Der Imam

Der Imam

Ob es einen richtigen Zeitpunkt gibt, ein bestimmtes Buch zu lesen wäre ein treffliches Thema für einen Streit. Meiner Meinung nach gibt es Bücher, die einen bestimmten Zeitgeist treffen, die aktuell sind. Die wahren Kunst eines Autors besteht dann darin, ein Buch zu schreiben, was dann auch noch den Anspruch erfüllt, zeitlos zu sein.

aditya_wicak / Pixabay

Ein aktuelles Thema verpackt in eine Geschichte, die auch noch in ein paar Jahren spannend sein wird. Das ist Randy Singer
mit seinem Gerichtsthriller „Der Imam“ gelungen. Vielleicht sollte ich vorweg erwähnen, dass mir persönlich Gerichtsthriller (oder auch Anwaltsromane) eher weniger liegen. Angezogen hat mit der Titel des Buches und der Klappentext:

Ehrenmorde erschüttern die Stadt Norfolk: Junge Muslime, die zum Christentum übergetreten sind, werden grausam umgebracht. Schnell gerät der Imam einer großen Moschee unter Verdacht. Er selbst beteuert seine Unschuld, und der junge Anwalt Alexander Madison tritt an, um ihn zu verteidigen. Die Indizien hingegen sind erdrückend. Madison und sein Team machen sich auf die Suche nach dem Mörder und decken dabei Unglaubliches auf.
Quelle: SMC Hänssler

Hinzu kommt ein Schreibstiel, der auch in der deutschen Übersetzung einen unglaublich Sog entwickelt. Man kann sich dem Buch nach den ersten Seiten nicht mehr entziehen, ist hin- und her gerissen. Ist der titelgebende Imam wirklich unschuldig oder ein gerissener Drahtzieher, der sein Umfeld getäuscht hat? Mit jeder Wendung kommt die eigene Überzeugung erneut ins Wanken. So wird das Buch zu einer Lektion über Vorurteile und der Suche nach der Wahrheit.

Geschickt verknüpft Singer zwei Fälle miteinander. Aber der Reihe nach. Die Hauptfigur, der junger Anwalt Madison, ist gleichzeitig Pastor einer Gemeinde. In seiner Doppelfunktion besucht er das örtliche Krankenhaus, sowohl um Trost zu spenden als auch neuen Mandaten zu gewinnen, die er in Zivilrechtsprozessen vertreten will. Bei dem Mann einer muslimischen Frau, die einen Verkehrsunfall hatte, stößt er mit dieser Masche allerdings zunächst auf Ablehnung. Zudem ist der Mann Imam, so dass hier auch zwei verschiedene Religionen aufeinander prallen. Die ablehnenden Haltung des Imams ändert sich, als der Anwalt in einem Prozess eine junge Frau vertritt, der eine Job auf Grund ihres Kopftuchs verweigert wurde. Die Berichterstattung um den Prozess stimmt den Imam um.

Noch bevor es zu Zivilprozess gegen den Fahrer des Lastwagens, welcher mutmaßlich den Unfall der Frau herbeiführte, kommt geraten alle Beteiligten in den Sog eines Ehrenmords. Der ermittelnden Polizisten verdächtigen den Imam, als Auftraggeber für das Verbrechen verantwortlich zu sein. Nach einigem Zögern übernimmt Madison auch diesen Fall zusammen mit seiner Kanzelei-Partnerin. Die Beweislast gegen den Imam wird immer erdrückender. Madison selber zweifelt nicht nur, sondern wird auch zunehmend angefeindet. Innerhalb seiner Kirchengemeinde formiert sich Widerstand gegen den Pastor, der vor Gericht mutmaßlichen Islamisten vertritt. Madison aus sich entscheiden. Ist der Imam wirklich der Reformer, als der er sich ausgibt oder doch der Islamist, wie ihn die Gesellschaft bereits abgestempelt hat?

Bis zum Schluss bleibt es spannend. Auch wenn die Figuren vielleicht etwas zu einfach gezeichnet sind, ist es doch das Thema und die Handlung, der man sich nicht entziehen kann.

Mein Fazit: Leseempfehlung! 

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren