Wer räumt nach mir

Wer räumt nach mir

Vergangene Woche habe ich einen Stapel DVD´s in einen Karton gepackt und zu reBuy geschickt. Aus den Augen, aus dem Sinn — nicht ganz, denn Geld würde ich dafür schon gerne bekommen. Es wird aller Voraussicht nicht besonders viel sein, aber immerhin war es die bessere Entscheidung.

Die bessere Entscheidung im Verhältnis zu was? Eigentlich gibt es nur vier weitere Optionen. Die DVD´s standen bisher im Wohnzimmer, was sie auch weiterhin hätten tun können. Nur haben wir keinen DVD-Player mehr. Wozu auch, denn wir schauen Filme über Netflix, haben etwas über den Media Receiver aufgenommen oder aber leihen uns was am Apple TV.

contagiousbasti / Pixabay

Ursprünglich gekauft haben wir die DVD´s nur deshalb, weil es ein solches Angebot zum Zeitpunkt des Erwerbs nicht gab. Wir hätten nur in eine Videothek gehen können zum liegen. Diese gehörten aber schon immer zu den Orten, die ich so gut es geht meiden wollte. Eine DVD ist auch nicht etwas, was meine Frau oder ich sammeln — so wie mein Bruder. In der Regel sehen wir den Film nur ein einziges Mal. Zudem sind DVD´s (auch wenn das jetzt etwa leitet klingt) im Regal ausgestellt kein Nachweis eines Bildungsbürgertums, anders als etwas Bücher. Da wir den Platz im Wohnzimmer eben auch mit einem Bücherregal füllen wollen, waren die (und sind, denn der Trennungsprozess wird noch etwas länger dauern) DVD´s im Weg.

Option eins, stehen lassen, kam aus den genannten Gründen nicht in Frage. Bei eBay verkaufen ist etwas, was in den meisten Fällen mehr Ärger bringt und Nerven kostet — jedenfalls habe ich als Verkäufer in der Vergangenheit häufiger solche Erfahrungen gemacht. Option drei wäre das Wegwerfen gewesen. Schnell, schmerzlos aber auch irgendwie ziemlich sinnfrei. Bleibe als letzte der Möglichkeiten noch die Einlagerung im Keller. Was eigentlich nichts anderes ist als Option Nummer drei auf Raten.

Bis auf die Weihnachtsdekoration und die Sachen für den Balkon sind gefühlte 90 Prozent der Dinge, die in unserem Keller lagern eigentlich überflüssig geworden. Wir brauchen sie genau so wenig wie wir sie auch jemals wieder in die Hand nehmen würden. Einen rationalen Grund sie zu behalten gibt es nicht, eher einen emotionalen. Es gibt auch im Unterschied zu früher keinen wirklich wertvollen Trödel der in unserem Keller entdeckt werden möchte. Es sind kurzlebige Artikel und Sachen, die in so hoher Stückzahl produziert wurden, dass sie auch in absehbarer Zeit keinen Sammlerwert haben werden.

Der Kram im Keller nimmt daher nur Platz weg. Und je mehr man einlagert, umso mehr Platz benötigt man — Platz, der aber nicht beliebig (kostenlos) erweiterbar ist. Im Grunde vertagt man also das Problem nur auf die nächste Generation, die es aber im Fall meiner Frau und mir nicht geben wird. Also wird irgendwann vor der Wohnung (oder dem Haus) eine Mulde stehen und ein Entsorgungsunternehmen wird den ganzen Krempel aus dem Keller darein werfen. Die Vorstellung gefällt mir persönlich noch weniger als wenn ich etwas selber wegwerfen würde.

Betrachte ich also meine Optionen, dann ist die Wahl die Dinge zu verkaufen nicht die schlechteste. Und ja, ich würde sogar einen Teil der DVD’s verschenken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren