To Burka or not to Burka

To Burka or not to Burka

Lange vor dem Stockholmsyndrom sympathisierten die Unterdrückten mit ihren Unterdrückern. Es gab Sklaven, die mit ihrem Master gemeinsame Sache machten. Die gegen ihresgleichen kämpften, weil sie selber Sklaverei für richtig hielten. Menschen, denen es ganz „natürlich“ vorkam, unterdrückt zu werden. Ihre Freiheit bestand darin, unfrei zu sein.

Niemand würde heute auf die Idee kommen, deshalb die Sklaverei als kulturelle Erscheinung bestimmter Nationen zu bezeichnen, die man eben akzeptieren sollte. Auch eine Vergewaltigung bleibt eine Straftat, selbst wenn das Opfer behauptet, irgendwie selber daran Schuld gewesen zu sein. Oder den Täter in Schutz nimmt.

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Das erstmal vorab um meinen Standpunkt deutlich zu machen. Wichtig ist mir darüber hinaus, dass ich es persönlich (man möge mir die Wortwahl verzeihen) zum kotzen finde, wenn man ein Thema lediglich zu Wahlkampfzwecken benutzt, es also missbraucht. Ich für meinen Teil lasse mich nicht so schnell davon überzeugen, dass bei der CDU die Rechte von Frauen wirklich so hoch im Kurs sind. Auch die Innere Sicherheit wird als Thema nur vorgeschoben, um mit einer Stimmung Stimmen zu machen. Das in der Union diskutierte Burka-Verbot folgt einem billigen Kalkül. Mehr nicht. Leider.

Und leider springen viele, die sich linksliberal bezeichnen würden, auf den Zug auf und reagieren mit einem Reflex der Ablehnung. Abgelehnt wird aber nicht die Burka, sondern die Diskussion der CDU und jegliches Ansinnen, über die Verschleierung der Frauen sachlich zu diskutieren. Zumindest ist das mein Eindruck.

Obwohl ich mich selber auch dem linken Lager zurechnen würde, folge ich nicht immer blind der Masse, sondern erlaube mir eine eigene, mitunter abweichende Meinung. Ja, die Motive der Politiker aus CDU und CSU sind fragwürdig. Trotzdem ist es angebracht, grundsätzlich über die Verschleierung und Vollverschleierung zu diskutieren. An dieser Stelle kommt für mich die Einleitung dieses Artikels wieder ins Spiel. Burka, Nikab, Tschador (möglicherweise auch der Hidschab und das Kopftuch) — für mich ist das nicht lediglich Bestandteil einer Religion oder eine kulturelle Eigenheit. Es ist ein männliches Machtinstrument und entspringt der Ansicht, die Frau habe sich bedingungslos dem Mann unterzuordnen. Das sich Frauen finden lassen, die sich freiwillig verschleiern, macht die Sache nicht besser. Der Anteile derjenigen, die es nicht freiwillig macht, dürfte deutlich höher sein.

Es geht nicht darum, Ängste gegenüber muslimischen Mitbürgern zu erzeugen, sondern es geht um eine Grundüberzeugung. Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Für mich signalisiert die Burka und andere Spielarten das Gegenteil. Sie entspringen einer archaischen Tradition und haben in einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren