Ein Eis verschwindet

Ein Eis verschwindet

Einfach so verschwindet kein Eis. Und wenn es verschwindet, nennt man den Vorgang „schmelzen“. So was passiert schon mal bei wärmeren Temperaturen. Alternativ kann ein Eis auch gegessen werden, vorzugsweise wenn es sich um ein so genanntes Speiseeis handelt.

Damit kommen wir dann der Sache etwas näher. Gutes Eis wächst nicht auf Bäumen, was in Bezug auf den bereits beschriebenen Vorgang des Schmelzens problematisch wäre, sondern ist in der Eisdiele des Vertrauens erhältlich. Mit dem Vertrauen ist es allerdings so eine Sache.

Kamelia / Pixabay

Früher, als Kind, habe ich mir in Bezug auf Eis wenig Gedanken gemacht. Gerne schlug ich Warnungen vor Wassereis und Softeis (die Maschine ist doch verkeimt!) in den Wind. Und wenn der Eiswagen wieder mal bimmelnd durch die Straßen fuhr, stand ich hinterher wie alle anderen Kinder auch Schlange.

Etwas später, Richtung Abitur, gab es dann doch so was wie eine Eisdiele meines Vertrauens. Bei Martinelli in der Fußgängerzone von Wesel gab es das beste Spagetti-Eis. Wir überlegten dann im Studium, das Eis entweder nach Bielefeld einfliegen zu lassen oder seinen Hersteller zu entführen. Wobei, Bielefeld und Entführung ist auch wieder ein heikles Thema.

Doktoren wir nicht weiter herum, eigentlich geht es um Eis in Köln, genau gesagt um eine Eisdiele im Agnesviertel. Meine Frau und ich aßen dort, als wir noch im Agnesviertel wohnten, auch mal ein Eis. Zugegen, das Eis war ziemlich gut und hätte mir auch sicher gefallen, wenn denn die Sache mit dem Wechselgeld nicht gewesen wäre. Schleckend, ein paar Straßenzüge weiter viel mir nämlich auf, dass es eine für uns ungünstige Abweichung gab zwischen dem, was wir herausbekommen hatten und rechnerisch bekommen haben müssten. Das hinterließ einen merkwürdigen Geschmack.

Bevor wir uns aber damit weiter auseinandersetzen konnte oder der Eisdiele eine zweite Chance hätten geben können, verschlug es uns ein Veedel weiter nach Nippes. Dort gibt es auch Möglichkeiten Eis zu kaufen, so das die ganze Sache wieder in Vergessenheit geriet. Bis Anfang dieser Woche.

Bei Facebook las ich einen Eintrag, wo sich eine Frau über ebene jene Eisdiele im Agnesviertel aufregte. Für drei Eiskugeln musste sie 3,20 Euro bezahlen. Auf dem Bon stand dann „2 Eiskugeln zu jeweils 1 Euro und 1 Eiskugel extra 1,20.“ Die Frau hatte für sich ein Eis mit zwei und für ihr Kind eins mit einer Kugel gekauft. Wie das so ist in sozialen Netzwerken, erhitzten sich die Gemüter schnell (wir erinnern uns an Eis und die Sache mit der Temperatur). Für die Eisdiele selber war der Eintrag samt seiner Kommentare nicht rühmlich.

In der Nacht zum Mittwoch verschwand dann der Eintrag aus der Facebook-Gruppe Agnesviertel. Ohne Erklärung, ohne Kommentar. Vorauseilender Gehorsam, Zensur — Begriffe, die gerade auch in anderem Zusammenhang ganz aktuell sind. Ich für meinen Teil halte die Art des Vorgehens für unsagbar dumm. Die Sache lässt sich durch löschen nicht aus der Welt schaffen, der Unmut bleibt und die Rufschädigung hat bereits stattgefunden. Abgesehen davon sind die Kommentare bei den meisten Facebook-Nutzern der Gruppe ehedem noch vorhanden und zwar in Form einer E-Mail. Zumindest dann, wenn man bei neuen Kommentaren zu einem Beitrag benachrichtigt wird.

Ich für meinen Teil verzichte in diesem Fall auf die noch ausstehende zweite Chance und bleibe Eistechnisch hier im Veedel.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren