All zu befindliches

All zu befindliches

Ein ideale Welt gibt es allenfalls in der Vorstellung. Und selbst die ist nie universell ideal, sondern lediglich das, was sich einer oder eine Minderheit unter einer perfekten Welt vorstellt. Das sei dann tatsächlich wirklich alle Menschen gefällt, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Wir müssen daher mit der auskommen, die vorhanden ist. Vielleicht gelingt es uns, sie an der einen oder anderen Stelle etwas zu verbessern. Möglicherweise haben wir sogar positiven Einfluss auf das Verhalten uns näher stehenden Menschen. Erzwingen lässt sich das jedoch nicht und wenn, ist die Veränderung entweder nicht von Dauer oder aber ist die ausgeübte Form der Gewalt genau das, was einer allgemein als ideal empfunden Welt widerspricht.

Tabeajaichhalt / Pixabay

Daraus ergibt sich, dass Menschen immer Menschen sind. Behaftet mit all ihren Fehlern, ihren Ticks und Macken und vielen Dingen, die sie im großen und Ganzen eigentlich liebenswert machen (Ausnahmen inklusive). Man kann an sich arbeiten, an seinen Einstellungen, vielleicht gelingt es einem sogar, anderen ein Vorbild zu sein. Andere zu erziehen ist eine Lebensaufgabe, die im zunehmenden Alter der zu erziehenden Personen schwieriger wird. Eine These, die Eltern mit Sicherheit bestätigen können.

Eine Portion Gelassenheit ist in den meisten Fällen nicht verkehrt. Insbesondere dann, wenn man mit Menschen zusammen auf einem Raum lebt, von denen man glaubt zu wissen wie sie ticken. Dann treffen Erwartungshaltungen und Befindlichkeiten aufeinander. Sehr schön zu beobachten im Mikrokosmos Autofreie Siedlung. Man könnte hier annehmen, es gäbe so was wie ein gemeinsames Interesse, ein Grundkonsens. Wer autofrei wohnt, tut dies aus Überzeugung. Genau das ist dann schon eine Erwartungshaltung. Zutreffen wäre es wohl nur in einer idealen Welt oder in einer, bei der knallharte Sanktionen bei Verstößen verhängt werden.

Eigene Erfahrung mit den Nachbarn habe ich bereits zu Genüge gesammelt und versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten, mehr Gelassenheit an den Tag zu legen. Wenn man so will, ein Stück weit an den eigenen Befindlichkeiten zu arbeiten. Andere Nachbarn gehen den entgegengesetzten Weg. Sie sie in jedem und allem eine Bedrohung, glauben das überall ein persönlicher Angriff gegen sie dahinter steckt. Man erreicht sie weder mit Argumenten, noch mit Humor, Ironie oder Sarkasmus.

Brücken bauen ist wichtig, Brücken als solche zu erkennen ebenso. Was ich in den letzten Wochen aus meinem Umfeld mitbekommen habe, hat mich etwa verwundert zurückgelassen. Nein, ich bin nicht entsetzt oder verärgert. Es ist einfach nur merkwürdig, dass manchen Menschen offensichtlich nicht zur Selbstreflektion in der Lage sind. Oft würde etwas Abstand gut tun. Einen Tag warten, bis man antwortet, schreibt oder sonst wie reagiert. Oder man versucht sich mal in den Standpunkt des Gegenübers zu versetzen. Könnte nämlich sein, dass es einen Grund für sein Verhalten gibt. Möglicherweise sogar einen Grund, den man selber zu verantworten hat. Durch die Art der eigenen Kommunikation, durch die eigene, nicht kommunizierte Erwartungshaltung.

In einer irgendwie ideale Welt stünde uns so einiges auf der Stirn geschrieben. Im Hier und Jetzt muss darüber reden, denn nach wie vor gilt: Nur sprechenden (Besserung universeller: kommunizierenden) Menschen kann geholfen werden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren