Geschäftsmodell Apotheke

Geschäftsmodell Apotheke

Das sich Zeitschriften und Zeitungen auch durch Werbeanzeigen finanzieren, ist kein Geheimnis. Das dies im gleichen Maße auch für eine Parteizeitung gilt, ist mir schon seit längerer zeit ein Dorn im Auge.

Wenn ich zumindest das Gefühl hätte, die Werbung wäre zielgruppengerecht, würde mir das so was wie Verständnis abtrotzen. Also zum Beispiel eine Anzeige einer genossenschaftlichen Bank, Werbung für eine Mitgliedschaft im DGB oder ähnliches. In der neusten Ausgabe des Vorwärts aber gibt es eine Anzeige für private Krankenversicherer — passt ja perfekt zum Image einer Arbeiterpartei, die keine mehr sein will. Aber gut, trotz berechtigter Kritik kann man die Anzeige so stehen lassen.

jarmoluk / Pixabay

Was dagegen eine Einladung zum Widerspruch ist: die Anzeige der „Apotheken in ganz Deutschland“. Dort wird von einer Mischkalkulation bei den Preisen gesprochen und von den vielen Dingen geschwärmt, welche die Apotheken leisten. Ganz so, als seien das keine wirtschaftlich geführten Unternehmen, sondern caritative Verbände. Das ist Lobbyismus pur. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, nach dem der Europäische Gerichtshof die Preisbindung von verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland für nicht vereinbar mit dem EU-Recht bezeichnete.

Medikamenten, machen wir uns nichts vor, sind in Deutschland verdammt teuer. Deutlich teurer als im EU-Ausland. Was auch zu Kuriositäten wie den Re-Importen führt. Da wird von einem deutschen Pharmakonzern hergestelltes Schmerzmittel aus zum Beispiel Griechenland importiert, weil es dort günstiger verkauft wird. Obwohl das Medikament in Deutschland hergestellt wurde — aber ebene für den Verkauf im Ausland gedacht war. Inhalt und Zusammensetzung sind identisch zum Original, welches für wesentlich mehr Geld in Deutschland verkauft wird.

Seitens der Lobbyisten wird natürlich Sturm gelaufen gegen die Entscheidung des EuGH. Wenn schon nicht vom Untergang des Abendlandes gesprochen werden kann, dann zumindest von der flächendekenden Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten, die in Gefahr sei. Die wird natürlich auch bereits dann bedroht, wenn hier in Nippes bei zwei sich unmittelbar gegenüberliegenden Apotheken eine schließen würde.

Ich als Laie habe das noch nie verstanden, warum die Versorgungsdichte bei Apotheken dermaßen hoch ist. Bei Bäckern kann ich es verstehen, da backt jeder ein bisschen anders beziehungsweise verwendet eine andere Fertigmischung. Aber bei Apotheken, welche die gleichen Medikamente verkaufen? Etwas deshalb, weil die gratis Packung Taschentücher in der einen Apotheke eine andere Farbe hat?

Den Spruch „da kannst du ja gleich in der Apotheke kaufen“ kenne ich schon ziemlich lange. Verwendet wird er zum Beispiel dann, wenn man ein überteuertes Produkt bei einem Einzelhändler vor sich hat, was es eigentlich woanders günstiger gibt. Die Preisgestaltung der Apotheken ist also legendär. Aber nicht nur die Apotheker, am Ende der Kette, profitieren von den Preisen. Verschrieben werden die Medikamente von den Ärzten und hergestellt von Pharmafirmen, die mit ziemlicher Sicherheit nicht am Hungertuch nagen.

Sicher, die Entwicklung eines neuen Medikaments ist ein langwieriger mit Risiken behafteter Prozess — der sich aber ganz offensichtlich lohnt.

Den Schaden im Falle von zu hohen Preisen haben die Patienten genau so wie die Krankenkassen — welche die Kosten in Form von Beiträgen letztendlich auch wieder auf die Patienten abwälzen.

Im Übrigen sollte man auch in Deutschland bei den nicht rezeptpflichtigen Medikamenten darüber nachdenken, ob für diese nach wie vor noch ein Verkauf über Apotheken erforderlich ist. In anderen Ländern kann ich Aspirin auch im Supermarkt kaufen. Günstiger und in einem größeren Gebinde.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren