Strategie der zwei Hände

Strategie der zwei Hände

Nun also Brüssel. Gestern wurde die belgische Hauptstadt Ziel zweier feiger terroristischer Anschläge. Mindestens 34 Tote, über 230 Verletzte durch Bomben am Flughafen und in einer U-Bahn. Ein Stoß ins Herz von Belgien. Es ist, so muss man in aller Deutlichkeit feststellen, ein Anschlag nicht nur auf Belgien, sondern auf ganz Europa gewesen.

Aufschlussreich nach solchen Ereignissen ist es, Mitreisenden in der Bahn, die darüber diskutieren, zuzuhören. Der Wunsch nach stärkeren Abhörmaßnahmen, trotz des Bedenkens hinsichtlich des Datenschutzes nimmt zu. „Man habe ja selber im Prinzip nichts zu verbergen.“ Wenn lassen wir denn auch alles rein in unser Land, so eine weitere Meinung. „So geht es halt nicht weiter.“ Verhindern kann man nichts, aber zumindest minimieren – eine Ansicht, die auf breiten Konsens im Abteil stieß

Hansderuiter / Pixabay

Kritisch gesehen wird, wie stark man sich von der Türkei abhängig macht. Man züchtet sich, so die Meinung, den nächsten Diktator direkt vor der Haustür heran. Dabei verrate man seine europäischen Werte.

Nach zehn Minuten war das Thema abgehandelt. Dann ging es um Wohnungsrenovierung, Urlaubspläne und Alltagssorgen. Der ganz normale Wahnsinn. Selber ist man angesichts dieser Art der Verdrängung. Nichts hören, nichts sehen, andere werden schon ihre Arbeit machen. Der feste Glaube, selber davon zu kommen, auch wenn die Anschläge in der Häufigkeit zunehmen, Deutschland zudem immer wahrscheinlicher selber zum Ziel werden wird.

Kritik an dem bisherigen Kurs der Bundeskanzlerin wird sowohl in der Bevölkerung als auch unter Politikern laut. Durch ihre offenherzige Flüchtlingspolitik würde das Risiko eines Anschlags unnötig verstärkt. Genau das halte ich für unzutreffend. Hinter dem „Wir schaffen das“ von Angela Merkel steckt vermutlich weitaus mehr, als wir ahnen. Einer der Wurzeln des IS-Terrorismus liegt in Syrien. Die Behauptung, erst die militärischen Interventionen der Industrienationen hätten den Terrorismus groß werden lassen, verkennt die Wirklichkeit. Ebenso falsch ist es zu glauben, durch Friedensverhandlungen mit den Terroristen ließe sich etwas erreichen. Gar nichts lässt sich erreichen.

Verhandlungen sind nur auf der Basis gemeinsamer Werte möglich – oder zumindest irgendeiner Grundlage. Die gibt es nicht und wird es auch nie geben. Der IS hat sich zum Ziel gesetzt, Andersdenkende zu töten. Davon werden sie nicht ablassen, es entspricht ihrer Grundüberzeugung. Der Terrorismus findet nicht statt, um ein Ziel zu erreichen, sondern um seiner selber willen – so ließe sich das auf den Punkt bringen. Begegnen kann man dem nur mit militärischer Stärke. Hier ist eine Politik der starken Hand erforderlich.

Auf der anderen Seite müssen Alternativen aufgezeigt werden. Angebote für diejenigen sind erforderlich, die noch nicht radikalisiert sind ebenso für diejenigen, die zu Opfern der IS wurden und werden. Positionen wir „Der Islam gehört zu Deutschland“ ebenso wie der Kurs von Angela Merkel in Bezug auf die Flüchtlinge sind eine verdammt gute Abwehr vorn Terrorismus. Keine Garantie, dass nichts passieren wird, aber ein starkes Signal.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren