Provinzpossen

Provinzpossen

Der Kölner und Einsicht, zwei Dinge die man genau so häufig antrifft wie beispielsweise Weihnachten und Ostern an einem Tag. Wobei letzteres mit Sicherheit wahrscheinlicher wäre.

Überall dort, wo Menschen zusammenleben, werden Regel benötigt, die das Miteinander in einigermaßen zivilisierten Bahnen ablaufen lassen. Zudem dienen die Regel auch dazu, die Schwächeren vor den Stärkeren zu schützen. Gerade in einer Großstadt wie Köln ist so was leider bitter nötigt.

Monoar / Pixabay

Das angebliche „kölsche Grundgesetz“ mag man vielleicht witzig oder verschroben finde, tatsächlich ist es aber eher ein verdammt trauriges Beispiel für falsch verstanden Toleranz und kleinbürgerliche Rückständigkeit. Und vor allem für eine Haltung, welche die Interessen des Stärkeren zur Allgemeinen Leitlinie erklärt.

So ließe sich bereits „Paragraph 1“, „Et es wie et es“ ganz anderes interpretieren. Lass es, wie es ist, kannst du ehedem nicht ändern. Zwischen Ohnmacht und unterlassener Hilfeleistung.

Besonders offen für Veränderungen ist man auch nicht in der Domstadt, denn in „Paragraph 6“ heisst es: „Kenne mer nit, bruche mer net, fott domet“

Peinlich wird es, wenn Deutschland Niveau-Blatt Nummer eins, BILD, das kölsche Grundgesetz aufgreift und über angebliche Missstände berichtet. Genauer gesagt, wenn man sich anbiedert an die Kölner und über angebliche Verwaltungswildwüchse „berichtet“.

Die Verwaltung der Stadt bemüht sich, in Köln aufzuräumen. Köln zu einem saubereren und sicheren Ort zu machen. BILD prangert das an, genau so wie ein nicht unerheblicher Teil von Lokalpolitikern sich mit Händen und Füßen dagegen wert. Schließlich hat man es ja schon immer so gemacht wie bisher („Wat soll dä Quatsch?“, Paragraph 9).

Es sind nicht nur angebliche Künstler am Dom, die nach dem Willen der Stadtverwaltung weichen sollen, auch wirklich nachvollziehbare Ideen werden abgelehnt. So etwa eine Bannmeile von 100 Metern um jede Schule, die den Konsum von Alkohol im Freien in dem Radius untersagt. Über die vom Alkohol ausgehenden Gefahren braucht man eigentlich nicht diskutieren, dass sollte jedem klar sein. Wer hier von Wegebier was man ihm wegnehmen will faselt, hat nichts verstanden. Polemisch wird hier in Köln gleich eine Karte aus dem Hut gezaubert und blaue Kreise eingezeichnet, welche „trockenen Zonen“ markieren.

Sinniger wäre es doch gewesen, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und zu überlegen, ob man die Bannmeile lediglich zu bestimmten Zeiten festlegt. Zum Beispiel zur Schulzeit und zusätzlich zwei Stunden davor und danach. Es wäre dann genügend Zeit für ein Bierchen. Wer aber meint, nach Feierabend auf dem Weg nach Hause noch unbedingt ein Bier zu benötigen (oder was härteres), der sollte mal mit seinem Hausarzt sprechen. Eventuell hat er nämlich ein Alkoholproblem — das besteht nämlich bereits, wenn man regelmäßig trinkt.

BILD mokiert sich auch darüber, dass Restaurants und Kneipen vor ihrer Tür Aschenbecher aufstellen und diese regelmäßig leeren sollen. Man muss schon blind sein, wenn man das Problem mit den wild weggeworfenen Kippen nicht sieht. In Singapur muss man für das achtlose Wegwerfen seiner Zigarette mit einer saftigen Strafe rechnen – mal so ganz nebenbei erwähnt.

Das jetzt die Verwendung von Slackline-Gummis ebenfalls verboten werden soll, ist nur konsequent. Slacklines, die ohne Schutz an den Bäumen befestigt werden schädigen diese erheblich und führen dazu, dass in letzter Konsequenz der Baum abstirbt. Hätte sich die Mehrheit der Slackliner korrekt verhalten, wäre die Stadtverwaltung erst gar nicht auf die Idee gekommen, ein Verbot zu erlassen.

Der Widerstand gegen die Stadtverwaltung ist in diesen Fällen einfach nur lächerlich. Nein, eigentlich eher nicht. Ist ist nämlich in höchsten Maße peinlich. Zudem zeigt es, wie stark Verwaltung und Lokalpolitiker in Köln aneinander vorbeiarbeiten, -reden und -denken.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren