Arbeiten bis zum Umfallen

Arbeiten bis zum Umfallen

In vielen Bereich meines Lebens bin ich ein Freund von Planung. Zuletzt beim Besuch der Spielmessen in Essen fing ich vor Monaten mit einer Liste an, entwickelte ein Ranking für die Spiele und so weiter. Für meine Blogartikel gibt es eine Art Redaktionsplan, damit ich im Lauf einer Woche etwas weiss, worüber ich schreiben werde.

Ap­ro­pos schreiben. Bei den NaNoWriMo´s, an denen ich bisher teilgenommen habe, gelang mir der Zieleinlauf auch durch vorherige Planung. Selbst Freizeitaktivitäten werden bei mir im Kalender geplant.

Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass nicht alles in meinem Leben von mir geplant wird, obwohl ich es planen könnte. Viel häufiger als es auf den ersten Blick den Anschein hat, lasse ich mich treiben. Reden wir erst gar nicht über meine Berufswahl, es wäre ein trauriges Kapitel — und wurde hier im Blog auch schon öfter von mir thematisiert. Blicken wir lieber nach vorne.

schnurzipurz / Pixabay

Oder besser doch nicht. Denn vor uns, vor mir liegt nicht nur die Zukunft, sondern auch etwas, was man „Renteneintrittsalter“ bezeichnet. Klar ist das noch lange entfernt. So weit weg ist es, dass ich mir aktuell wie eine Eintagsfliege keine Gedanken darum mache. Obwohl ich es dringend sollte. Man wird nämlich nicht nur älter, sondern wird eines Tages nicht mehr arbeiten (können / dürfen). Und dann wird es bitter, sehr bitter.

Von dem, was ich in die Rentenkasse bis dahin eingezahlt habe, werde ich wahrscheinlich nicht oder nicht besonders gut leben können. Meinen Lebensstil halten? Erscheint mir eher unwahrscheinlich. Zumal wenn ich in Köln wohnen bleibe. Allein die Mietkosten hier werde die Rente auffressen.

Das das Rentensystem selber eine Art Pyramidenspiel ist, anders gesagt den letzten beißen die Hunde, dürfte hinlänglich bekannt sein. Es müssten immer mehr Menschen in Deutschland geboren werden und durch Arbeit in die Rentenkasse einzahlen, als alterstechnisch an der Spitze stehen. Die Prognosen dafür sehen alles andere als rosig aus. Abgesehen davon halte ich die Grundidee für ziemlich naiv. Jedes System sollte meiner Meinung nach so konstruiert sein, dass sein Weiterbesteht nicht einzig und allein durch unkontrollierbaren Wachstum garantiert ist. Oder deutlicher gesagt: das Rentensystem so wie wir es kennen basiert auf der Annahme, man würde sich wie die Karnickel vermehren so dass es immer mehr Arbeitnehmer als Rentner gibt. Leider wächst das Land, wächst die Erde, nicht mit.

Zurück aber von der Grundsatzdiskussion zum praktischen. Ich für meinen Teil bin der Meinung, man sollte jeden Flüchtling der ins Land kommt nicht fragen, wann er es wider verlässt, sondern ob er auf Dauer nicht doch lieber hier bleiben möchte und wann er anfangen kann zu arbeiten. Ist aber auch wieder ein anderes Thema, denn es löst mein Problem, meine Angst nicht in Luft auf.

Die konkrete Angst vor der Altersarmut. In der S-Bahn auf den Bahnhöfen sehe ich häufiger ältere Menschen, die in den Mülleimern nach Flaschen suchen. Menschen, die gekleidet sind wie du und ich — und die Flaschen bestimmt nicht aus Jux sammeln. Mir läuft jedes Mal ein kleiner Schauder über den Rücken. Werde ich im Alter auch Flaschen sammeln müssen? Gibt es dann überhaupt noch Pfandflaschen?

Klar könnte ich mir mehr Gedanken über meine Altersvorsorge machen. Bausparvertrag haben meine Frau und ich, auch eine Risikolebensversicherung. Auf weiteres haben wir jedoch verzichtet. Mit Produkten zur Altersvorsorge kenne ich mich nicht aus. Das Einzige, was ich weiss: die eigenen vier Wände sind nach wie vor eine verdammt gute Vorsorge.

Wenn ich weiterhin das Problem verdränge statt es anzugehen, bleiben mir im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Sozialvertägliches Frühableben oder arbeiten bis zum umfallen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren