Das Ende leuchtet nicht

Das Ende leuchtet nicht

Das wohl auffälligste Detail an den gestern vorgestellten neuen Mac Book Pros dürfte für langjährige Kunden von Apple der fehlenden leuchten Apfel auf der Rückseite des Geräts sein. Das wirkt wie ein versteckter Hinweis. Seht her, unsere Strahlkraft hat genau wie die unserer Produkte nachgelassen.

Soweit würde ich aber nicht in der Interpretation gehen. Zwar habe ich auch den Eindruck, dass Apple den Zenit längst überschritten hat, aber der leuchtende Apfel auf der Rückseite der Notebooks ist mehr herzlich egal. Mehr noch, ich halte die Abschaffung für längst fällig. Und das hat Gründe. Bei meinem ersten MacBook Pro mit leuchtendem Apfel war das Gerät mehr in Reparatur als in meinem Besitz. Immer wieder musste das Display getauscht werden, weil sich der Kleber löste. Schon damals hatte ich persönlich den Verdacht, der Prozess würde durch den durchscheinenden Kunststoff des Apfellogos beschleunigt.

25 Jahre MacBooks
25 Jahre MacBooks

Bei meinem aktuellen MacBook Air ist mittlerweile auch ein Displayfehler vorhanden. Weiße Partikel auf dem Schirm auf der Höhe des Logos. Und nein, es ist nicht das durchscheinende Licht von der anderen Seite, das sieht auch in einem völlig dunklen Raum so aus. Ist auch leider kein Einzelfall, wenn man Google fragt. Der leuchtende Apfel also kann meinetwegen Geschichte bleiben.

Was Apple selber angeht, nun ja. Die Präsentation hat mich gestern alles andere als vom Hocker gehauen — und ja, ich habe mir sie obwohl ich es eigentlich nicht vor hatte, live angesehen. Vor 25 Jahren präsentierte Apple sein erstes Notebook. Aber der Reihe nach.

Nach dem üblichen sehr emotional gestalteten Einführungsvideo, was Apple als menschenfreundliche Unternehmen zeigen soll, wurde zuerst auf eine Neuerung in Apple TV eingegangen. Eine TV App, die nicht nur auf dem Appel TV sondern auch auf iPads und iPhones laufen soll. Damit will Apple ein nahtloses Fernseherlebnis schaffen, weil die App Zugriff auf alle anderen Video-Apps und somit Dienste hat, die der Benutzer installiert. Sieht nett und übersichtlich aus, wird es aber erstmal nur in den USA geben. Ansagen zum Thema Datenschutz gibt es auch noch nicht.

Also die MacBooks, sorry die MacBook Pros. Wie bereits erwähnt, fällt der leuchtende Apfel weg, die Geräte werden leichter und schlanker und sind zudem in verschiedenen Farbe (silver und spacegrey) erhältlich. Zudem gibt es sie nicht mehr aus Aluminium, sondern aus Metall. Neben einer 13 Zoll Version mit klassischen Version gibt es zwei Modelle, die statt dessen über die sogenannte Touch Bar verfügen. Ein kleines Touchdisplay, was je nach Anwendung unterschiedliche Flächen zur Bedienung anzeigen kann. Zudem lassen sich auch aufwendige grafische Steuerungen darstellen oder auch Vorschaubilder anzeigen. Die Haptik fehlt natürlich und für Personen, die mit 10-Finger schreiben können ohne die Augen vom Bildschirm zu nehmen, dürfte die Touch Bar so ziemlich das Sinnfreistes sein, was Apple je produziert hat. TouchId zum Bezahlen und zum Entsperren des Geräts, na ja. Ein Aus- und Einschalter ausschließlich über die Touch Bar? Mhm, ob das gut geht wenn das Betriebssystem mal komplett hängt?

Persönlich finde ich es nett eine Touch Bar zu haben, aber einen Aufpreis von rund 500 Euro bei ansonsten fast gleicher Leistung (13 Zoll Geräte) ist mir das nicht wert. Überhaupt die Preise. Für das günstigste MacBook Pro 13 Zoll ohne Touch Bar werden bereits 1.699 Euro fällig. Dafür man ein CPU von vorgestern (wie in allen gestern vorgestellten MacBook Pros) und eine Menge nicht. Kein Slot mehr für SSD-Karten, keinen Mag-Safe-Anschluss (der wirklich klasse war), keinen besseren (sondern einen vermutlich schlechteren Akku). Über fehlende optische Laufwerke reden wir erst gar nicht.

Als Anschlussart gibt es nur noch zwei Thunderbolt 3 Anschlüsse (vier bei den teureren Geräten). Hat man keinen geeigneten externen Monitor, lädt man über einen Anschluss auf und über den anderen verbindet man (natürlich mit Adapter) den Monitor. USB-Stick? Braucht man dann wohl nicht mehr.

Für mich ist das alles andere als innovativ. Es ist alter Wein in leicht aufgefrischten Schläuchen. Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass seit dem Tod von Steve Jobs nichts wirklich innovatives mehr vorgestellt wurde. Etwas, wo ich persönlich sofort Feuer und Flamme bin.

Tim Cook hat für mich mittlerweile nur noch den Charme eines Verwaltungsbeamten. Zudem bin ich mehr als unzufrieden mit der Entwicklung von iOS und vor allem Mac OS. Das groß angekündigte Update von Mac OS, welches die Rechner (auf denen es offiziell lauffähig ist) schneller machen sollte, hat meinen Mac mini zu einem Fall für die Restrampe gemacht. Der läuft nicht schneller, sondern ich sehe lediglich schneller und häufiger den Sat1-Ball.

Auffällig an der Präsentation gestern war mal wieder, was fehlt. Kein neuer Mac Pro, kein neuen Mac Minis, keine neuen iMacs. Die bezahlbaren iMac haben mittlerweile eine schlechtere Performance als die MacBook Pros.

Wenn man auf einschlägigen Internetseiten liest, auf Seiten wo durchaus überzeugte Apple-Nutzer schreiben, findet man wenig Begeisterung. Es ist eher eine Katerstimmung. Genau so geht es mir auch. Apple, du ernüchterst mich.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren