Ungekocht bleibt geistig arm

Ungekocht bleibt geistig arm

Bis Donnerstag wusste ich nicht, wer Lena Gerke ist. Laut Süddeutsche Zeitung irgend so ein deutsches Modell im Alter von 28 Jahren. Angesiedelt in einer Sphäre, die mir im Prinzip völlig gleichgültig ist.

Das Menschen als Beruf „Modell“ haben und damit Geld verdienen, mehr Geld als beispielsweise ein Altenpfleger oder eine Krankenschwester — es gehört zu den vielen Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Aber gut, darüber kann man sich aufregen, ohne jedoch wirklich etwas ändern zu können. Was im Grund auch für mein eigentliches Thema gilt. Wobei, hier entscheidet zum Glück jeder für sich selber, denn jeder von uns hat täglich die Wahl.

zoli2003 / Pixabay

Besagtes Modell äußerte sich laut SZ dahingehend, dass sie kochen für Zeitverschwendung hält:

Ich kann doch zehn verschiedene Dinge erledigen, wenn ich einfach nur Essen bestellt habe.
Quelle: SZ vom 14.06.2016

Versuchen wir erst gar nicht, dieses Zitat intellektuell zu fassen. Es würde uns ehedem aus den Händen gleiten.

Was das Kochen angeht, habe ich eine konträr andere Meinung. Für mich ist es alles andere als Zeitverschwendung. Meiner Meinung gehört Kochen zu den wichtigsten Dingen im Leben überhaupt. Wir essen, um zu überleben. Also wir gekocht, damit wir leben können. Letztendlich dreht sich ein großer Teil in unserem Leben um das Essen — oder sollte es zumindest.

Essen ist eine Frage des Bewusstseins. Man kann irgendwas in sich hineinstopfen, oder Freude, ohne Genuss und Wertschätzung. Letzter scheint Lena Gerke zu fehlen. Wer selber kocht, entwickelt ein ganz anderen Bezug zum Essen als derjenige, der nur das ist, was andere ihm servieren. Kochen bedeutet für mich immer auch, zusammenhänge zu verstehen. Es ist ein kreativer, ja sogar magischer Prozess. Gerade wenn die Zubereitung lange dauert, entstehen mitunter sehr spannenden Dinge.

Unsere Gesellschaft krank vermutlich auch dran, dass sich immer weniger Menschen mit dem Kochen auseinander setzen — obwohl so viele Kochbücher verkauft werden und Kochsendung gesehen werden wie nie zuvor. Wir haben angeblich keine Zeit und halten zehn verschiedene andere Dinge wichtiger als selber zu kochen. Auch eine Form von Armut.

Die Zeit zum kochen muss man sich nehmen und es ist jede Minute wert. Ich persönlich koche sehr gerne, es gibt mir zudem ein Gefühl der Unabhängigkeit. Wenn ich ein bestimmtes Gericht essen will, kann ich es mir selber zubereiten. So oft ich will. Gleichzeitig weiss ich es viel mehr zu schätzen, wenn andere Menschen kochen, insbesondere wenn sie es professionell tun.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren