Oh wie schön war Panama

Oh wie schön war Panama

Der kleine Tiger und der kleine Bär haben es momentan nicht besonders leicht. Die Helden aus der Geschichte „Oh wie schön ist Panama“ von Janosch müssen für allerlei Scherze herhalten, seit dem der Süddeutsche Zeitung und anderen beteiligten Zeitung der große Coup rund um die Panama Papers gelang. Die leere Holzkiste mit der Aufschrift „Panama“ löst im Buch eine Sehnsucht aus. In der Wirklichkeit ist diese Holzkiste ein Briefkasten und die Verlockung, sein Geld den Finanzbehörden und Ermittlern zu entziehen.

In 2,6 Terabyte Daten, die ihnen zugespielt worden, recherchierten Journalisten rund um die Welt die Hintergründe zu den dubiosen Briefkastenfirmen der Kanzlei Mossack Fonseca. Zum Teil mit Sicherheitsvorkehrung und unter Geheimhaltung. Rund ein Jahr wurde gearbeitet, bevor das Ergebnis der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Datenmaterial aus 46 Jahren wurden ausgewertet, insgesamt 11,6 Millionen Dokumente.

mermyhh / Pixabay

Dreh- und Angelpunkt sind 214.000 Briefkastenfirmen, die nur einem Zweck dienten: Geld zu waschen, dessen Herkunft und seine Besitzer zu verschleiern. Vor allem auch Geld dem Zugriff lokaler Steuerbehörden zum Beispiel in Deutschland oder Island zu entziehen. Die Liste der veröffentlichten bekannten Namen derer, die ihnen Staat, die Gesellschaft in der sie Leben und ihre Mitmenschen betrogen haben, ist lang, sehr lang. Um alle Artikel zu lesen benötigt man viel Zeit. Zeit, die man sich nehmen sollte, auch wenn die Panama Papers ein großes Stück Grundvertrauen erschüttern — oder aber man ist so abgebrüht und hat schon längst die Hoffnung auf Gerechtigkeit aufgegeben.

Gerechtigkeit es genau das Thema, über das im Zusammenhang mit den Briefkastenfirmen diskutiert werden sollte. Wer die Möglichkeiten hat, entzieht seinem Geld der Steuer. Die normalen Bürgerinnen und Bürger jedoch bezahlen, müssen sich aber so langsam fragen, warum sie so blöd sind. Aber ist man wirklich nicht ganz helle, wenn man Steuer bezahlt?

Im Gegenteil. Steuern werden nicht als Selbstzweck erhoben, sondern sie dienen (zumindest meinem möglicherweise leicht verklärten Weltbild nach) dem Allgemeinwohl. Straßen werden davon gebaut, Schulen errichtet, Lehrer bezahlt und auch die Polizei. Jenes Organe, welches für die Sicherheit sorgt. Sogar für die Sicherheit derer, die keine Steuer bezahlen.

Für mich ist das der Punkt, an dem man das Wort „asozial“ zurecht verwenden darf. Wer mit Briefkastenfirmen den Staat betrügt, betrügt uns alles. Gleichzeitig ist eher ein Schmarotzer, der die Dinge wie selbstverständlich nutzt, die er nicht bezahlt. Ein Wohnungseinbruch in einer Villa eines Bürgers, der sein Vermögen und jegliche Form der Besteuerung dem Staat mittels Briefkastenfirmen entzogen hat? Man könnte hier sehr hässliche kreative Vorschläge anbringen.

Die Panama Papers zeigen aber noch Nutzungsmöglichkeiten für Briefkastenfirmen auf. Politiker, die ihr Geld lieber außer Landes sicher wissen, als es den Unruhen auszusetzen. So wie in Island oder der Ukraine. Diktatoren, die ihre Waffendeals an jeglichen Sanktion vorbei mittels Tarnfirmen abwickeln. So viel essen kann man eigentlich nicht, wie man kotzen möchte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren