Droht nicht drohen

Droht nicht drohen

Da es bereits vor zwei Tagen zum ersten Mal berichtet wurde, handelt es sich definitiv nicht um einen Aprilscherz. Nicht Bahnfahren drohen mit Verspätungen, sondern Bahnfahrern auf der Strecke Hannover — Kassel droht Zugverspätungen von bis zu einer Stunde. Besonders viel Humor lässt sich in der Schlagzeile auch nicht entdecken.

Auf Grund von Bauarbeiten könnte die ICE-Strecke sogar zweitweise komplett gesperrt werden. Mir als Pendler stellen sich drei Fragen:

  • Welche Auswirkungen wird das auf den Rest der Strecke haben?
  • Warum wird das so kurzfristig angekündigt?
  • Und wo zum Henker liegt eigentlich diese ICE-Strecke?
KarinKarin / Pixabay

Die letzte Frage ließ sich dank Google Maps leicht beantworten. Auf dem Kartenausschnitt ist die betreffende ICE-Strecke blau eingezeichnet. Die reguläre Fahrtzeit wird mit 54 Minuten angegeben, bei einer Taktung von 20 Minuten. Bei der Strecke handelt es sich um einen Abschnitt, auf dem bis zu 280 km/h möglich sind. Eine Stunde länger ist dabei ziemlich viel. Auswirkung dürfte das auf Pendler so wie auf Besucher der Messe in Hannover haben — zeitgleich zu den Bauarbeiten findet dort eine Industriemesse statt. Die Art der umsichtigen Planung ist man jedoch vom (ehemaligen) Staatskonzern gewohnt.

Die kurzfristige Ankündigung hängt angeblich mit Problemen zusammen, die „urplötzlich“ aufgetaucht sind. Gute Märchen fangen anders an. Bei der Bahn ist ehrlich gesagt nichts urplötzlich in einem desolaten Zustand, sondern das ist das Ergebnis einer jahrelangen Sparpolitik um jeden Preis — nur um sich schön für einen Börsengang zu machen. Sicher versteht man Kunde die Notwendigkeit von Sanierungen. Es ist aber auffällig, wie gehäuft diese in den letzten anderthalb Jahren auftreten. Nimmt man dann noch Unfälle wie den Stellwerkbrand in Mühlheim an der Ruhr hinzu, stellt so was die Geduld ziemlich auf die Probe. Meine Nerven liegt zwar noch nicht blank, da ich als Pendler mit den Jahren eine gehörige Portion Gelassenheit entwickelt habe — beziehungsweise mich redlich darum bemühe. Dennoch, auch mein Unmut wächst.

Nach dem der Fernverkehr aus dem Ruhrgebiet Richtung Köln (und umgekehrt) durch die Behebung der Schäden am Stellwerk in Mühlheim wieder läuft, traten kurz vor Ostern wieder die üblichen Verspätungen ein. Verspätungen, die es zwei Monate lang nicht gegeben hat. Gleichzeitig bringt mir der abends von Essen fahrende ICE 729 überhaupt nichts. Dieser hält nämlich regulär nur in Köln Messe/Deutz. Von der anderen Rheinseite kommt man aber durch die Sanierung des S-Bahn-Rings in Köln nicht mit den S-Bahnen rüber zum Hauptbahnhof. Zudem fährt auch immer noch keine S-Bahn nach Köln-Nippes. Würde ich den ICE nutzen, müsste ich bis Deutz fahren, dort in eine Regionalbahn umsteigen um dann in Köln die U-Bahn Richtung Ebertplatz zu nehmen von dem aus dann eine weitere U-Bahn Richtung Nippes fährt. Etwas zu viel Umsteigen, zu mal jedes Umsteigen mit Wartezeit und dem Risiko den Anschluss zu verpassen verbunden ist.

Zurück aber zur ICE Strecke von Hannover Richtung Kassel. Meine Erfahrungen aus Kunde der Bahn in den letzten Jahrzehnten lehren mich, dass jede Einschränkung an einer Stelle im Netz Auswirkungen auch an anderen Stelle hat. Morphische Felder gibt es auf jeden Fall bei der Bahn. Und das ist keine Drohung, sondern eine Tatsache. Aber, wie viele andere Pendler auch, werde ich ebenfalls damit drohen, den Zug als Verkehrsmittel weiterhin zu nutzen — jedem Versuch, dieses Verkehrsmittel zu ruinieren trotzend.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren