Wenn Preise zu heiß baden

Wenn Preise zu heiß baden

Früher, wenn man auf sein Umfeld wirkte als habe man nur Sauerkraut im Kopf, hieß es immer: „Du hast wohl zu heiß gebadet“. Eine höfliche Umschreibung für „man bist du blöd“ beziehungsweise „was für ein bescheuerter Einfall“.

Im Zeitalter der Warmduscher und Schattenparker hat sich der Spruch vermutlich mehr oder weniger überlebt. Wobei ich persönlich es noch ziemlich erstaunlich finde, wie viele Badezimmer in Kölner Wohnungen über eine Badewanne statt einer Dusche verfügen — und längst nicht nur Wohnungen aus dem Altbestand.

Mampu / Pixabay

Wie dem auch sei, auch wenn sich vieles geändert hat, die Anlässe für den Spruch sind nicht verschwunden. Man muss wohl eine neue Formulierung finden, wenn man zum Beispiel bei Facebook auf einen Text stößt, der einen früher genau zu jener Äußerung verleitet hätte.

In einer Brettspielgruppe wird ein Spiel, „Krosmaster Arena, die Frigost Erweiterung“ gebraucht für 30 € zuzüglich Versandkosten angeboten. Die Verkäuferin, die noch weitere Spiele gebracht anbietet, schreibt noch am Ende ihres Textes folgenden Satz:

Kommentare bei Interesse, bitte unnötige Kommentare oder Diskussion lassen

Nun denn, ich hab ja diesen Blog hier für einen sehr langen Kommentar.

Mal ganz ehrlich: Wer das Angebot im Internet auf Facebook lesen konnte, kann sich auch mit wenigen Mausklicks informieren, was „Frigost“ sonstig kostet. Zum Beispiel bei Thalia inklusive Versand 26,90 €.

Der Hinweis der Verkäuferin, dass Spiel sei lediglich ausgepackt und zusammengebaut worden, ist insbesondere bei Spielen wie Krosmaster wenig hilfreich. Dem Spiel liegt nämlich ein Code bei, mit der man die Figuren im Internet für die Onlineversion des Spiels freischalten kann.

Ein ausgepackt und lediglich einmal gespieltes „Pandemic Legacy“ wäre beispielsweise ziemlich sinnfrei zu verkaufen.

Ehrlich, ich kann wirklich verstehe, dass man für ein Spiel, dass man selber neu gekauft hat, möglich viel vom Kaufpreis wieder bekommen möchte, wenn man es verkauft. Allerdings sollte man sich vorher informieren, was das Spiel derzeit auf dem Markt kostet und wie hoch der tatsächliche Wiederverkaufswert des Spiels ist. Alles andere empfinde ich als dummdreist. Man hofft darauf, dass sich schon ein Dummer findet, der das Spiel zum überzogenen Preis kaufen wird. Der Kommentar der Verkäuferin weisst meines Erachtens auch darauf hin, dass sie sich ihrer überzogenen Preisvorstellungen durchaus bewusst ist.

Ja, es gibt einen Preisverfall bei gebrauchten Spielen. Der ist aber bei Brettspielen deutlich geringer als zum Beispiel bei Konsolenspielen. Als ich vor wenigen Monaten den größten Teil meiner Xbox 360 Spiele verkaufte, war mir mehrmals zum heulen zu mute — 80 bis 90 Prozent Wertverlust sind wirklich ziemlich hart.

Im Übrigen kann man mit etwas Glück bei Brettspielen auch einen ordentlichen Gewinn machen, selbst wenn man sie ordentlich gebracht verkauft. Immer dann, wenn sie zu Sammlerstücken geworden sind. So hätte ich gerne das „Memoir ’44: Air Pack“ — würde mich aber rund 200 € kosten, da die Erweiterung nicht mehr produziert wird und sehr begehrt wird. Ursprünglich wurde sie mal für rund 30 € verkauft.

Hätte ich nicht mein Exemplar von „Atlantis“ verloren, wäre das schon fast eine Kapitalanlage. Dabei kaufte ich mein Exemplar selber gebraucht für 10 DM auf einem Flohmarkt.

Fazit des Ganzen: bei Preisen einfach fair bleiben und vor allem die Diskussion weder scheuen noch abwürgen.

2 Replies to “Wenn Preise zu heiß baden”

  1. Ich liebe ja FB Posts mit „keine unnötigen Kommentare“^^ Natürlich ist es nur fair von den anderen Usern, auf den überzogenen Preis hinzuweisen. Als Admin würde ich da auch ein Wörtchen zu sagen.

    1. Eben, es wäre nur fair auf den überzogenen Preis hinzuweisen. Ist in anderen Fällen auch schon passiert, was dann zu längeren Diskussionen führte. Wollte die Verkäuferin wohl vermeiden…

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren