Denunziant oder Lebensretter

Denunziant oder Lebensretter

Köln und Rücksichtnahme bei Autofahrern auf anderer Verkehrsteilnehmer, das ist ein Kapitel für sich. Allein in den letzten zwei Monaten habe ich mehr rücksichtslos parkende Autos gesehen als über die gesamte Zeit, die ich in Bielefeld gewohnt habe.

Natürlich sind die Bielefelder auch keine Engel. Hier in Köln aber komm noch ein sehr eigenartiges Rechtsbewusstsein dazu. Gelassenheit liegt hier verdächtig nah an einer Egal-Menatilität, oft gepaart mit einer „Ich zu erst“ Haltung. Wer sich dann dem widersetzt, wird übel beschimpft. Ein kleines Beispiel.

rotkevichkonstantin / Pixabay

Bei Facebook bin ich in der lokalen Nippes-Gruppe. Dort ging es gestern um einen Falschparker an einer Kreuzung. Er hatte so geparkt, dass für Kinder einer nahen Grundschule die Überquerung der Straße erheblich gefährlich wurde. Man regte sich über den Autofahrer auf, es wurde Tipps ausgetauscht, was man in so einem Fall am besten tun kann. Dann postet jemand ein Foto von einem Bus, dessen Fahrer eine Frühstückspause eingelegt hatte. Mitten auf dem Fahrradweg. Ganz ehrlich, ich finde beide Fälle alles andere als in Ordnung. Den Tipp, Falschparker dem Ordnungsamt dem Ordnungsamt der Stadt Köln über dieses Online-Formular zu melden, fand ich daher passend. Alternativ kann man auch eine E-Mail an owi-anzeigen@stadt-koeln.de schreiben. Dabei sollten folgende Angaben enthalten sein: Der eigene vollständige Name mit ladungsfähiger Adresse, Tagtag, Tatzeit, Tatort, Verstoß (falls möglich mit aussagekräftigem Foto), Kennzeichen, Fabrikat.

Anzeigen was nötig ist
Anzeigen was nötig ist

Was dann folgte, sorgte für einen nicht unerheblichen Anstieg meines Blutdrucks. Nur das Wissen darum, Trolle am besten nicht zu füttern, hielt mich von einer gepfefferten Antwort an. In der Gruppe meinten nämlich ein paar Menschen, den Tipp-Geber und alle, welche die Falschparker zur Anzeige bringen würden, als Denunzianten zu bezeichnen. Ein Begriff, der für mich eine sehr unangenehmen Beigeschmack hat. Als ob man Nachbarn in den Tod schicken würde, weil man sie an die Gestapo verraten hat. Denunziant — eine ziemlich Keule.

Ganz ehrlich, ziemlich daneben. Es geht hier tatsächlich um das Leben von Kindern und Fahrradfahrern, welches aus reiner Bequemlichkeit gepaart mit Verantwortungslosigkeit, aufs Spiel gesetzt wird. Wer solches Verhalten zur Anzeige bringt, sorgt im besten Fall dafür, dass die betreffende Person beim nächsten Mal vielleicht vor dem parken nachdenkt. Gerade Autofahrer in einer Großstadt müssen lernen, dass der öffentliche Raum keine rechtsfreie Zone ist, in der das Gesetz des Stärkeren gilt. Und wenn es auch Sisyphos-Arbeit ist, so was immer zur Anzeige zu bringen, sollte man es meiner Meinung nach machen. Auf Dauer rettet es Leben.

Diejenigen, die so leichtfertige mit dem Begriff „Denunziant“ um sich werfen gehören mit Sicherheit zu den Ersten, die in lautes Geschrei ausbrechen, wenn wirklich mal etwas passiert.

2 Replies to “Denunziant oder Lebensretter”

  1. Wir erzählen da immer eine unschöne Anekdote. Kurz vor dem Umzug in unsere Wohnung hat es in einer Nachbarstraße gebrannt. Das man auch: der Balkon war komplett schwarz, wie auch der gesamte Hausstand. Leider hätte es wohl glimpflicher ausgehen können, wäre die ganze Straße nicht (illegal) zugeparkt gewesen. Das Ende vom Lied: da es eine Einbahnstraße ist, wurde sie komplett abgesperrt. Blöd für Einwohner, die gerne mal zum Ausladen vorgefahren sind, aber anders geht es eben nicht.
    Nun haben wir auf unserer Einfahrtsstraße neuerdings auch Dauerparker im Halteverbot. Kurzes Parken zum Ausladen interessiert ist ok, solange der Fahrer parat ist direkt wegzufahren. Aber ich möchte hier keine Verzögerungen der Rettungsarbeiten haben, nur weil jemand es sich zu bequem macht. Es gibt im Gewerbegebiet paar Meter weiter Abends nach Geschäftsschluss immer genug Parkplätze – aber dafür müsste man ja 200m laufen. Danke für deinen Link zum Ordnungsamtformular, davon werden wir mal Gebrauch machen.

    1. Vor so einem Brand oder einem Notarzteinsatz habe ich auch immer Angst. Angst, weil ich fürchte, im Falle eines Falles ist mal weder trotz eindeutiger Schilder der rettenden Weg zugeparkt. Man sollte sich wirklich angewöhnen, solche gefährliches Fehlverhalten konsequent zu Anzeige zu bringen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren