. Jesus hätte nie der Erlöser der für die Sünden am Kreuz starb werden können, wenn er nicht durch Judas verraten worden wäre. Was wiederum Judas zu einer bedeutsamen Figur macht.

Im Mittelpunkt steht die Zeitreise und deren Vorbereitungen — als man schließlich den eigentlich Zweck der Reise erfährt, greift man sich als Leser entsetzt an den Kopf. Hier ist die Phantasie doch etwas durchgegangen mit dem Autor.

Ob man den Kausalzusammenhängen von Zeitreisen und der Erklärung, warum es keine Paradoxen geben kann, folgen mag, bleibt jedem beim lesen selber überlassen. Das alles erklärt wird, statt wie im Vorgänger mit Andeutung zu arbeiten, ist bedauerlich. in „Das Jesus-Video“ konnte man nie sicher sein, ob es die Reise wirklich geben hat. Im Nachfolger ist sie Tatsache. Man stolpert durch die Handlung und bekommt die Vorbereitungen zu dieser Reise mit, ohne das es eine handelnde Figur gibt, die zu einem Sympathieträger wird. Man kann sich mit keiner Figur identifizieren.

Achtung Spoiler

Das Schlimmste jedoch ist die fehlende Auflösung für das Video aus dem Vorgänger. „Das Jesus-Video“ wurde nämlich nicht von der Gruppe Zeitreisender aufgenommen, sondern stammt von einer anderen müsste von einer anderen Person stammen. Diese aber ist der Gruppe offensichtlich nicht aufgefallen. Wurden hier Lücken für einen dritten Band bewusst hinterlassen?

Meine Frau hat „Das Jesus-Video“ genau wie ich mit Begeisterung gelesen. Von „Der Jesus-Deal“ musste ich ihr leider abraten. Die Handlung ist einfach eine zu große Enttäuschung und entwertet den Vorgänger.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren