Die Kuh als Arbeitnehmer

Die Kuh als Arbeitnehmer

Es lässt sich nicht leugnen, dass unser Haushalt ab und an im Bioladen einkauft. Nicht nur wegen meiner geliebten Paybackpunkte, sondern weil es dort Dinge des „alltäglichen Bedarfs“ gibt, die sonst nicht erhältlich sind. Zum Beispiel das von meiner Frau und mir innig geliebte „Samba“. Wer es nicht kennt: erkläre ich nicht, denn dann bleibt mehr für uns über.

Prima finde ich in Bioläden immer die ausliegenden Gratis-Zeitschriften wie zum Beispiel „schort & korn“. Weniger weniger der nur spärlich kaschierten Dauerwerbesendung sondern vor allem auf Grund der lustigen (Kontaktanzeigen-)Anzeigen. Ein Fundus für schlechte Zeiten, wenn einem originelle Figuren beim schreiben fehlen.

Pixel-Sepp / Pixabay

Aber mal ernsthaft. Ich kann nicht leugnen einen leichte Hang zu Bioprodukten zu haben. Auch die Thematik und Philosophie interessieren mich, ich stehe dem Thema sogar ziemlich nahe. Schließlich habe ich mich eine ganze Zeit lange vegetarisch ernährt und den größeren Teil meines Gehaltes als Zivildienstleistender in den lokalen Bioladen getragen.

Zurück zu den Zeitschriften. Die nehme ich deshalb mit, weil es für mich der Blick über den Tellerrand ist. Manche Themen bekomme ich nur so mit, bei anderen gibt noch mal einen andern Schwerpunkt oder Blickwinkel — beides regt zum darüber nachdenken an.

Am Samstag nahm ich mir das Demeter-Journal mit, es hatte eine provokante Frage auf der Titelseite:

Was verdient die Kuh?

Ganz automatisch musste ich sofort an die aktuellen Milchpreise denken und sah die Kuh als Arbeitnehmer vor mir. Was würde eine Kuh für die Milchprodukten tatsächlich vom Bauern bekommen? Das ist natürlich quatsch, denn so eine Kuh hat nicht mal eine elektronische Lohnsteuerkarte. Und die meisten arbeiten trotz ihres Fells nicht schwarz.

Im Heft selber hieß es dann, eine Kuh verdiene eine wesensgemäße Haltung, artgerechte Fütterung und Körperliche Unversehrtheit.

Unter wesensgemäße Haltung sei zu verstehen, dass sich Kühe in kleinen Herden mit viel Platz im Stall und Auslauf am wohlsten fühlen. Bei der letzten Wanderung durch die Eifel kamen wir an einem Betrieb vorbei, wo es ganz anders aussah. Trotz schönsten Wetters waren die Kühe im Stall eingesperrt, nach viel Auslauf sah es auch nicht unbedingt aus. Die Silage, die sie zu fressen bekamen, roch ziemlich ekelig. Draus wird dann mal später Milch. Kein besonders schöner Gedanke.

Eine artgerechte Fütterung ist das wohl kaum, denn die würde aus frischem Grünfutter und Heu besten, mitunter sogar etwas Getreide. Das alles ist aber teuer. Bei den momentanen Preisen für Milch wird sich jeder Bauer gut überlegen müssen, wie er am wirtschaftlichsten arbeitet. Wenn ein Liter Milch im Handel für uns Verbraucher für 50 Cent zu haben ist, kommen beim Bauern 15 bis maximal 20 Cent an. Dabei befindet sich der Milchpreis weiterhin im Sinkflug.

Eine Unart, nein bereits eine Form der Tierquälerei ist es, Kühe die Hörner zu entfernen. Bei glücklichen Bio-Kühen ist das nicht nötig, wohl aber, wenn man Massentierhaltung in engen Ställen betreibt.

Das eine Kuh etwas besseres verdienen würde, ist nachvollziehbar. Sie wird aber nie etwas besseres bekommen, wenn der Bau mit der Milch zu wenig verdient. Nur ein fairer Milchpreis hilft den Bauern und den Kühen. Und letztendlich haben wir als Kunden auch gute Milch verdient. Die aber gibt es eben nicht zum Fast-Nulltarif.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren