You want it Darker

You want it Darker

Seit ein paar Jahren entwickelt sich mein Musikgeschmack. Klar, werden sich vielen denken, „mein Geschmack entwickelt sich auch weiter“. Aber nein, dass meine ich nicht. Ich meine das wirklich genau so wie es das steht. Lange lange Jahre hatte ich nämlich so gut wie keinen Musikgeschmack. Gehört habe ich was die Peergroup hörte. Auf eine bestimmte Musikrichtung war ich nie festgelegt. Entweder gefiel mir etwas oder eben nicht — das ging quer durch alle Richtungen. Mit ein paar Ausnahmen. Techno zum Beispiel fand ich immer schon grausig. Und Volksmusik zum brechen.

44833 / Pixabay

Der wenig ausgeprägte Geschmack führte dazu, dass ich auch im Vergleich zu anderen kaum Musik in Form von Kassetten, Schallplatten oder CD’s besaß. Erst nach der Pubertät kaufte ich meinen ersten eigen CD-Spieler.

Manchmal gibt es im Leben Wendepunkte, an die man sich später noch gut erinnert. Einer davon war bei mir kurz nach dem Umzug nach Köln. Ich sah 2012 ein Plakat hier in der Stadt, welches für ein damals neues Album „Old Ideas“ von Leonard Cohen warb. Neugierig hörte ich rein und kam nicht mehr von dieser Stimme los. Der Song „Going Home“ bewegt einfach. Für mich wurde Stück für Stück klar, was für Musik ich eigentlich bevorzuge: Jazz
Nicht jede Ausprägung, aber vieles. Zu verdanken habe ich diese Erkenntnis letztendlich Leonard Cohen und seinem Album. Bald reihten sich andere Musiker ein, die mir gefielen. Zum Beispiel Gregory Porter und Malia.

Gestern verstarb Leonard Cohen im Alter von 82 Jahren. Mir geht das ziemlich nah. Es haut mich einfach um, auch wenn es absehbar war. Cohen hat es auch vermutlich gewusst, wie nah er dem Ende ist. Sein letztes Album sang er zu Hause ein, es wurde dann im Studio abgemischt, ohne ihn. Ein Stück weit ist das Album „You want it Darker“ bereits im Oktober sein Vermächtnis gewesen. In jedem Fall aber ein Album, geprägt von Schmerz, Abschied und Vorahnung. Das Titelstück „You want it Darker“ sagt viel aus, ohne das man interpretieren müsste:

If you are the dealer, I’m out of the game

Insbesondere der Refrain tut jetzt, nach seinem Tod, besonders weh:

I’m ready, my Lord

Oder ist es was anderes? Statt Schmerz das sich Fallen lassen, in die Hände von Gott begeben? Seine Lieder haben auch etwa spirituelles, tiefgründiges. Gerade aber der Schmerz, der oft aus ihnen spricht, ist Teil eines Heilungsprozesse. Vielleicht ist das auch ein kleiner Trost für die vielen Verluste 2016. Für uns hier unten ist es in jedem Fall dunkler geworden. Und nein, wir wollten das ganz bestimmt nicht.

„I’m going home“ — mach es gut Leonard Cohen!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren