Milchpreise im Sinkflug

Milchpreise im Sinkflug

Bei einem Preis von weniger als 20 Cent pro Liter für den Erzeuger (eigentlich den Halter der Erzeugerin) bedarf es eigentlich keinen langen Artikel, um selber zur Erkenntnis zu gelangen. Zu Erkenntnis, dass sich so was auf keinen Fall lohnt.

Mich hat der Artikel „…und raus bist du!“ in der Süddeutsche Zeitung vom vergangenen Samstag nur noch leicht überrascht. Ein Bauer in Bayern, der die Milchwirtschaft aufgibt, auch gegen den Widerstand seines Vaters. Trotz eine fast 270 Jahre alten Tradition wird der „Junior“ den Bauernhof in der bisherigen Form nicht mehr weiterführen.

Peggy_Marco / Pixabay

Wenn man selber für seinen Tätigkeit auf dem eigenen Hof weniger als den gesetzlichen Mindestlohn verdient, ist das bitter. Das man ohne teure Inventionen keine Chance mehr hat, ebenfalls. Besonders dann, wenn es Inventionen sind, die ein tief verschulden — bei weiter fallenden Milchpreisen.

Als Bauer gibt es schon seit langer Zeit nur vier Wege, die man einschlagen kann. Man schmeißt das Handtuch, strickt seinen Hof auf Bio um, wird Großbauer mit immer mehr Vieh (unter fragwürdigen Haltung) oder aber bleibt wie man ist. Belässt man es so wie früher, ist die Landwirtschaft nur ein Nebenerwerb. Um Überleben zu können, muss man noch woanders einen Arbeitsplatz haben. Genau das ist auch nicht neu. Bewusst wurde mir das noch mal am vergangene Montag, auf der Beerdigung meines Onkels. In der Familie gibt es auch einen Bauern, der mir von seiner Arbeit erzählte. Schon von klein auf kenne ich ihn nur als Bauer, der zusätzlich noch arbeiten gehen musste, bis zu seiner Rente. dabei war der Hof nicht klein, ähnlich wie der von Karlheinz Lierheimer im Artikel der SZ.

Mich macht die Entwicklung nachdenklich. Ebenso wie die Aussage, dass eine Umstellung auf einen ökologischen Betrieb auch nicht die Lösung auf Dauer sein kann. Wieso, habe ich mich zuerst gefragt. Gerade wo doch immer mehr Menschen in Deutschland bewusster einkaufen, muss es sich doch lohnen. In Bezug auf die Milch würde man sicher auch besser damit fahren, Bio-Milch zu produzieren.

Die Antwort, die ich für mich selber gefunden habe, gefällt mir nicht. Aber sie dürfte wohl der Wahrheit nahe kommen. Je mehr Bauern ihren Betrieb umstellen, desto größer ist die Konkurrenz untereinander. Ein größeres Angebot kann nur dann gleichbleibende Preise mit sich bringen, wenn die Nachfrage steigt. Mehr Bio-Höfe und größere Nachfrage also. Hört sich doch gut an. Wäre aus auch vorübergehend. Bis die Gesellschaft dann genau an den Punkt landet, an dem die konventionelle Landwirtschaft schon sehr lange steht.

Steigt die Nachfrage, steigt der Preis. Die Umstellung wird attraktiv, auch für jene Landwirte, die bisher noch zögerten. Schließlich kann die Nachfrage nach Bio-Milch nicht mehr gedeckt werden, man fängt also an, größere Betriebseinheiten zu bauen um mehr produzieren zu können — und mehr Gewinn zu machen. Wohin die Entwicklung zu immer größeren Betrieben in der konventionellen Landwirtschaft geführt hat, wissen wir. Es bedarf nur eines Stichwortes – Massentierhaltung – um all die unschönen Bilder in unserem Kopf aufzurufen.

An dieser Stelle muss man alle Bauern in Schutz nehmen. Denn es gibt einen Umstand, der zu wahr ist als das man ihn übersehen kann. Bei einer steigenden Bevölkerungszahl können die Menschen nicht mit einer Landwirtschaft wie vor über einhundert Jahren ernährt werden. Die Landwirtschaft muss also durch die Bevölkerungsentwicklung immer effektiver werden und mehr produzieren. Das gilt im Übrigen für jeden Bereich, der Nahrungsmittel auf die eine oder andere Art produziert.

Liest man sich die letzten Sätze noch mal durch, liegt es schon auf der Hand. Im einem begrenzten System (wie die Erde) ist eine sich ständig vergrößernde Population schädlich. „Seit fruchtbar und mehret euch.“ gehört für mich zu den dümmsten Sätzen in der Bibel. So was kann auf Dauer nicht funktionieren. Im Bioladen einkaufen und drei Kinder in die Welt setzen — hier in Köln-Nippes nichts ungewöhnliches. Darüber nachdenken sollte man trotzdem mal. Zu viel — das ist der Grund für den sinkenden Milchpreis. Nicht nur zu viel Milch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren