Ursuppe

Ursuppe

Seit etwa 26 Jahren sammele ich Brettspiele. Es gab Phasen, in denen nicht Jahr für Jahr neue Spiele hinzukamen, sondern der Fokus auf ein oder zwei Spiele lag, die mit Erweiterungen ausgestattet wurden. Magic the Gathering spielten meine Frau und ich aus zwei Gründen. Es war ein aus unserer Sicht hervorragendes Spiel für zwei Personen (welches sich auch gut nach Kenia mitnehmen ließ). Es war auch ein Spiel, welches vom Mechanismus her etwas völlig neues bot.

Gerade das ist in meiner Sammlung der springende Punkt. Ich will weniger mehr des Gleichen, sondern Spiele, die mich überraschen. Die anders sind als das, was ich bereits besitze — das impliziert einen leichten Widerspruch, wenn man lange Zeit nur Magic-Karten gekauft hat.

Eine größere Sammlung hat nicht nur den Vorteil, für Spieleabende (die gehören als fester Bestandteil zum Hobby dazu) eine Auswahl zu haben, sondern ermöglicht auch einen Einblick in die Entwicklung.

In der Ursuppe
In der Ursuppe

Das Faszinierende bei Brett- und Kartenspielen hinsichtlich ihrer Entwicklung ist, dass sie im Prinzip fast unabhängig von technischen Innovationen sind. Papierherstellung und Druckerpresse sind als Voraussetzung zur Herstellung eines Spieles ganz gut, aber ansonsten ließen sich viele meiner Spiele auch mit den Möglichkeiten aus vergangenen Jahrhunderten herstellen. Sie sind so gesehen zeitlos.

Gleichzeitig stammen bestimmte Spiele aus meiner Sammlung aus einer ganzen bestimmten Zeit, die Auswirkung auf den Spielmechanismus hat. So gibt es glückslastige Spiele, die genau so ihre Zeit hatten wie Deckbauspiele oder kooperative Spiele (derzeit wieder besonders angesagt).

Generell meine ich eine kontinuierliche Weiterentwicklung als Tendenz zu erkennen. Regeln werden klarer und eindeutiger und lassen im Idealfall wenig Raum für Interpretationen. Glücksfaktoren werden so ins Spiel eingebaut, dass sie nicht negativ dominieren. Die Spielzeit ist angepasst an Komplexität und Interaktion, was in den meisten Fällen Spiele verhindert, die lange dauern und an deren Ende irgendein Mitspieler zufällig gewonnen hat. Im Idealfall gibt es noch genügend Möglichkeiten, selber den Sieg zu erringen, so das Spiele spannend bleiben.

Manche Spiele aus meiner Sammlung kann man mittlerweile nicht mehr guten Gewissens auf den Tisch bringen. Sie funktionieren nicht mehr. Weil sie zu stark frustrieren, weil sie ungerecht sind oder aber weil der Sieger schon nach wenigen Zügen feststeht, das Spiel selber aber noch Stunden dauert.

Von Risiko gibt es zahlreiche Neuauflagen. Spielen würde ich das nur als Revival — in dessen Rahmen jeder Mitspieler genau weiss, auf was er sich da einlässt. Monopoly fasse ich gar nicht mehr an. Und ein Spiel, was sich früher gerne mochte „Targui“ hatte vor gut anderthalb Jahren zu einem furchtbar schlechten Spieleabend und -erlebnis geführt.

Richtig gefreut hat es mich gestern Abend, wie gut „Ursuppe“ noch funktioniert. Das Spiel ist mittlerweile 19 Jahre alt und wirkt immer noch ansprechend frisch. Das Spielmaterial mit den vielen Holzteilen ist optisch ansprechend, die Zeichnungen von Doris Matthäus sind charmant. Viel wichtiger noch: das Spiel lässt sich immer noch verdammt gut spielen! Amöben in der Ursuppe, die fressen wollen, sich vermehren und denen Gene zu einem Evolutionsvorteil verhelfen.

Es ist kurzweilig und spaßig, sorgt auch für Momente der Schadenfreude am Spieltisch, wenn fremde Amöben sterben und mit ihren Überresten für einen Nahrungsüberfluss sorgen, von dem andere Amöben profitieren können.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren