Keine Angst vor Dreck

Keine Angst vor Dreck

Die ersten drei Monate liegen hinter mir. Monate, in denen ich zum ersten Mal im RAW-Format fotografierte — und mich seitdem frage, warum ich solange gewartet habe. Rund 1100 Fotos schlummern jetzt auf der Festplatte. Davon muss ich noch einiges durchgehen, sortieren, bearbeiten und möglicherweise veröffentlichen.

Zeit ist vergangen, in der ich mich langsam mit dem eTrex touch 25 von Garmin anfreundete. Die Tour gestern verlief zum ersten Mal seit dem möglicherweise zufälligen Erfolg ganz am Anfang ohne Probleme. Das Routing klappte, der Track wurde vollständig aufgezeichnet und die geschätzte Ankunftszeit passte wie die Faust aufs Auge — mehr zur Tour später.

Zeit für ein Bad
Zeit für ein Bad

Momentan muss ich aufpassen, mich bei meinen Projekten, die alle irgendwie zusammenhängen, nicht zu verzetteln. Für Wandersehnsucht sind dringend neue Routenbeschreibungen nötig, mein komoot-Profil will gepflegt werden, die Autorenseite sollte längst fertig sein und ja, ich muss auch mal wieder Kurzgeschichten schreiben. Zumindest das Foto-Problem in Bezug auf die Veröffentlichung ist gelöst. So gar mit einer Zukunftsoption. Sollte nämlich Instagram eines Tages die API komplett dicht machen und die Bilder hier im Blog auf der rechten Seite verschwinden, lese ich einfach den RSS-Feed meiner koken-Installation aus.

Bei all dem macht man sich allerdings nicht dreckig. Die Hände bleiben schön sauber, wenn ich die Fotos in Lightroom bearbeitet, Wind und Wetter können draußen machen was sie wollen, wenn ich wohlig warm in der Wohnung am Rechner sitze. Hinter jedem Bild steckt aber auch eine Geschichte. Und sofern man die Fotos selber geschossen hat, ist man Teil eben jener Geschichte.

Gestern hatten wir nach sieben Tagen wieder traumhaftes Wanderwetter. Da sich das schon vorher abzeichnete, planten meine Frau und ich entsprechend. Der Wochenendeinkauf wurde am Freitag erledigt, eine Strecke aus dem Pool gewählt und die Zugverbindung rausgesucht. Am Samstag ging es dann nach Sinzig. Die erste Etappe des Ahr-Venn-Weges sollte es sein. Von mir etwas angepasst um Überlängen zu vermeiden und einen Bahnhof erreichen zu können.

Rund 23 Kilometer in knapp 6 Stunden bei moderater Steigung. Schneller hätte es sein können, wenn es nicht nach dem ersten Drittel richtig knüppeldick gekommen wäre. Trockenes Wetter ist gut, wenn der Untergrund richtig durchgetrocknet ist, noch besser. Auf Grund der vorherigen Witterung und durch Forstfahrzeuge sah der Untergrund alles andere als begehbar aus. Den offiziellen Wanderweg konnte man nur noch erahnen. Über eine Stunde quälten wir uns durch den Schlamm, der mal ein Weg gewesen sein musste.

Klar leuchtet mir ein, dass Forstwirtschaft notwendig ist. Weniger klar ist mir, warum man dann einen Wanderweg so ruinieren muss und auch noch das letzte begehbare Stück in eine tiefe Lache verwandelt, weil man ein paar Schlammspritzer am Fahrzeug vermeiden will. Als Wanderer muss man aufpassen, nicht plötzlich den Schuh hinter sich im Schlamm stecken zu lassen.

Jedoch, wer draußen unterwegs ist, wer gerne wandert, sollte keine Angst vor Dreck haben. Im Grunde gehört so was eigentlich auch dazu. Den Matsch auf den Schuhen und der Hose betrachte ich als eine Art Auszeichnung. Schließlich würde man bei einem sauberen Geländewagen ebenfalls skeptisch werden. Natur ist ungeschminkt, manchmal gnadenlos, aber immer ein Erlebnis. Meine Frau und ich haben auf jeden Fall unterwegs oft und herzlich gelacht. Zusätzlich vereinbarten wir, wenn der andere in den Matsch fällt, erst ein Foto zu schießen bevor man zur Hilfe schreitet.

Unten in Bad-Ahrweiler angekommen sahen wir erschöpft, dreckig in jedem Fall auch glücklich aus. Letzteres lag möglicherweise auch dran, dass die Strecke auf Grund ihrer Beschaffenheit uns über lange Zeit fast alleine gehörte. Da war niemand unterwegs, vor allem keine Horden von Sonntagsspaziergängern, so wie auf dem Petersberg vor einer Woche.

2 Replies to “Keine Angst vor Dreck”

  1. Danke für das Erinnern, mein Lieber. Habe mich jetzt auch bei Komoot angemeldet, wollte ich schon lange mal :) Und dann auch gleich das Komplettpaket gekauft, was solls auch ;)

    1. Komplett fühlt sich einfach besser an :-)
      Wobei, ich muss ja gestehen, dass ich die Tracks ja mittlerweile nur noch hochlade zu komoot —geplant und gewandert wird mit Garmin, wegen der Batterielaufzeit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren