Schulz gets the blues

Schulz gets the blues

Es gibt einen melancholisch-tragischen Filme, der mich ziemlich beeindruckte, als ich in sah. Das langsame Erzähltempo, die Landschaft aber auch die Geschichte selber. „Schultze gets the blues“ handelt von einem Frührentner, dem im Leben nicht mehr viel bleibt. Jemand, den man als eingefahren bezeichnen würde. Wenn es denn da nicht den Moment in seinem Leben geben würde, der vieles auf den Kopf stellt. Ein Musikstück im Radio, was Schultze schließlich zu einer Reise führen wird, an dessen Ende er gleichsam das Glück und den Tod findet.

Das alles hat wenig mit dem Chef des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, zu tun. Wobei er auf europäischer Ebene selber dem Vorruhestand ziemlich nahe ist. Eigentlich verhält es sich eher so, dass Politiker wenn sie auf Bundesebene nicht mehr benötigt werden, in nach Brüssel ins Endlager kommen. Wie zum Beispiel Günther Oettinger. Man hofft immer, dass sie dort das Gefühl haben, noch gebraucht zu werden aber keinen Schaden mehr anrichten können — was bei Oettinger nur leidlich funktioniert.

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Ein Wechsel aus der europäischen Politik wieder zurück in die Bundespolitik ist eher ungewöhnlich. Martin Schulz als möglicher Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier im Amt des Bundesaußenministers ist es für mich auch. Die politischen Erfolge und Leistungen von Schulz möchte ich ihm nicht streitig machen. Ebensowenig lässt sich beim ihm leugnen, dass ziemliche Bodenhaftung mit sich bringt. Kein Akademiker sei er, sondern Buchhändler, wie die Süddeutsche Zeitung über ihn schreibt — wobei das wiederum kein Nachweis von Kompetenz oder Lebenserfahrung ist.

Würde Schulz Außenminister, bringt das möglicherweise weitere Veränderungen mit sich. Vieles hängt dabei davon ab, wie nahe sich er und Sigmar Gabriel wirklich stehen. Außenminister, und dann? Schulz wird unter Genossen als möglicher Kanzlerkandidat als Alternative zu Gabriel gehandelt. Das kann sich verändert, wenn er Außenminister wird. In dem Amt wird er sicher nicht mal mehr 12 Monate sein, denn im Herbst 2017 findet die Bundestagswahl statt. Ob er danach wieder Außenminister wird, ist erstmal unklar. Es hängt an zu vielen Faktoren. Wäre er dann lediglich einfach Abgeordneter, hätte er sich auf eine ziemlich schlechten Deal, Berlin gegen Brüssel zu tauschen, eingelassen.

Oder aber er gibt sich genau damit zufrieden was Gabriel einen potentiellen Konkurrenten vom Hals hielte. Dazu müsste Schulz aber extrem wenig Ehrgeiz besitzen. Beschäftigt man sich mit seiner Biographie und seiner politischen Karriere, ist da Seher unwahrscheinlich.

Die andere Option für Schulz wäre: wenn er schon mal Bundesaußenminister war und in den Monaten bis zur Wahl in seiner neuer richtig punkten wird, wäre er auch eine geeignetere Person für eine Kanzlerkandidatur. Eine, die möglicherweise die Wählerinnen und Wähler mehr überzeugen würde als Gabriel selber.

Sehr spekulativ: vielleicht ist es genau das, was Gabriel selber möchte, weil ihm selber die Lust auf eine Kandidatur abhanden gekommen ist — wobei, ist das wirklich wahrscheinlich?

Diese ganzen Überlegungen führen erstmal zu nichts. Die wirklichen Entscheidungen werden anderswo getroffen. Man kann jammern, einem traurigen Blues lauschen oder sich eine ganz andere Frage stellen. Zum Beispiel die, warum derzeit SPD Politiker gehandelt werden, die männlich sind und zudem den Zenit bereits überschritten haben. Haben wir in der Partei keine jüngeren (und weiblichen Kandidaten)? Warum läuft es immer wieder auf die Gesichter hinaus, die wir schon seit Jahren kennen und die für mehr des Gleichen statt für Entwicklung stehen?

Wenn die SPD nichts aufbieten kann statt die aufgewärmte alte Garde, dann hat sie in der Tat ein echtes Problem, weit über Sigmar Gabriel hinaus.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren