Die gerechte Strafe

Die gerechte Strafe

Vor dem Hintergrund der Panama Papers, aber auch grundsätzlich stellt sich die Frage, was denn eine gerechte Strafe sei. Nach meinem laienhaften Verständnis sollte sie in einem angemessenen Verhältnis zu Tat stehen. Genau darüber kann man bereits streiten. Was ist das, ein angemessenes Verhältnis?

Lässt sich eine Strafe bemessen für Mord oder Vergewaltigung, die angemessen und nicht letal ist? Überhaupt: Wäre eine angemessene Strafe auch eine gerechte Strafe? Soweit ich es im Hinterkopf habe, haben zudem die Strafen in unserem Rechtssystem keinen Bezug zur Tat. Wenn jemand einen Mensch mit dem Auto anfährt, so dass das Opfer ein Leben lang an den Rollstuhl gefesselt ist, wäre es auch eine Option, wenn sich der Täter um das Opfer kümmern müsste.

Hans / Pixabay

Man kann sehr lange über Strafe und Gerechtigkeit nachdenken. Je tiefer man dabei taucht, desto mehr bringt man ans Licht, was man eigentlich gar nicht sehen und wissen will. Einfach ist es, nach dem Ausschlussprinzip zu verfahren. Sich eine Tat und die in Aussicht gestellt Strafe vorzunehmen. In der Süddeutsche Zeitung las ich heute von einem Ladendieb in den USA, der für eine Hand voll Snickers mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wird. Ganz offensichtlich ist das eine unverhältnismäßig hohe Strafe.

Bei dem Mann handelt es sich um einen Wiederholungstäter, der schon mehrfach wegen Diebstählen bestraft wurde und als „unbelehrbar“ gilt — was das bedeutet, wenn man die Menschen einfach nur wegschließt, kann sich jeder selber ausrechnen. Der von ihm verursachte Schaden soll sich jedes Mal, so die SZ, im überschaubaren Rahmen gehalten haben. Gewalttätig gegen Menschen ist er nie geworden.

Dem Richter, vor dem der Täter steht, sind mehr oder weniger auch die Hände gebunden. Er kann keine Milde walten lassen, den in Louisiana wird ohne Gnade bestraft. Wer drei Mal straffällig geworden ist, soll am besten für immer weggesperrt werden. Anscheinend unabhängig von der Tat.

 Louisiana wird als Welthauptstadt der Gefängnisse bezeichnet — das hat Gründe

Wenn der Amerikaner aus dem Gefängnis kommen wird, ist er über 50 Jahre alt. Zu erwarten, dass er sich dann gebessert hat, ist illusorisch. Er wird verbittert sein. Abgestumpft. Möglicherweise sogar zu allem bereit. Eine Resozialisierung wird nicht stattfinden. Zwanzig Jahre für eine Hand voll Schokoriegel. Für mich ist das nicht gerecht, sondern maßlos dumm.

An Abschreckung glaube ich nicht. In diesem Fall geht es ausschließlich um Rache. Maßlose Rache, zu lasten des Täters und der Gesellschaft, denn die Inhaftierung des Mannes wird den Staat jährlich rund 18.800 Dollar kosten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren