Die Magie von Twilight Imperium

Die Magie von Twilight Imperium

In der vergangenen Woche stellt nicht nur Apple neue Konsumartikel vor, sondern auch ein anderer Hersteller präsentierte eine Neuerung — möglicherweise etwas untergegangen in der lauten Tanzmusik um das goldene iPhone 7. Sony präsentierte eine verkleinerte Version seiner bisherigen Playstation 4, die neue Playstation 4 slim.

Ebenfalls in der letzten Woche stolperte ich über die Xbox one S, die um 40 Prozent kleiner und deutlich hübscher ist als die ursprüngliche Xbox one. Diese erinnert mich an klobige PC-Hardware.

Wie dem auch sei, es ist wie mit der dunklen Seite der Macht. Immer wenn ich etwas von den Spielekonsolen aufschnappen, ist das diese Versuchung, doch noch schwach zu werden. Glücklicherweise ist den Konsolen jedoch keine Erweiterung für den regulären 24-Stunden Tag beigepackt. Mittlerweile finde ich den Preis von rund 60 Euro pro Spiel auch für ziemlich übertrieben — meistens sind es ehedem nur grafisch verbesserte Neuauflagen von bereits bekannten Spielprinzipien (Fußball, Autorennen, 3D-Shooter…). Mir fehlt sowohl Gelegenheit als auch ehrlich gesagt der Reiz, wieder Zeit vor einer Konsole zu verbringen.

Bescheidener Anfang
Bescheidener Anfang

Ganz anders sieht es da mit Brettspielen aus, die eine immer stärker Anziehungskraft auf mich ausüben. Ihnen wohnt eine eigene Art der Magie inne. Mit richtig guten Brettspielen kann man dann schon einen Tag verbringen, so wie gestern.

Eingeladen waren wir zu einer Runde Twilight Imperium — wobei Runde hier arg untertrieben klingt. Mindestens acht Stunden, wenn zügig gespielt wird, sollte man schon über haben. Natürlich kann ich hier nur meine Sichtweise auf das Spiel wiedergegeben, die im Übrigen genau so ausgefallen wäre, wenn ich das Spiel nicht gewonnen hätte. Dazu aber später mehr.

Um sich auf so ein Abenteuer einzulassen, bedarf es netter Menschen als Mitspieler und guter Gastgeber — beides war vorhanden, so das einem angenehmen Nachmittag und Abend nichts im Weg stand. Meine Frau und ich hatten uns zudem durch den Konsum von eine Reihe von Tutorial-Videos (9 Teile a 10 Minuten) auf Twilight Imperium vorbereitet.

Bei dem Spiel handelt es sich um ein so genanntes 4x Spiel, also erkunden, expandieren, ausbeuten, auslöschen. Dazu noch eine Priese Diplomatie und Bestechung. Mehre Rassen (vertreten durch die Mitspieler) versuchen in die Fußstapfen einer untergegangenen Zivilisation zu treten, welche einst die Galaxies beherrschte. Man kennt so was. Meine Frau und ich mögen solche Spiele, ein Grund warum wir zum Beispiel Eclipse in unserer Sammlung haben. Wobei Eclipse sich deutlich schneller spielt.

Mein Eindruck war, dass sich trotz der Gesamtdauer keine Längen ergaben. Man spielt Twilight Imperium, ohne das sich große Phasen der Langweile ergeben. Trotz der Fülle an Aktionen die man eigentlich zur Verfügung hat (und was in den Regel abschreckend wirkte) schrumpft das in der Praxis auf eine überschaubare Auswahl.

Jede Rasse hat leicht unterschiedliche Startvorteile, aber prinzipiell die gleichen technischen Entwicklungsmöglichkeiten über Technologie-Karten. Gerade wenn man Twilight Imperium das erste Mal spielt, fragt man sich, ob diese ganzen Technologien wirklich so relevant sind. Viel entscheidenen ist offensichtlich, ob man offenliegende Ziele erfüllt und darüber Siegpunkte erhält.

Der Zufall beziehungsweise die Mitspieler entscheiden bereits am Anfang des Spiels, wie die eigene Startposition aussieht. Jeder Spieler erhält eine Reihe von Weltraumfelder, die nach einem bestimmten Muster ausgelegt werden. Hat Pech, legen einem die Mitspieler nur uninteressante Systeme oder leere Weltraumfelder vor die Nase. Andere wiederum sehen direkt vor ihrer Haustür das Resourcenparadies (so ging es mir). Hat man großes Pech, entscheidet der Aufbau mitunter, ob man den gesamten Rest der Spieldauer mehr oder weniger bereits abgehängt ist — zumindest war das mein Eindruck.

Natürlich hinterlässt das Spiel auch das in einigen Rezensionen zitiert epische Spielgefühl. Aber es lässt einen auch mit einer gewissen Portion Ratlosigkeit zurück. Gewinnen möchte ich eigentlich bei Spielen, weil ich eine erfolgreiche Strategie verfolgt habe. Möglicherweise eine, an der ich weiter feilen und sie verbessern kann im nächsten Spiel.

Gewonnen habe ich vornehmlich auf Grund von Glück. Glück mit den Planten vor meinem Heimatsystem. Aber auch Glück, dass sich die Spieler zu meiner linken und rechten ausnahmslos friedfertig verhalten haben. Gerade der Spieler rechts hätte mir jederzeit in die offene Flanken fallen können. Aber er hielt sich an das Friedensabkommen und wurde dadurch auch noch vorletzter in der Sechser-Runde.

Kaufen würde ich Twilight Imperium wohl eher nicht. Es gibt viel zu viele andere gute Spiel, die noch nicht im heimischen Regal sind und die zudem eine deutlich kompakter Spieldauer haben. Wobei ich ab und an epische Spiele mag — aber die kann man dann ja auch woanders spielen.

Hat sich der Sonntag gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Twilight Imperium macht Spaß, auch wenn es eher taktisch-chaotisch ist. Und es macht besonders Spaß in so einer tollen Runde wie gestern.

2 Replies to “Die Magie von Twilight Imperium”

  1. Schön, dass es dir gefallen hat. :) Das einzige Mal, wo ich gewonnen habe, war auch mehr Glück als Kunst. So richtig befriedigend war das nicht. Aber ich erinnere mich auch an Partien, wo ich sehr stolz auf den dritten Platz war, weil meine Strategie gut aufging und alle Spieler sehr hart „kämpfen“ mussten. Das waren aber tatsächlich alles Runden, wo wir mit Presets, also nahezu ähnlichen Startbedingungen spielten….vielleicht schaffen wir im Winter noch eine Runde :)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren