Panini EM

Panini EM

Nein, ich habe keinen Plan. Auch keinen Spielplan. Ehrlich gesagt interessiere ich mich nicht für Fußball. Das war immer schon so gewesen und ändert sich auch nicht Phasenweise im Rahmen einer Europa- oder Weltmeisterschaft.

Trotzdem ist es mir nicht entgangen, dass an diesem Freitag in Frankreich die Europameisterschaft startet. So was kann auch ich beim besten Willen nicht überlesen. Europameisterschaft im Herrenfußball (muss man ja dazu sagen, da nur das Ereignis anscheinend so viel Publikum anzieht) ist seit einiger Zeit auch immer mit „Public Viewing“ verbunden. Vier Wochen, in denen man als Nichtinteressierter nicht dafür sicher ist, mit Fußballübertragungen in Kontakt zu kommen.

jarmoluk / Pixabay

Es reicht längst nicht aus, wenn in der Nachbarschaft die Fernseher laufen, nein man trifft sich an öffentlichen Plätzen und Locations zum sogenannten Rudelgucken. Gerne auch in Verbindung mit Grillen und Bier trinken. Kann ich auch so, dafür brauch ich kein Fußball.

Für mich sind die vier Wochen, welche die EM dauern wird, so was wie die sechste Jahreszeit in Köln. Dabei mag ich die fünfte schon nicht. Aber gut, vier Wochen sind absehbar und wenn die deutsche Mannschaft vorzeitig ausscheidet, wird es auch wieder etwas ruhiger. Nebenbei gesagt ist die deutsche Mannschaft die deutsche Mannschaft, egal welche krude Vorstellungen da in der AfD kursieren. Möglicherweise haben Leute wie Herr Gauland (wollte den früher niemand beim Schulsport in der Mannschaft haben?) zu oft einen Ball vor den Kopf bekommen. Würde einiges erklären.

Weg von der Politik zurück zum Fußball. Ich muß solche Ereignisse wie die EM nicht mögen, um anderen trotzdem ihren Spaß zu gönnen. Solange man mich einigermaßen in Ruhe lässt und nicht nötigt, alkoholfreies Bier zu trinken, ist alles in Ordnung.

Weniger in Ordnung finde ich die Hysterie um die Fußballsammelbilder. Nein, nicht den Enthusiasmus der Kinder (und manchmal auch Erwachsenen, die sammeln), sondern die Diskussion darüber, ob man das Tauschen an Schulen verbieten sollte. Im Artikel „Transferphase beendet“ in der Süddeutsche Zeitung ging es um die Bilder von Panini. Es soll Schulen geben, welche die Alben, die trotz des verhängten Verbotes mitgebracht werden, konfiszieren. Zurück gibt es die erst nach Schulschluss. Aus pädagogischer Sicht halte ich das für absoluten Unfug. Die liberale Haltung eines Schulleiters in der Nähe von Hannover ist mir sympathisch. Tauschen erlaubt, außer im Unterricht. So war das früher bei uns. Nur das ich nicht Fußballbilder sondern Star Wars Bilder (vom gleichen Hersteller) gesammelt und getauscht habe. Fußballbilder habe ich nur ein einziges Mal bewusst gesammelt, das war zur Fußball WM 1982 in Spanien. Um an die Bilder zu kommen, musste man Haufenweise Hanuta und Duplo essen. Fanden wir als Kinder ziemlich furchtbar.

Sammelbilder zur diesjährigen Fußball-EM gibt es auch bei REWE zu jedem Einkauf dazu. Als Fußballmuffel nimmt man die an der Kasse trotzdem entgegen und verschenkt sie. Vor den meisten Supermärkten stehen außerhalb der Schulzeit Kinder, die sich darüber freuen.

Das Sammeln, Tauschen, Organisieren halte ich für ein gutes Training. Deswegen sollten Lehrer nicht mit Verboten reagieren, sondern aufkommende Probleme (Streit um den Wert von Bildern, Tauschkurse etc.) anders lösen. So was kann man, wenn man will.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren