Eine Detailfrage

Eine Detailfrage

Ob ich jemand mit einer Inselbegabung bin oder ob ich überhaupt eine Begabung habe, wäre an dieser Stelle sicher eine berechtigte Grundsatzfrage. Zum Schutz von Persönlichkeit und seelischer Stabilität vertiefen wird das aber lieber nicht.

Was mir aber heute zum wiederholten Male aufgefallen ist, dass mir etwas auffällt, was anderen möglicherweise nicht auffällt. Oder nicht auffallen würde, wenn ich es nicht zum Gegenstand von Diskussionen machen würde — meine Frau muss darunter häufiger leiden.

JTB / Pixabay

Ausgespuckte Kaugummis, zum Beispiel. Die Strecke von der Wohnung zum Bahnhof in Nippes bin ich sicher schon über 1.000 Mal gelaufen. Der Blick wanderte dabei hier hin und dorthin. Zu den Graffitis, die in meinen Augen eher Schmierereien sind, zum dem Loch in der Häuserwand, welches die Papageien dort reingepickt hatten und vieles mehr. Auch Gesprühtes auf dem Asphalt ist mir aufgefallen, oder der „Ausrutscher“ mit dem Farbeimer.

Über die Kaugummis stolperte ich bisher noch nicht. Wohl aber heute, als ich bei jedem weiteren Schritt Richtung Bahnhof eins auf dem Asphalt entdeckte. Vor der Haustür fing es an, zog sich dann durch die autofreie Siedlung und eben bis zum Bahnhof hin. Es waren viele Kaugummis. Zur Beruhigung sei erwähnt, dass ich sie nicht alle gezählt habe. Ganz so schlimm scheint es also noch nicht zu sein.

Zwei Sachen gehen mir in Bezug auf die Kaugummis durch den Kopf. Ganz banal natürlich der erste Punkt. Warum ich zum Henker so was nicht einfach ignorieren oder ausblenden kann, sondern mich damit beschäftige. Ist es doch eine Form von Autismus, Asperger oder was auch immer? Warum sind mir die Kaugummis nicht schon vorher aufgefallen?

Der zweite Aspekt sind die Kaugummis selber und der Umstand, wie so dort auf den Boden gelangt sind. Bisher ist mir noch kein Wetterphänomen bekannt, bei dem es Kaugummi vom Himmel regnet. Das Kaugummi ist auch nicht belebt und bewegt sich eigenständig vom nächsten Mülleimer, seiner eigentlichen Heimat, über das Pflaster wo es dann erbärmlich verendet.

Kaugummis werden von Menschen gekaut und ausgespuckt. Obwohl auf der Verpackung etwas zum Thema Entsorgung steht. So viel also (Wink Richtung Aufdrucke auf Zigarettenschachteln) zum Thema Hinweise für den Verbraucher.

Die Entfernung von Kaugummis ist zeitintensiv und teuer. Besonders schön sieht das Zeug auch nicht aus. Was wohl im Kopf der Menschen vorgeht, die es einfach auf den Boden spucken wie im Wilden Westen den Kautabak? Auffällig ist, dass es kein bestimmtes Profil gibt. Quer durch soziale Schichten und die Generationen wird das Kaugummi mit einer arroganten Nachlässig auf dem Boden gespuckt. Mir hat es vor ein paar Wochen wirklich die Sprache verschlagen, als ich ein gut situiertes Paar Ende vierzig in der Kölner Innenstadt sah und die Frau einfach mitten im Gehen ihr Kaugummi absichtlich auf den Boden spuckte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren