Aluhüte für WordPress Benutzer

Aluhüte für WordPress Benutzer

Mein Morgen mit Frühstück und dem Konsum von Nachrichten verläuft nach in der Regel nach einem bewährten Muster. Zuerst rufe ich auf dem iPad die E-Mails ab und überfliege sie genau so wie darauf die neuesten Einträge bei Facebook und die bornierten RSS-Feeds. Danach widme ich mich dem Studium der Süddeutsche Zeitung.

Genau dort gibt es dann meistens den ersten richtigen Aufreger — wobei das häufig auch freut, denn schließlich kann ich darüber bloggen. Heute wäre es etwas anders, denn ich blieb bei den RSS-Feeds hängen. Genauer gesagt bei einem Blogartikel von Vladimir Simovic (alias perun).

SplitShire / Pixabay

Den Wanderzirkus der WordPress-Gemeinde bleibe ich persönlich schon eine ganze Zeitlang fern. Das hat vor allem mit einem bestimmten Plugin zu tun, aber gehört hier nicht an diese Stelle.

Wie dem auch sei, aus dritter Hand über Neuerungen und Veränderungen zu erfahren reicht mir. Eine der bewährten Informationsquellen für mich ist die Seite von Vladimir. Seine Artikel zu einer aktuellen Entwicklung hat mich vor der ersten Tasse Tee kalt erwischt und ziemlich wütend gemacht. In allen Punkten, die Vladimir aufzählt, stimme ich ihm zu 100 Prozent zu. WordPress ist ein Contentmanagmentsystem und kein Rummelplatz für Ideologien.

Wer mit den Sprachversion von WordPress unzufrieden ist, kann sich alternativ jederzeit eine eigene Sprachdatei zusammenbasteln. Und wer es nicht kann, sollte davon ehedem die Finger lassen.

Worum geht es genau? Verkürzt zusammengefasst soll aus einem bisherigen Plugin, welche die deutsche Sprachdatei von WordPress „gender-sensitive“ übersetzt ein Kernbestandteil von WordPress werden. Mit anderen Worten: eine gesellschaftliche Anschauung wird über ein CMS gestülpt, ohne das man die Wahl hat, sofern man WordPress in deutscher Lokalisierung weiterhin benutzen will.

Vladimir bringt das wie gesagt gut auf den Punkt und kann jedem nur empfehlen, den Artikel selber zu lesen und zudem auch dort den Links zu anderen Texten und Meinungen zu folgen. Man (genau darauf gehe ich gleich noch ein) bekommt dadurch ein recht guten Eindruck. Insbesondere Angelika Reisiger hat sich sehr intensiv und sachlich an der Diskussion beteiligt. Wobei die Befürworter weniger dazu bereit sind, eine richtige Diskussion zu führen.

Da sachliche Argumente wie die von Angelika ganz offensichtlich nicht weiterführen, was ich sehr bedaure, mache ich an dieser Stelle das, was ich ehedem am besten kann: Polemik

Ehrlich, ich halte vom der gesamten Gender-Geschwafel rein gar nichts. Es sind vornehmlich nicht Schreibweise und Wörter die unterdrücken, sondern Menschen und Herrschaftsstrukturen, die das tun. Bevor ich jetzt richtig deutlich werde, möchte etwas aus meiner Biographie erzählen.

Auch wenn man das meinen Texten und Tippfehlern hier mitunter nicht ansieht, ich hatte in der Oberstufe Deutsch Leistungskurs und entsprechen war Deutsch mein erstes Abiturfach. Etwa die hälfte der Zeit in der Oberstufe befand ich mich in eine sehr links-progressiven Phase. Auch angeregt durch meine feministische Religionslehrerin las ich Bücher von Alice Schwarzer und benutzte in Klausuren das Binnen-I — und das obwohl mein Deutschlehrer es mir immer wieder dick rot anstrich und es auch Punktabzug gab. Sätze mit „Man“ vermiede ich, wobei das zugeben eher auf meinen Mathelehrer, den ich bis zur 10. Klasse hatte, zurückging. Er mochte den großen Unbekannten mit einem N nicht.

Gender-Mainstreaming so wie es mittlerweile in der Sprache angestrebt wird, geht mir eindeutig zu weit. Meine Schreibweise war damals eine persönliche, freiwillige Entscheidung. Niemand sollte dazu gezwungen werden. Vor allem: Zwang bewirkt keine Änderung in der eigenen Haltung an dieser Stelle. Eher das Gegenteil. Aber ich will ja nicht sachlich argumentieren, das wurde bereits erfolglos an anderer Stelle versucht. Also Klartext.

Liebe Macher von Stringintelligenz, habt ihr eigentlich einen an der Waffel? In Syrien (und an vielen Orten auf der Welt) werden Menschen abgeschlachtet und ihr macht euch Sorgen, ob sich eventuell jemand durch eine Formulierung nicht angesprochen fühlt? Das sind absolute Luxusproblemchen. Das ist intellektuelles Schaulaufen. Wer die Welt verbessern will, hat aktuell verdammt viele bessere Möglichkeiten. Engagiert euch in Flüchtlingsprojekten, tut was, um die Genitalverstümmelung von Frauen zu verhindern. Und lasst gefälligst die Finger von WordPress.

3 Replies to “Aluhüte für WordPress Benutzer”

  1. Wie unendlich schade, dass selbst hier nur eine oberflächliche Betrachtung stattfindet. Ich weiß gar nicht wo anfangen soll die ganzen Verständnisfehler aufzuführen. Das Team von Stringintelligenz befindet sich z.B. in keiner Machtposition, daher passt die Wortwahl mit dem „unterdrücken“ nicht wirklich. Die „gesellschaftliche Anschauung“, die das Plugin enthält ist Gleichberechtigung von Mann und Frau. Können wir uns selbst nicht mal auf diesen Nenner einigen? Wer sich nicht mit feministischen Ideen „beschmutzt“ sehen möchte, der muss das nicht befürchten. Der Gender-Star war eine Notlösung des Pluginteams und an einer besseren Lösung wird gemeinsam gearbeitet. Mitmachen erwünscht!
    https://wordpress.org/support/topic/rollenbezeichnungen/

    Ich verstehe nicht, warum du bei diesem Thema noch Öl ins Feuer gießen musst. „Geschwafel“, „Mist“, „an der Waffel“? Warum können wir nicht normal miteinander diskutieren ohne uns gleich beleidigen zu müssen. Caspar hat sich dieses Problem geschnappt und eine mögliche Lösung präsentiert, aber anstatt mitzuhelfen (Open-Source!) wird er angefeindet und beschimpft.

    Ohne Menschen, die versuchen das Projekt (in welcher Form auch immer) voranzubringen, gäbe es WP nicht. Woher der Hass? Wo ist Empathie geblieben?

    Sollte nicht jeder, der mithelfen möchte, prinzipiell höflich empfangen werden? Und wenn die Lösung nicht passt, sollte man dann nicht eher miteinander an einer Verbesserung arbeiten anstatt zu Beleidigen?

    (Disclaimer: Ich bin als General Translation Editor einer derjenigen, die am Ende eine Entscheidung über einen möglichen Merge treffen (müssen) und versuche aus den Reaktionen die Sachargumente herauszufiltern und die Diskussion zu versachlichen.)

    1. Wie schade Torsten, dass du dir nicht die Mühe gemacht hast, meine Text richtig zu lesen. Statt dessen triggern bei dir nur die Reizwörter, die genau aus diesem Grund von mir verwendet wurden. Um am Kommentar zu erkennen, wer sich wirklich mit dem auseinander gesetzt hat, was ich schrieb.

      „Wer sich nicht mit feministischen Ideen „beschmutzt“ sehen möchte, der muss das nicht befürchten.“ — du hast nicht verstanden oder verstehen wollen, aus welcher Ecke ich komme und das ich (erstaunlich für einen Mann) mich selber als Feministen bezeichnen würde.

      Und genau darin liegt das Problem bei der ganzen Stringintelligenz Diskussion (findest du hier auch im meinem Text bereits erwähnt). Die Befürworter wollen (oder können) einfach nicht zuhören und verschließen sich Sachargumenten (wie Beispielsweise von Angelika). Und aus diesem Grund habe ich die Keule herausgeholt.

      Es ist nicht Hass, das siehst du falsch. Sondern Wut, weil man nicht ernst genommen wird.

      „Sollte nicht jeder, der mithelfen möchte, prinzipiell höflich empfangen werden?“ — Ist es Hilfe oder eher Sabotage? Und was ist, wenn die Mehrheit die angebliche Verbesserung nicht als Verbesserung empfindet? Diese Fragen wurden nicht ernstgenommen.

      Der Disclaimer, lieber Torsten: Wäre besser, du hättest ihn weggelassen. So schreit er geradezu heraus: „nimm mich ernst, ich bin wichtig und sitze am längeren Hebel.“

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren