Diskriminierung richtig anfangen

Diskriminierung richtig anfangen

Das Gender-Thema hatte ich ja bereits hier im Blog. Natürlich kann man das Ganze auch sachlicher angehen, statt einfach Benzin ins Feuer zu gießen. Aber hej, auf diese Weise wird es zumindest schnell warm, was gerade bei fallenden Temperaturen draußen nicht verkehrt ist.

Aber Scherz beiseite, natürlich kann ich mich auch ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen — obwohl das zugegeben etwas schwerer fällt und weniger lustig ist. Um es vorweg zu nehmen: ich bin fast jede Art von Diskriminierung. Zu den Ausnahmen gehören unter anderem ausgewiesenen Idioten und Nazis. Wobei sich darüber auch trefflich streiten ließe. Sollte man jemanden diskriminieren, zum Beispiel mit Sprüchen wie „Nazis raus!“, der andere diskriminiert oder eben nicht?

hbieser / Pixabay

Zugestehen sollte man jedem Menschen auf jeden Fall eine eigene Meinung und eine eigene Anschauung, selbst wenn man diese nicht teilt. Natürlich kann man dann mit dem betreffenden über seine Anschauung diskutieren. Schwierig ist es in jedem Fall, Grenzen zu ziehen. Sollte man jemanden in Ruhe lassen der eine bestimmte private Meinung hat, solange er niemanden damit schadet?

Wann genau wird aus einer privaten Meinung etwas, was andere Menschen in ihrer Freiheit einschränkt und für die Gesellschaft als Ganzes zu einem Problem wird?

Flüchtlinge überfallen und Unterkünfte anzünden ist ganz eindeutig keine private Meinungsäußerung mehr, sondern eine Straftat und als solches zu behandeln. Für mich ist es gerade in Bezug auf Nazis recht einfach, ihre Ansichten kann ich weder akzeptieren noch tolerieren.

Wie sieht es aber aus mit Personen, die zum Beispiel keine Bartträger mögen? Vor einiger Zeit war ein Laden in Köln-Ehrefeld damit, dass Männern ohne Bart einen Preisnachlass von 15 Prozent bekommen würden. Überschrieben war das ganze dann noch mit „1. Internationales Anti-Hipster Weekend“. Ziemlich eindeutig eine Diskriminierung von Männern mit Bart. Zudem auch noch eine Diskriminierung von Frauen, die auch wenn diese meistens keinen Bart habe, sind sie vom Rabatt ausgenommen.

Jetzt machen wird das ganze noch schwieriger und kommen zu dem Artikel „Ohne Torte“ in der Süddeutsche Zeitung von heute. Vor zwei Jahren weigerte sich ein Bäcker in Nordirland, für Homosexuelle-Aktivisten eine Torte mit der Aufschrift „Support Gay Marriage“ zu backen. Nach wie vor ist in Nordirland die gleichgeschlechtliche Ehe verboten — was aber keine Rolle spielt, denn ein ähnlicher Fall hätte sich auch hier in Deutschland zutragen können.

Der beauftragter Bäcker, so heisst es, lehne als überzeugter Christ die Eheschließung von homosexuellen Paaren ab. In einem Gerichtsverfahren wurde er wegen Diskriminierung einer sexuellen Orientierung für schuldig gesprochen und zur Zahlung einer Strafe von 500 Pfund verurteilt.

Hier stellt sich die Frage, ob Gesetze, die zum Schutz vor Diskriminierung erlassen wurde, in bestimmten Fällen anders denkenden Menschen eine Weltanschauung aufzwingen.

Bauen wir den tatsächlichen Fall einmal um. In Irland ist das Hakenkreuz nicht wie in Deutschland verboten. Was wäre, wenn ein jüdischer Bäcker beauftragt worden wäre, eine Torte mit Hakenkreuz zu backen und dies aus naheliegenden Gründen abgelehnt hätte?

Mir zeigt das alles, dass Diskriminierung ein extrem schwieriges Feld ist. Nehmen wir das Türsteher-Beispiel. Der Türsteher einer Münchener Diskothek weisst einen farbigen Besucher, einen stationierten US-Soldaten, ab. Der fühlt sich diskriminiert und klagt erfolgreich. Später stellt sich heraus, dass der Besucher schon stark angetrunken war. Noch etwas später erfährt man, dass dem Besitzer der Diskothek eine Woche zuvor eine Gruppe GIs das halbe Inventar zerschlagen hatten.

Jede Diskriminierung erfordert im Grunde eine Einzelfallbetrachtung. Sicher gibt es immer Fälle, die möglicherweise ziemlich eindeutig sind. Bei anderen aber muss genau abgewogen werden, welche Interessen im Raum stehen und wo die Freiheit des Einzelnen zum Wohle der Gesellschaft eingeschränkt werden muss — und wo alles dran gesetzt werden muss, die Freiheit des Einzelnen vor der Gesellschaft zu schützen.

Im Falle des Bäckers bin ich gespalten. Ich kann sowohl seine Weigerung nachvollziehen (auch wenn ich seine Anschauung nicht teile) als auch den Sinn hinter der Verurteilung erkennen.

2 Replies to “Diskriminierung richtig anfangen”

  1. Naja, den Vergleich mit den Tortenbäcker finde ich etwas schief. Das Hakenkreuz als Symbol der NS-Zeit mit Millionen von Toten vs. ein „Lifestyle“ (Homosexualität ist zwar keiner, wird aber von Hassern so gesehen). Auch ist der Heterosexuelle kein Opfer der Homosexuellen, während es bei dem Juden als Volkszugehöriger anders gewertet werden könnte. Wie auch immer: ich finde, der Bäcker darf alles ablehnen, was er ablehnen mag. Das darf ihm kein Gericht ankreiden. Gibt sicher auch Bäcker, die keinen Fotodruck von einem Penis auf ihren Kuchen tun wollen. Frag mich daher, ob der Bäcker wirklich wegen der Ablehnung an sich verurteilt wurde oder eher wegen der Art, wie er diese kund getan hat.

    1. Der Vergleich mit dem Tortenbäcker ist tatsächlich etwas schief. Beim schreiben habe ich zunehmend gemerkt, wie Heikel das gesamte Thema ist und auf was für einem Minenfeld ich mich da bewege. Anfangs, morgens beim Frühstück, war meine Haltung noch recht klar. Natürlich sollte es dem Bäcker erlaubt sein, das was er nicht baken möchte auch nicht backen zu müssen. Mit der zeit wurde mir aber klar, dass es möglicherweise doch nicht so einfach ist.

      Soweit ich weis, ging es wirklich nicht um die Art und Weise der Ablehnung sondern um die Ablehnung selber.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren