Tod bei Rente

Tod bei Rente

Das beste Geschäft für die Rentenversicherung wäre das mit dem Ausscheiden aus der Berufstätigkeit verbundene Ableben des Versicherten. Wer tot ist, braucht keinen Rentenbezüge mehr. Wer sich dagegen eines langen Lebens erfreut, wird umgekehrt zur Belastung. So überspitzt bekommt man die Wahrheit selten zu hören. Und eigentlich steckt auch etwas mehr dahinter als nur ein schnödes Geschäftsmodell.

In einer idealen Gesellschaft erhält der Versicherte nach dem Ende seiner Erwerbstätigkeit ein (angespartes) Auskommen, welches ihm ein würdevolles Leben im Alter ermöglicht. Was ganz real wirklich „würdevoll“ ist, hängt von der Definition innerhalb der Gesellschaft und davon ab, wie viel vorher in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Wer hart gearbeitet aber wenig verdient hat, muss später aufstocken um über die Runden zu kommen. Zum Beispiel durch Flaschen sammeln in Zügen. Wer im offenen Augen unterwegs ist, kann ganz konkret erleben, was Altersarmut bedeutet. Und was sie aus den Menschen macht.

truk / Pixabay

Geht es nach einer jüngst veröffentlichten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), soll das Renteneintrittsalter sukzessive auf 73 Jahre ansteigen. Damit würde das „Niveau in der gesetzlichen Rentenversicherung stabil und der Beitragssatz dabei konstant bleiben“. Bezogen auf meinen Patenonkel, den wir am vergangene Montag beerdigten hieße es, er wäre dann vier Jahre vor erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters verstorben. Das ist alles andere als ein Einzelfall, wie ich meine.

Statistisch gesehen werde die Menschen in Deutschland immer älter. Das sagt aber erstmal nicht viel aus, denn gleichzeitig beginnt die Berufstätigkeit früher. Nicht nur durch die Verkürzung der Schulzeit für Abiturienten um ein Jahr, sondern auch durch den Wegfall von Wehr- und Zivildienst. Parallel dazu müsste man betrachten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, jenseits der 50 Jahre eingestellt zu werden. Wer mit über 50 seinen Job verliert, aus welchen Gründen auch immer, hat es verdammt schwer. Offensichtlich will die Wirtschaft nämlich keine alten Säcke. Genau so wenig wie Frauen, die nach einer (oder zwei) Schwangerschaft (en) wieder zurück ins Erwerbsleben wollen.

Private Vorsorge zahlt sich aus, heisst es. Auch hier sieht die Wirklichkeit anders aus. Erstmal muss man so viel verdienen, dass man in der Lage ist, Rücklagen schaffen zu können. Und dann muss man auch noch richtig anlegen. Bei Zinsen um die Null Prozent derzeit eine verdammt schwere Sache. Stichwort „Rentenlücke“. Es gibt diese Lücke, es ist aber eine Gerechtigkeitslücke.

Alternativ zu Erhöhung des Renteneintrittsalters müsste eine Rentenkasse für alle geschaffen werden. Dort zahlt wirklich jeder ein, es gibt auch Höchstgrenze. Wer Millionen hat, zahlt eben entsprechend ein. Auch müsste nicht nur für Erwerbsarbeit eingezahlt werden, sondern auch für jede Form von Kapitalgeschäften und Erbschaften. Eine gerechte Rente ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren