Gedanken zum Fall Böhmermann

Gedanken zum Fall Böhmermann

Mittlerweile scheint sich die meiner Meinung nach gelungen Satire von Jan Böhmenmann zur Staatsaffäre hochgeschaukelt zu haben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ziel des Spots von Böhmenmann, hat Böhmenmann bei der Staatsanwaltschaft in Mainz anzeigen lassen. Das ganze sei kein Scherz, sondern „ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Traurig eigentlich, wenn man türkischen Hitzköpfen wie Erdoğan erklären muss, dass der Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen ist.

Sagt man solches in der Türkei, wird man im günstigsten Fall vor ein Gericht gezerrt — wenn es schlecht läuft, verschwindet man für eine Lange Zeit oder wird gleich umgebracht. Kritik wird in der Türkei ernst genommen. Todernst. Den Weg von einer mehr oder weniger gut funktionierenden Demokratie hin zu einer Diktatur hat man längst eingeschlagen.

Chraecker / Pixabay

Eigentlich gibt es keinen „Fall Böhmermann“. Sondern lediglich einen türkischen Präsidenten, der wie seine Anhänger nicht zu verstehen scheint, was Satire ist. Böhmermann hat Erdoğan beleidigt. Na und? Davon geht die Welt nicht unter. Oder, um es wie die Engländer zu sagen: „If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.“ Wer ein öffentliches Amt bekleidet und so empfindlich ist, befindet sich am falschen Platz und ist für die Position die er bekleidet, offensichtlich ungeeignet.

Das aber leitet sich aus meiner westlichen Wertvorstellung ab, die möglicherweise nicht deckungsgleich mit dem ist, was in der Türkei herumgeistert. Dafür sind mir Begriffe wie Ehre, Familienehre und Ehrenmord fremd.

Sei es drum. Wer über seinen Anwalt in Deutschland verlauten lässt, man müsste Böhmermann durch Bestrafung auf den rechten Weg zurück zu führen, hat einiges nicht verstanden. Jemand mit echter Größe hätte als Präsident die Sache einfach auf sich beruhen lassen. Wissen, dass nach wenigen Tage so was ehedem in der Flut anderer Meldungen untergegangen wäre. So aber schafft es Erdoğan zum Gesprächsthema Nummer eins zu werden. Besonders gut kommt er dabei nicht weg — er sollte lieber nicht verkleidet in Deutschland öffentliche Verkehrsmittel benutzen, denn was da so gesagt wird, könnte ihn zu weiteren Strafanzeigen veranlassen. Man sehe mir nach, wenn ich hier nichts zitiert wiedergebe, den für einen kleinen Blogger wie mich gibt es keinen Polizeischutz. Und meinen Kopf behalte ich gerne zwischen den Schultern.

Zum Thema Satire und was sie darf, verweise ich gerne Kurt Tucholsky: „Alles“. Sein 1919 erschienen Text „Was darf Satire?“ ist immer noch aktuell und lesenswert.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren