Umfallen bis zum arbeiten

Umfallen bis zum arbeiten

In Deutschland wurde 1891 die gesetzliche Rentenversicherung eingeführt. Sie war, wie die anderen Sozialgesetze aus der Zeit, eine Erfindung von Otto von Bismarck und war kein Produkt purer Nächstenliebe. Vielmehr sollten sie als politisches Instrument den Sozialdemokraten das Wasser abgraben. Jener Partei, die dann später das Rentenalter von 65 auf 67 Jahre erhöhte — was aber wieder ein anderes Thema wäre.

Ursprünglich war ein Renteneintrittsalter von 71 Jahren vorgesehen. Das die Industrie bei der Umsetzung letztendlich auch mitspielt, lag an einer simplen Einsicht. Wer als Arbeiter verbraucht ist, macht Fehler, fällt unter Umständen gar in eine Maschine, was zu einem bedauerlichen Produktionsausfall führen würde. So was sprach man selbstverständlich nicht offen aus.

Pavlofox / Pixabay

Für die Arbeiterschaft sah die Rente wie das Versprechen des Paradieses aus. Ein Einkommen zu haben, ohne Gegenleistung, ohne Arbeit. Wobei, und das spüren auch heute noch viele Rentner am eigenen Leib, Einkommen ist niemals automatisch gleichbedeutend mit Auskommen. Oft reicht die Rente nicht aus, sie ist eher ein kümmerliches Gnadenbrot, selbst wenn man sein Leben lang gearbeitet hat.

Die Rente als Gnadenbrot, der Vergleich passt wenn man sich eine weitere Idee hinter dem System anschaut. Eine Versorgung bis zum Tod, der auf Grund von Krankheit und nicht mehr vorhandener Leistungsfähigkeit eher früher als später erwartet wird.

Das mit 66 Jahren das Leben anfängt, sang zwar einst Udo Jürgens und entspricht auch der Hoffnung der Seniorinnen und Senioren. Wirtschaftlich betrachtet ist ein langes Leben nach der Werktätigkeit aber eher der Schadensfall. Gehässig wurde auch mal vom „sozialverträglichen Frühableben“ gesprochen.

Das Rentensystem ist, zumindest meinem Eindruck nach, ein Pyramidenspiel. Ganz falsch liegt man bildlich damit auch nicht, denn eine „normale“ Alterspyramide hat unten eine breite junge Genration und an der Spitze wenige alte Menschen. Damit bezahlen die aktuell Arbeitenden das Einkommen der Rentner. Das was die Rentner einst einzahlten, ist nämlich längst ausgegeben und verbraucht worden. Problematisch, man ahnt es schon, wir die Sache wenn sich die Pyramide umkehrt. Wenn die Anzahl der Alten größer wird, die Geburtenrate stagniert oder sinkt. Für ein Pyramidenspiel braucht man kontinuierlich Personen, die unten an der Basis neu einsteigen. Bleiben diese aus, stürzt das Ganze wie ein Kartenhaus zusammen.

Politiker überstürzen sich dann angesichts des drohenden Szenarios mit Vorschlägen. Zum Beispiel äußert sich jüngst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dahingehend, die Rente mit 70 sei wieder denkbar. Merkwürdig nur, dass solche Vorschläge immer von Menschen kommen, die nur noch aus Jux und Dollerei arbeiten. Merkwürdig auch, dass in der Industrie, die diese Forderung von Schäuble unterstützt, niemand wirklich bereit ist, Menschen jenseits der 50 einzustellen.

Sei es drum, das Problem mit der Rente ist leider kein philosophisches. „Die Rente ist sicher“ mehr eine Legende denn Wirklichkeit. Genau aus diesem Grund sollte man eigentlich dankbar über jeden Mensch sein, der nach Deutschland kommt und hier leben und arbeiten möchte. Unter den Flüchtlingen aus Syrien, nur so am Rande, sind viele junge Menschen.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren