Jute statt Plastik

Jute statt Plastik

Gut 38 Jahre ist es her, da hieß es zum ersten Mal in Deutschland „Jute statt Plastik“. Statt Plastiktüten wurde die Verwendung von ökologisch korrekten Jute-Beuteln propagiert. Diese breitete sich über die christlich angehauchten Eine-Welt-Läden aus und waren natürlich fair gehandelt und frei von Kinderarbeit.

Schöne bunte Werbung ließ sich nicht darauf drucken. Zudem machten sie sich als Lifestyle Accessoire äußerst schlecht. Viel mehr warne Jute-Beutel ein politisches Statement. Die Bereitschaft, das Jute-Ding mit sich herumzuschleppen ließ allerdings schnell nach, wenn der Beutel nass wurde. Trotz insgesamt erhebliche besserer Umweltbilanz setzte sich der Jute-Beutel nicht durch. Was folgte, waren weitere Versuche, die Bevölkerung und Kunden zu erziehen. Wer einkauft, sollte Geld für die Plastiktüte zahlen. Bei einem Preis von 10 Cent blieb die erhoffte Wirkung aus, zumal der nicht bei jedem Händler entrichtet werden mussten.

Susbany / Pixabay

Seit April 2016 kosten Plastiktüten an den Supermarktkassen mindestens 20 Cent, so der Wille des Bundesumweltministeriums. Ausgenommen davon sind zum Beispiel die Tüten, auf die man als Kunde in der Obst- und Gemüseabteilung selber Zugriff hat um das Frischgut darin zu verstauen. Einem Delphin, der im Meer an einer Plastiktüte oder Teilen davon erstickt, dürfte es allerdings herzlich egal sein, welchen Zweck der Beutel vormals diente.

In einigen Drogerie-Märkten kann man bereits seit längerem statt einer Plastiktüte Baumwollbeutel kaufen (die sich im Gegensatz zum Jute-Beutel prima waschen lassen). Es gibt zudem Mehrwegtaschen aus Kunstfasern so wie Papiertüten — deren Umweltbilanz ist zwar auch nicht besonders überragend, aber an ihr ersticken keine Fische.

Glaubt man Umfragen wie zum Beispiel der von myMarktforschung.de, dann sprechen sich rund 79 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Zwangsabgabe aus, selbst wenn diese 22 Cent betragen würde. Ehrlich gesagt, sind mir die 22 Cent noch zu wenig. Dafür kenne ich einfach mein eigens verhalten zu gut. Wenn ich für 100 Euro einkaufe, sind 22 Cent auch kein Betrag mehr. Wobei ich dann immer denke: „Mensch, da kaufe ich schon so viel ein und muss auch noch die Transportmöglichkeit zahlen.“

Im Supermarkt haben meine Frau und ich immer die Rucksäcke dabei, andernfalls bereichern wir unsere sehr große Sammlung von Baumwolltaschen erneut.

Im Prinzip müssten die Plastiktüten komplett verbannt werden, kein Händler sollte sie mehr anbieten oder verkaufen. Daher finde ich es auf jeden Fall einen Schritt in die richtige Richtung, wenn REWE vom heutigen Tag an auf den Verkauf von Plastiktüten vollständig verzichtet. Leider trifft das nicht auf die Tüten aus den Obst- und Gemüseabteilung zu. Hier kann man jedoch als Kunde selber ein Zeichen setzen, denn viele Produkte sind von Natur aus schon verpackt. Bananen müssen also nicht in die Tüte.

Was die Vermeidung von Plastikmüll angeht, steht man damit aber erst am Anfang. Mich hat es vor zwei Wochen erschreckt, als wir für zwei Personen Sushi kauften. Frisch gemacht vor Ort im REWE in Nippes, aber verpackt in vielen Plastikschälchen. Der Müllberg nach dem Essen — schäm. Hier fände ich es gut, wenn man Tupperdosen selber zum nachfüllen mitbringen könnte. Dem entgegen stehen dann wohl aber leider eine Armada von Hygienevorschriften.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren