Der Fluch von Linn

Der Fluch von Linn

Wieder eine Strecke mehr auf der Liste, welche die Überschrift „Erledigt“ trägt. Der zweite Teil des Jakobsweges von Köln nach Nijmegen. Um kurz nach zehn sind wir von Neuss aus gestartet und waren um 17 Uhr am Bahnhof Krefeld-Uerdingen.

Das macht unterm Strich 30,1 Kilometer und diesmal 254 Fotos. Mir fällt dabei direkt auf, das ich mehr Fotos mache, wenn die Strecke eine Mischung aus Stadt, Land und Dörfern aufweist statt einfach nur durch den Wald zu führen. Zudem habe ich eine gewisse Neigung, mir bekannte Landschaften wie den Niederrhein offensichtlich häufiger abzulichten. Immerhin, diesmal war ich nicht mehr ganz so aufgeregt wenn wir auf Kopfweiden stießen.

Ein Stück Burg Linn

Die Strecke selber führt in weiten Teilen von einem Naturschutzgebiet durch das nächste. Landschaft und Vegetation sind abwechslungsreich, besonders wenn die Wolken etwas tiefer hängen. Und heute hingen sie besonders tief. Ein paar Tropfen erwischten uns, wobei wir aber nicht nass wurden. Wettervorhersagen bei wandern sind wichtig, man sollte sich aber nicht von ihnen entmutigen lassen. Seit Anfang der Woche fieberte ich diesem Wochenende entgegen und mit jedem Tag wurde es deutlicher, wann wir denn über Pfingsten wandern würden.

Gestern Abend gab es dann noch so einen kritischen Moment. Die Vorhersagen verschlechterten sich, so dass ich unsicher war, welche Strecke wir uns vornehmen sollten. Die dritte Etappe vom Ahr-Venn-Weg sollte es eigentlich sein, aber bei unsicherer Wetterlage gibt bei uns die Dauer der Anfahrt den Ausschlag. Zudem sah die Prognose Richtung Neuss besser aus als über dem Gebiet der Eifel.

Als uns noch am Anfang der Tour ein leichter Schauer in Neuss erwischte, stellte wir uns unter und entdeckten dabei ein paar wirklich gut gemachte Graffitis. Bei Sonnenschein wären wir mit Sicherheit daran vorbei gelaufen.

Kurz vor Krefeld hörten wir Stimmen. Nein, nicht der Herr sprach zu uns, sondern der Ansager auf einer Großveranstaltung. Wir kamen näher, sahen einen Burgturm und dann das ganze Schlamassel. Ein Flachsmarkt und Ritterspiele. So was würde mich nicht weiter stören. Allerdings war der Wanderweg entlang der Burg abgesperrt. Wir reden hier von öffentlichem Grund und Boden. Um dem eigentlichen Streckenverlauf folgen zu können, hätten wir pro Nase 8 Euro Eintritt auf das „Gelände“ zahlen müssen. Der kleine Umweg war deutlich günstiger. Mich ärgert so was.  Nicht weil ich geizig bin, sondern weil öffentlicher Raum privatisiert und kommerzialisiert wurde.

Bei der Umrundung wurde dann klar, um welche Burg es sich handelte. Burg Linn bei Krefeld. Das ist das überhaupt vergessen konnte, denn besagte Burg war zu Schulzeit Ziel mehrere Klassenausflüge gewesen. Ziemlich gut kann ich mich auch noch an den letzten Besuch erinnern, als ich zusammen mit ein paar Mitschülern und der Klassenlehrerin bei einem nahe gelegenen Restaurant draußen saßen. Vermutlich eine Taube hinterließ ihre Ausscheidungen genau auf dem Mantel der Lehrerin.

Nicht direkt ein Fluch von einem Gespenst der nahen Burg, trotzdem unschön. Jahre zuvor war so was wie ein Restaurantbesuch noch außerhalb meines Horizonts. Dafür nahm ich dann von der Klassenfahrt einen Bastelbogen der Burg mit. Beim nächsten Besuch in Krefeld sollte ich mal überprüfen, ob es die immer noch gibt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren