Ruinöse Geschenke

Ruinöse Geschenke

Wer immer den Begriff „Wonnemonat Mai“ erfunden hat, schätze sich vermutlich glücklich, weder Freunde noch Familie zu haben. Keinen lebenden Verwandten, die ausgerechnet im Mai Geburtstag haben. Wonnemonat Mai? Mein Portmonee ist da entschieden anderer Meinung.

Spaß beiseite, so dramatisch ist es nicht. Und schließlich schenkt man doch gerne. Zumindest behauptet das jeder, wenn er vorm Inquisitionsgericht steht. Tatsächlich jedoch sorgt das Ritual des Schenkens mindestens für Verlegenheit. Nämlich dann, wenn man nicht genau weiß, was man schenken soll. Zudem, und das halte ich persönlich für den noch schwierigeren Teil, geht es bei Geschenken immer auch um den Wert des Geschenkes. Damit ganz klar der Materielle Wert gemeint, denn ideelle Geschenke sind ein Mythos wie auch der Satz „wir schenken uns dieses Jahr nichts“ eine Lüge ist. Wer es glaubt und sich dran hält, steht mitunter wie ein geiziger Idiot dar.

Alexas_Fotos / Pixabay

Die Wertstufen eines Geschenkes gehen von geizig über angemessen hin bis zu großzügig und verschwenderisch. Meint man. Das Ende der Skala ist jedoch „ruinös“. Vor etwas längerer Zeit las ich von einem Naturvolk, welches das Schenken so weit auf die Spitze getrieben hatte, dass es unumgänglich war, immer größere Gegengeschenke zu machen. So was führt zwangsläufig dann in den Ruin des Schenkenden.

Bei Wikipedia gibt es einen sehr langen und ziemlich interessanten Artikel zum Thema „Schenkökonomie“. Wer den liest, wird bei nächster Gelegenheit nicht mehr unvoreingenommen verschenken.

Wie dem auch sei, zumindest innerhalb meiner Familie aber auch unter Kollegen haben wir eine wie ich finde angemessenen Regelung gefunden. Pro Person zehn Euro. Bei besonderen Anlässen wie Beförderung oder runde Geburtstage etc. das Doppelte. Im Büro bedeutet das, für jemanden der Geburtstag hat, schmeißt jeder von uns zehn Euro in den Topf, von dem Geld wird dann was gekauft. Natürlich freuen wir uns immer, wenn die Firma sich vergrößert.

Leider geht es auch völlig rational und zwar in dem Moment, wo man anfängt zu rechnen. Wenn man sich stets den gleichen Wert schenkt, läuft es auf ein Nullsummenspiel hinaus. Die Schlussfolgerung wäre dann, es gleich sein zu lassen — also auf das Schenken zu verzichten. Für mich ist das der Grund, warum ich es hasse, Geld oder Gutscheine zu verschenken. So etwas versickert im Alltag einfach und der Beschenkte hat dann (so mein Eindruck) keinen Bezug mehr zum Anlass und zum Schenkenden.

Selbst bei einer geschmacklosen Krawatte weiß man noch nach Jahren, von wem die stammt und warum man mit der Person seit dem kein Wort mehr gewechselt hat.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren